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  • Lilly

Wie Männer wirklich ticken

Ich denke, das ist ein Thema, das für viele Frauen ein Buch mit sieben Siegeln ist. So, wie wir Frauen für die Männer ein absolutes Mysterium sind. Dann ist es doch absolut logisch, dass es immer wieder zu Missverständnissen und Dramen kommt, wenn die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Hirn so gross sind. Dabei ist das doch völlig kontraproduktiv weil ohne das andere Geschlecht geht's ja nunmal bei uns Heteros nicht. Wir reden aber immer wieder aneinander vorbei und es ist sicherlich schon mehr als eine Beziehung an solchen Missverständnissen gescheitert. Ich würde jetzt nicht zwingend von mir behaupten, auf dem Gebiet eine Expertin zu sein. Im Gegenteil. Aber durch meine jahrelangen Feldstudien mit dem anderen Geschlecht, gepaart mit meinem grossen Interesse an sämtlicher schlechter Literatur zu diesem Thema habe ich doch das eine oder andere immer wiederkehrende Muster beim männlichen Geschlecht entdeckt, über das es sich zu schreiben lohnt. Ist ja eigentlich auch witzig, mal zu versuchen, sich in den Kopf der Männerwelt zu versetzen. Nicht, dass uns Frauen das leicht fallen dürfte. Schon nur dadurch, weil Männer komplett logisch und ordentlich denken während unsere Denkweise eher einer bunt gemischten Unterwäscheschublade mit versteckten Schokoriegeln gleicht. Wenn man aber mal begriffen hat, wie die Männer ticken und auf welche Schalter Frau drücken sollte, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen, ist es gar nicht mehr so schwierig und man kann stilsicher die eine oder andere Beziehungskrise umschiffen und sich still und heimlich selber dazu gratulieren. Einige werden jetzt denken, "Schalter zu drücken" klingt nach Manipulation. In gewisser Weise ist es das auch. Aber wir nutzen unsere Macht ja nur für das Gute und wollen damit nicht die Weltherrschaft an uns reissen. Und jetzt mal im Ernst, das ganze Leben ist eine einzige Manipulation von anderen und durch andere. Und nur weil wir einige essenzielle Details über das Männerhirn wissen und uns diese Information zu Nutze machen, heisst das ja nicht gleich, dass wir dadurch ein schlechtes Gewissen haben müssen. Eher im Gegenteil: Frau kriegt was sie will, Mann ist zufrieden, was will man mehr? Ok, ganz einfach ist es nicht und es nur schon zu verstehen dürfte einigen Frauen schwer fallen. Und die sanfte Anwendung ist dann auch noch ein anderes Thema aber wir haben ja genug Zeit zum Üben.

Ach ja und noch eins: Mir geht es hier in keinster Weise darum, eine Ausrede für gewisse männliche Angewohnheiten zu liefern. Nichts läge mir ferner als das. Aber wenn man ein tolles männliches Exemplar an der Angel hat und Angst davor hat, es schon wieder zu vermasseln, könnte die eine oder andere Erkenntnis hilfreich sein. Oder wenn man schon jahrelang mit dem Partner zusammen lebt und gewisse Dinge einfach nicht verstehen kann und immer wieder über dasselbe Thema streitet. Auch dann könnten einige Erklärungen in diesem Post einen gewissen Aha-Effekt auslösen. So. Und jetzt ran an den Speck. Mmmmmh, Speck..


Ich glaube, um Männer und ihre Denkweisen wirklich zu verstehen, muss man ganz früh im Leben eines Mannes anfangen. Beim kleinen Jungen, der Weihnachten feiert zum Beispiel. Jungs wünschen sich Feuerwehrautos, Spielzeugpistolen und Superheldenfiguren zu Weihnachten. Weil sie zu grossen, starken und heroischen Figuren wie Feuerwehrmännern und Superhelden aufblicken und selbst so sein wollen. Ein Junge, der sich eine Barbie-Puppe oder ein Nähset zu Weihnachten wünscht, wird im besten Fall nur komisch beäugt und man geht automatisch davon aus, dass er schwul sein muss. Logisch. Genau so wie Mädchen, die sich raufen, Fussball spielen und sich einen Scheiss um Puppen und Frisuren kümmern, automatisch irgendwann Kampflesben werden. So das gängige Klischee, das auch heute immer noch sehr verbreitet ist.

Also, zurück zum kleinen Jungen. Nennen wir ihn Klaus. Irgendwann wird Klaus älter und kommt in die Pubertät. Und dann passiert plötzlich etwas mit der Erwartungshaltung der ganzen Welt an ihn. Ab sofort ist zum Beispiel Weinen für ihn tabu. Es sei denn, er will als Weichei gelten und sich für immer die Spötteleien seiner männlichen Artgenossen anhören. Er muss quasi permanent den Starken markieren, auch wenn er sich vielleicht überhaupt nicht danach fühlt. Mit anderen Jungs über die eigenen Gefühle zu sprechen gilt ab sofort als "schwul" und wird umgehend verspottet. Als Halbstarker geht Klaus natürlich auch nicht zu Mutti, um sich auszuheulen. Wenn das die anderen mitkriegen würden! Die Schwester ist genauso tabu, sie ist schliesslich ein Mädchen. Und vom Vater wollen wir gar nicht erst anfagen, der ist schliesslich auch ein Mann und heult nie rum. Was also kann Klaus tun, wenn es ihm beschissen geht? Gar nichts. Einfach runterschlucken und weitermachen. Und vielleicht nachts alleine im Zimmer eine Träne vergiessen.

Bei uns Frauen ist das einfacher. Seien wir mal ehrlich, wie oft haben wir in der Pubertät geheult, gestampft, rumgeschrieen. Einfach unseren Emotionen Luft gemacht. Und keiner bezeichnet dich dadurch als "Lesbe" oder "Nicht normal". Emotionale Ausbrüche gehören halt einfach zu uns Frauen. Wir reden auch miteinander über alles und jeden und tauschen uns aus. Schon seit klein auf. Daher sind wir mit unseren Gefühlen viel eher im Einklang als die armen Kerle, die ganz alleine mit dem Chaos fertig werden müssen.

Das ist also schon einmal der erste grosse Unterschied zwischen den Geschlechtern: Frauen sind emotional viel reifer als Männer und wir wissen, wann wir traurig sind, wann wir wütend sind und wann wir glücklich sind. Männer wissen das auch. Aber das Entscheidende ist folgendes: Wir wissen WARUM wir glücklich, traurig oder wütend sind, weil wir jede Situation sekundengenau immer und immer wieder analysieren und nochmal passieren lassen. Entweder alleine oder vorzugsweise mit Freundinnen. Und dann machen wir Frauen einen fatalen Fehler: Wir gehen davon aus, dass sich der Mann ebenfalls diese Gedanken macht und werden wahnsinnig, weil er nicht so reagiert, wie wir das tun würden und wie wir es von ihm erwarten.

Der Mann denkt in dieser Situation wahrscheinlich genau folgendes: Ich bin wütend, ich bin traurig oder ich bin glücklich. That's it. Der macht sich keine stundenlangen Gedanken über das Warum und Wie und Wieso. Der tauscht sich auch nicht mit seinen Kumpels über seine Gefühle aus. Der nimmt die Situation einfach hin wie sie ist. So, wie er es seit der Pubertät gelernt hat und durchzieht. Klar gibt es da Ausnahmen und will jetzt auch nicht die ganze Männerwelt über einen Kamm scheren. Aber ich würde meinen, der grösste Teil funktioniert genau so. Und ja, ich habe verschiedene Männer bereits gefragt, wie sie mit Emotionen umgehen. Die Antwort war einstimmig: "Emotionen? Ähm. Was meinst du?" Wahrscheinlich haben sich alle panisch gefragt, ob ich sie jetzt indirekt als schwul bezeichnet habe. Meine Güte.

Wenn ihr diesen kleinen aber feinen Unterschied begriffen habt und ihn einfach als Unveränderlich akzeptiert, dann habt ihr schon einmal einen riesigen Schritt in Richtung Männer-Versteherin gemacht. Behaltet das mit den Emotionen immer im Hinterkopf. Männer sind komplette Steinzeitmenschen, wenn's um Gefühle geht. Und niemand kann ihnen daraus einen Vorwurf machen. Sie wachsen quasi damit auf.


Ok, zurück zum pubertierenden Klaus und einem ganz anderen wichtigen Thema. Nachdem er rausgefunden hat, dass er alleine mit seinem Gefühlschaos klarkommen muss, kommt schon die nächste grosse Überraschung: Ab sofort sind Mädchen nicht mehr "Iiiiiiih" sondern "Oooooooh" und er verbringt sicherlich einen Grossteil des Tages damit, sich die weibliche Hälfte der Klasse nackt vorzustellen. Und schon wären wir beim zweiten grossen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Testosteron. Das Sexualhormon der Männerwelt, das sie teilweise durchdrehen und wie Affen umherstolzieren lässt. Je höher der Testosteronwert, desto männlicher und, seien wir ehrlich, affiger sind sie dann teilweise unterwegs. Ich glaube, jede von uns kennt so eine Testosteron-Schleuder.

Ich habe viel über Testosteron gelesen, weil's mich einfach interessiert. Und beschönigen wir mal nichts: Wenn wir Frauen unsere Tage kriegen, ist mit so ziemlich keiner von uns gut Kirschen essen. Das liegt an den Hormonen. Ok und an den Bauchschmerzen. Aber Hormone sind nicht zu unterschätzen. Wir können nichts dagegen tun und wir Frauen werden dadurch einfach entweder glücklich oder möchten alles kurz und klein schlagen. Und wer sich mal die Pille verschreiben liess oder ein Verhütungsstäbchen eingesetzt hat, das dann einen unvorteilhaften Hormonschub verursacht hat, weiss wovon ich rede. So ist es auch bei den Männern mit dem Testosteron. Nur, dass ihre Hormonschübe nicht ihr Gefühlsleben komplett durcheinander bringen, sondern eher zwangsläufig zu Kopfkino und einem Dauerständer führen. Letzeres zumindest während der Pubertät.

Und wenn Frau dann später im Leben einen Mann kennen lernt und ein schönes erstes oder zweites Date mit ihm verbringt, will er sie natürlich so schnell wie möglich nackt sehen. Also nicht nur in seinem Kopf. Und das ist ja auch normal, wenn man bedenkt, dass sein Testosteronspiegel in dem Moment verrückt spielen muss. Ich stelle mir das Testosteron gerne als alten Lüstling in seinem Kopf vor, der mit Fernglas bewaffnet alle Frauen in der Gegend begafft. Und da der kleine Lüstling sich in Klaus's Kopf befindet, muss er sich zwangsläufig dessen Augen ausleihen. Und da die meisten Männer bekanntlich einen Tunnelblick haben, drehen sich ihre Köpfe auch gerne mal überhaupt nicht unauffällig nach jedem kurzen Rock um, der in ihren Blickwinkel gerät. Das ist jetzt keine Entschuldigung für die ganzen Schürzenjäger und Vollidioten, deren Hobby es ist, eine Frau nach der anderen flachzulegen. Aber es ist wichtig, dass du das zu verstehen versuchst, wenn du ernsthaft daran interessiert bist, die Männerwelt besser zu durchschauen. Es wird dir helfen, nicht auf jeden solchen Blick deines Partners gleich einen Eifersuchtsanfall zu kriegen und die Scheidungspapiere zu unterschreiben. Typen sind einfach so und sie können absolut nichts gegen ihren kleinen alten Lüstling im Kopf machen. So wie wir immer auf die Frage "Ist was?" mit "Nein, es ist nichts" antworten und dann in schönster Diva-Aufmache schwungvoll irgendeine Schublade zuknallen und ganz offenbar vor Wut schäumen. Aber (noch) nicht bereit sind, den ganzen Ärger in einem einzigen vorwurfsvollen Wortschwall rauszuhauen. Wie reagieren die Männer in einem solchen Moment? Meistens mit Schulterzucken oder der argwöhnisch hochgezogenen Augenbraue, weil sie genau wissen, dass da DOCH was ist. Sie wissen einfach nicht, was genau. Aber sie drängen uns normalerweise nicht, mit der Sprache rauszurücken. Das kommt schon früh genug von selber.

Und wie reagieren wir in der Situation, wenn der kleine Lüstling im Kopf des Partners mal wieder kurz das Steuer übernommen hat? DRAMA!!

Ich habe selber schon in der Öffentlichkeit filmreife Eifersuchtszenen vollführt, habe ihn völlig ausser mir angeschrieen, was er sich eigentlich erlaube, mit MIR Händchen zu halten und dann einer anderen nachzuglotzen. Was er sich eigentlich einbilde, er solle doch bleiben wo der Pfeffer wächst, ICH lasse das mit mir sicher nicht machen! Natürlich bin ich dann mit erhobenem Kopf davonstolziert und habe mich selber zu dieser emanzipierten und äusserst richtungsweisenden Reaktion beglückwünscht.

Meine beste Freundin Giulia ist da gesitteter. Sie ist schon seit x Jahren mit ihrem Freund Peter zusammen. Sie war früher die eifersüchtigste Frau, die mir je untergekommen ist und sie hat in dieser Hinsicht extrem an sich gearbeitet. ABER wenn Peter die Frechheit besitzen würde, einer anderen Frau offensichtlich hinterherzuschauen, dann wäre ihre Reaktion zweifellos die folgende: Sie lässt seine Hand los und sagt in betont ruhigem und gleichgültigem Ton "Schau du nur. Sei dir einfach bewusst, wenn du eine Tür aufmachst (ausladende Geste in Richtung andere Frau), geht eine andere Tür zu (zeigt auf sich selbst)." Keine offensichtliche Drama-Szene aber für Peter eine ganz eindeutige Warnung, seine Augen jetzt besser wieder dem Wesentlichen zuzuwenden.

Ich gehe davon aus, dass jede Frau weiss, wovon ich spreche. Jede kennt sowohl den kleinen alten Lüstling im Männerhirn als auch unsere "normale" Reaktion darauf. Und jetzt kommt der schwierige Teil. Ihr müsst versuchen, den kleinen alten Lüstling einfach zu akzeptieren. Den kriegt ihr niemals aus seinem Kopf, der ist einfach da und geht nie weg. Nicht mal im hohen Alter. Und nein, den kleinen Kerl zu akzeptieren heisst nicht, auch jeden einzelnen lüsternen Blick deines Partners zu entschuldigen. Es heisst einach nur: Wir müssen lockerer werden und es als das sehen, was es ist: Ein Hormonschub und ein simpler Blick. Ist ja nicht so, dass er gleich eure Hand los lässt, dem kurzen Rock hinterherrennt und nach ihrer Nummer fragt. Er schaut ja nur. Und er ist mit EUCH unterwegs und mit niemandem sonst. Diese Frau wird ihm jetzt nicht sein restliches Leben lang in seinem Kopf rumgeistern und er ist auch nicht unsterblich in sie verliebt und verlässt euch ihretwegen. Und auch seid ihr ihm nicht weniger wichtig, nur weil er einem kurzen Rock hinterherschaut. Sein kleiner lüsterner Kerl im Kopf wollte den Rock sehen und hat die Augen kurz übernommen.

Klar wird sich jetzt die eine oder andere Dame im stillen gratulieren und sagen: "Also mein Freund macht das nicht". Was du nicht sagst. Der macht das heimlich. Wenn du ihn mal irgendwo zufällig alleine oder mit Kumpel sehen würdest und er weiss, du bist nicht da. Denkst du ernsthaft, er läuft mit Scheuklappen auf den Augen rum und betrachtet keusch nur den Boden vor seinen Füssen?! Come on..

Und ich sehe auch Giulia vor mir, wie sie die Augen verdreht und nochmal betont, dass er machen kann was er will. Aber SIE ist dann WEG. Wieso? Was, wenn ihr Freund jedes Mal denselben Spruch bringen würde "Ich bin dann WEG" wenn er keinen Drama-Anfall von ihr sehen will? Und sie das zu unterdrücken hätte, weil es ihm nicht passt? Dann kann man gleich sagen, man lässt die Beziehung von Anfang an lieber sein. Es wird sowieso nicht funktionieren, wenn beide sich verstellen und permanent auf rohen Eiern laufen müssen.

Du siehst, ich will auf etwas hinaus. Es wird nur funktionieren, wenn wir Frauen uns etwas mit dem Drama zurücknehmen und zu unterscheiden anfangen, ob das jetzt ein durch Testosteronschub ausgelöster kurzer Blick war, oder ob er ganz offenkundig und übertrieben hinterhersabbert. Im zweiten Fall ist Drama und eine Standpauke durchaus angebracht und ich denke, wir erkennen den Unterschied (wenn wir uns gegenüber ehrlich sind) sofort und ohne Ausnahme. Im ersten Fall jedoch kann eine ironisch hochgezogene Augenbraue in Verbindung mit einem süssen Lächeln und einem spielerischen Klaps auf seine Schulter wahre Wunder bei ihm bewirken. Wieso? Weil er dann erkennt, was für eine fantastische Frau er an seiner Seite hat, die ihm nicht mal eine Standpauke hält, wenn er kurz einem Rock hinterherschaut. Er macht das ja nicht absichtlich und mit bösen Hintergedanken. Es passiert ihm einfach. Jede andere Frau hätte ihm jetzt eine Szene gemacht, aber DU nicht. Was für ein Glück er doch hat. Und schon hat man ganz elegant eine Krise abgewendet und er sieht ein, was für eine tolle Frau er da an seiner Seite hat.


Gehen wir zurück zu Klaus in der Pubertät. Nebst den verwirrenden Emotionen und dem nervigen Dauerständer, kommt jetzt noch ein weiteres Problem in sein Leben: Er muss jetzt zum MANN werden und sich ständig beweisen. Ich stelle mir Jungs in der Pubertät (oder eigentlich allgemein Männer) gerne als Höhlenmensch vor. Klingt böse, aber lass mich das erklären. Nach Millionen von Jahren menschlicher Entwicklung kann es nicht sein, dass wir plötzlich uralte, von der Natur in unsere Gene eingebrannte Verhaltensweisen einfach ablegen, nur weil wir nicht mehr in Höhlen hausen. Wir haben uns verändert, ja. Aber in Bezug auf gewisse Instinkte und Verhaltensweisen sind wir nicht anders als die Affen im Urwald. Und dank Testosteron fällt der Vergleich zwischen modernem Mann und Höhlenmensch besonders leicht. Ist nicht böse gemeint, aber ich glaube, du weisst was ich meine.

So, also wir sind bei Klaus. Der kleine pubertierende Höhlenmensch, der zum Mann werden muss. Er hängt natürlich mit seinen Kumpels ab, die allesamt dasselbe Problem haben. Aber da sie Männer sind, reden sie natürlich nicht über ihre Probleme. Nein, sie machen es schlimmer indem sie sich gegenseitig aufziehen, veräppeln und bei kleinsten Fehltritten sofort als schwul bezeichnen. Um dem entgegenzuwirken, müssen sie sich ständig gegenseitig beweisen, dass sie ein ganzer Kerl sind. Uga uga. Sie machen dämliche Mutproben, klopfen den anderen anerkennend auf die Schulter, wenn diese sich besonders "männlich" verhalten haben und der Wettbewerb geht los, wer das erste Mädchen flachlegt. Sag mir jetzt bitte nicht, dass dich das nicht auch an Höhlenmenschen erinnert?!

Anyway. Es ist für Klaus ungeheuer wichtig, dass er als Mann erkannt wird. Oder zumindest bald. Schliesslich will er keine Memme sein. Er entwickelt sein EGO.

Und du ahnst es: Dritter wichtiger Unterschied zwischen Frauen und Männern. Ja, auch wir haben unser Ego. Aber es muss definitiv nicht so oft gestreichelt und gehätschelt werden, wie das der Männer. Natürlich würden sie es nie zugeben. Streicheln und hätscheln klingt nach Weiberkram. Sie sind STARK und MÄCHTIG und BEWUNDERNSWERT. Zumindest in ihren Augen. Während wir Frauen vor dem Spiegel stehen und unsere Speckröllchen kritisch beäugen, stehen Männer und Jungs vor dem Spiegel und beäugen kritisch ihren Bizeps, ihren (nicht vorhandenen) Sixpack oder ihre Wadenmuskeln. Schliesslich ist es ganz eindeutig, dass Frauen ausschliesslich einen starken Mann wollen, der ihre Probleme lösen kann und der praktisch veranlagt ist. Dass sie mit dieser scharfsinnigen Selbsteinschätzung meilenweit daneben liegen könnten, kommt ihnen nicht mal in den Sinn. Aber ihr Fokus ist eindeutig. Sie sind stark, sie sind Problemlöser und sie können ALLES. Irgendwie.

Und Ladies, das männliche Ego ist ein Geschenk des Himmels für uns, weil es der absolut kürzeste und zielsicherste Weg ist, einem Mann komplett den Kopf zu verdrehen und ihn zu fast allem zu bewegen. Nicht sein Magen. Sein Ego. Ein Mann isst auch eine fünf Tage alte Pizza, die er zufälligerweise unter seiner Dreckwäsche gefunden hat. Just saying..

Ein Ego hat jeder Mann. Auch der schüchterne nette Junge von nebenan, der sich nicht traut, mit den Frauen zu sprechen. Oder der schlecht gelaunte Chef. Oder der Stubentiger, der lieber auf dem Sofa liegt, als irgendwas zu basteln. Es ist einfach nicht bei allen Männern gleich ausgeprägt. Aber vorhanden ist es immer.

Was heisst das konkret? Das Einzige, was wir ab und zu und wohlportioniert tun müssen, ist dezent seinem Ego zu schmeicheln. Aber Achtung: Sarkasmus ist in diesem Moment komplett fehl am Platz. Das ist äusserst wichtig. Ihr könnt einen Typen komplett verunsichern, wenn ihr euch über ihn lustig macht oder ein Attribut, von dem er denkt, dass es ihn extrem männlich macht, ins Lächerliche zieht. Das ist für den Mann absolut unverzeihbar und es verletzt ihn dann auch richtig hart. Schliesslich hat er doch sein Leben lang daran gearbeitet, dass seine Muskeln jetzt so stählern sind oder dass er so gut Regale aufhängen kann oder dass er mit seinem Lächeln die Frauen beeindrucken kann. Und darum geht es ja: Er will beeindrucken. Vordergründig das andere Geschlecht. Wenn er dann noch von seinen Artgenossen ein Schulterklopfen und wohlwollendes Gejohle als Belohnung kriegt, schwebt er auf seiner Art von Wolke 7.

Wenn wir jetzt hingehen und ihm auf sarkastische Weise sagen, wie toll doch sein Bizeps ist und dann auch noch lachen, heisst das für ihn nichts anderes als: Du bist ein Versager. Und glaub mir, die meisten Männer sind von Natur aus äusserst pessimistisch veranlagt und sehen in so ziemlich allem ein Zeichen dafür, dass sie Versager sind. Wenn das Regal schief hängt, wenn ein anderer im Büro mal wieder gelobt wird und er selber wurde übergangen, wenn die Freundin mal wieder nur am meckern ist weil er das nicht gemacht hat und das noch zu tun hat..... Na, kommt dir das bekannt vor? Mir auch. Ich habe selber oft genug nur gemeckert und meinen jeweiligen Partner auf sämtliche Dinge aufmerksam gemacht, die er nicht zu meiner Zufriedenheit ausgeführt hat. Wenn ich mich aber rückblickend mal frage, wann ich ihn ernsthaft für etwas gelobt habe, ist die Antwort ernüchternd: Keine Ahnung.

Und es wäre eigentlich so einfach. Du musst nur in deinem Kopf eine Liste mit Attributen führen, die du an deinem Partner toll findest. Und diese packst du dann in männlich klingende Worte. Wenn du zum Beispiel toll findest, dass dein Freund tierlieb ist, dann sag ihm nicht "Ooooch ich finde es ja sooo süüüüüss dass du meine Hunde magst!". Ein Mann will nicht süss oder putzig sein. Sag ihm doch einfach "Ich finde es toll wie du mit meinen Hunden umzugehen weisst. Du machst das echt gut und schau, sie mögen dich auch" oder "Ich finde deine Art mit Tieren umzugehen echt bewundernswert". Sachlich bleiben. Wenn er eher ein Kopf- und Zahlenmensch ist und stundenlang am PC sitzt und fürs Büro irgendwelche Probleme löst könnte dein Kompliment ja in diese Richtung gehen: "Ich finde deine Ausdauer wahnsinnig toll, mit der du diese komplexen Aufgaben bewältigst."

Falls er handwerklich begabt ist und grade mal wieder an irgendwas rumschraubt, kannst du ihn ja mal im Vorbeigehen beiläufig fragen ob er eigentlich weiss, wie sexy er aussieht, wenn er das Regal aufhängt / den Abfluss entstopft / die Glühbirne auswechselt. Und dabei die Unterlippe ein wenig kauen und lasziv grinsen. Ich liebe Tom's Reaktionen darauf. Er wird rot, fängt aber sofort an zu strahlen. Er freut sich, dass ich seine männliche Art zu schätzen weiss. Und wenn ich ihm sage dass es sexy ist, wenn er den Geschirrspüler einräumt oder dass ich seine enorme Effizienz beim Staubsaugen sehr bewundere - umso besser für mich....

Ich glaube, du weisst, worauf ich hinaus will. Übertreibe es aber nicht und lobe ihn ja nicht für jeden kleinen Piep. Portioniere die ernst gemeinten Schmeicheleien und überrasche ihn damit. Und nein, es ist kein Schleimen oder Manipulieren, wenn man dem Partner ein ernst gemeintes Kompliment macht. Im Gegenteil. Wer hört schön nicht gerne, dass er oder sie etwas gut macht? Und Männer/Jungs werden besonders hellhörig, wenn man ihnen schmeichelt. Schliesslich lechzen die männlichen Egos von der Pubertät an nach Bewunderung und Anerkennung. Das ist übrigens auch ein ganz simpler Trick, wenn man einen neuen Mann kennen lernt und ihn toll findet. Und es ja nicht vergeigen will. Hör ihm bei den ersten Dates zu und finde raus, was er gut kann und was ihm Spass macht. Sag ihm, dass du es bewunderst, wie er zum Beispiel einen Motor komplett auseinander und wieder zusammenschrauben kann, wenn er das gerne macht. Lass dir bei einem Computernerd erklären, wie das mit der Entwicklung einer Software funktioniert und bring dann deine Bewunderung für sein logisches Denken zum Ausdruck. Auch wenn es dich überhaupt nicht interessiert, wie eine Software funktioniert. Es geht darum, ihm zu zeigen, dass er Dinge toll machen kann. Und er wird sofort hin und weg von dir sein. Weil er MEHR davon will. Endlich eine Frau, die sieht, was er alles kann! Und er wird sich beweisen wollen. Als gönn' ihm den Spass und erfreue dich daran, dass er jetzt wirklich alles Mögliche unternehmen wird, um dir zu zeigen, dass er echt ein toller Kerl ist.


Gehen wir nun also nochmal zu Klaus zurück, dessen Ego sich nun anfängt zu entwickeln. Er kennt sich nicht gut mit Emotionen aus und das muss er ja auch nicht. Das ist Weiberkram. Er fokussiert sich lieber auf sachliche, handfeste und einfache Dinge. Dinge, die RATIONAL und LOGISCH für ihn sind. Dinge wie der Matheunterricht oder der Bau eines Modellflugzeugs oder das Schrauben am eigenen Roller. Einfach Dinge, die in seine nach dem Baukastenprinzip aufgestellte innere Welt passen. Alles schön an seinem Platz. Habt ihr jemals einen Mann gesehen, der in seiner eigenen Hobby-Werkstatt eine riesen Schweinerei hinterlässt und einfach alle verschiedenen Werkzeuge der Einfachheit halber in eine Schublade knallt? Oder ein Hobby-Koch, der seine Küchenwerkzeuge nicht alle immer am selben Platz verstaut und alles blitzblank hält? Mit Betonung auf Hobby. Wenn er etwas Logisches und Rationales gefunden hat, das ihm gefällt, wird er sich auch sehr penibel darum kümmern und ja keine Unordnung aufkommen lassen. Und schon sind wir beim vierten Unterschied zwischen Mann und Frau angelagt. Und nein, es hat nichts mit der Unordnung zu tun, die Männer mit ihrer Dreckwäsche hinterlassen, die in der ganzen Wohnung verteilt ist. Oder die Haare überall im Bad, wenn sie ihr Gesicht rasiert haben. Da sind sie nämlich überhaupt nicht penibel.

Es geht um Unordnung in ihrer rationalen Welt. Alles was rational, erklärbar, lösbar und logisch ist, ist wie ein gefundenes Fressen für Männerhirne. Sie lieben solche Dinge. Klar, es gibt auch Frauen, die so ticken. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied.

Männer lieben die Logik so sehr, dass sie ihre komplette Denkweise und ihre "innere Welt" danach aufbauen. Das eingangs erwähnte Frauenhirn, das eher einer bunten Unterwäscheschublade mit versteckten Schokoriegeln gleicht, betrifft genau diesen Punkt. Männerhirne sind genau so aufgeräumt, wie ihre Hobby-Garage. Ordentlich. Schön. Alles hat seinen Platz. Und wenn etwas unerwarteterweise nicht an seinem Platz ist, folgt schon mal der erste Schweissausbruch und der sofortige Versuch, das zu korrigieren.

Und jetzt stellen wir mal die beiden "inneren Welten" einander gegenüber. Das muss ja wohl zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Wir Frauen können ohne weiteres über 3 Themen gleichzeitig reden und nebenbei noch die Wäsche machen. Weil in unserem Gehirn alles in einer grossen unordentlichen Schublade steckt. Ähnlich wie unsere Handtasche (übrigens der Todfeind des ordnungsliebenden Männerhirns). Aber wir wissen ungefähr, wo was verstaut ist. Das reicht ja auch völlig. Und sonst wühlen wir halt ein bisschen.

Ein Mann hat in seinem Kopf eine ordentlich aufgeräumte Werkstatt mit verschiedenen Schubladen. Die Schubladen beinhalten alle unterschiedliche Themen. Geld, die Arbeit, die Freundin, das Hobby, Sex, das Auto etc. Alles schön versorgt und getrennt. Und es braucht Zeit, erst die eine Schublade zu öffnen und dann bei einem Themenwechsel den Inhalt schön säuberlich wieder zu versorgen und dann erst die zweite Schublade zu öffnen. In dieser Zeit sind waschechte Frauengespräche schon 10 Themen weiter, während ein zufällig zuhörender Mann zweifellos komplett überfordert wäre und rasch aufgibt.

Das ist schon mal ein Punkt, der die Kommunikation zwischen Männlein und Weiblein erschwert. Hinzu kommt, dass das rationale Männerhirn automatisch nach Lösungen für Probleme sucht. Die ganze Welt lässt sich ja schliesslich erklären und in Ordnung bringen. Daher kann es für dich natürlich eine unglaubliche Frustration darstellen, wenn du deinem Freund abends von deinem anstrengenden Tag erzählst und dass die eine blöde Kuh von der Personalabteilung schon wieder das Formular vertauscht hat und dann kam noch dieser dämliche Kunde und wollte die Rechnung schon wieder umgeschrieben haben!

Und dein Freund sitzt da, starrt dir mit leeren Augen ins Gesicht und hört dir offenbar überhaupt nicht zu. Sonst hätte er schon lange etwas gesagt in Richtung "Was für eine blöde Schnepfe, sie hat es doch gestern schon vertauscht und hat dieser eine Kunde denn wirklich nichts besseres zu tun?" Richtig? Falsch.

Das wäre eine Frauen-Antwort. Sein Hirn versucht die Problemstellungen zu analysieren und spuckt dann hilfreiche Antworten wie "Habt ihr denn kein Ablagesystem für diese Formulare?" aus. Zweifellos im Glauben, dass du genau das hören willst. Und er kann dann überhaupt nicht nachvollziehen, dass auf eine solch brilliante Aussage ein Augenverdrehen und ein "Hörst du mir überhaupt zu?!" folgt.

Er hört dir ja zu. Aber er versteht denn Sinn und Zweck nicht, wenn du dich über ein Problem beschwerst, für das er keine Lösung präsentieren soll. Was für uns Frauen normal, ja sogar selbstverständlich ist, ist für ihn einfach nur unlogisch.

Kapiert, was ich meine? Wenn du einfach nur Dampf ablassen willst, mach das bei deiner Freundin oder sag ihm vorher, dass du keine Lösung von ihm erwartest sondern einfach nur, dass er dir zuhört. Dann kann er auch getrost in den "Blabla-Modus" schalten.

Übrigens auch ein ganz interessantes Detail, das ich bei fast jedem Mann mehr oder weniger ausgeprägt beobachten kann: Der Blabla-Modus. Wenn Männer keine Lust zum Zuhören haben, schalten sie einfach ab und denken an gar nichts. Ihr Hirn ist dann im Leerlauf. Allerdings kann es die letzten paar gesprochenen Sätze irgendwo zwischenspeichern. Falls dann also irgendwann eine Frage kommt oder die skeptische Freundin behauptet, dass der Mann ja überhaupt nicht zuhört, kann er blitzschnell sein Hirn einschalten und einfach die letzten paar Sätze wiedergeben. Und zwar Wort für Wort. Und uns damit komplett den Wind aus den Segeln nehmen. Dass er keinen Kontext verstanden hat, ist ihm eigentlich schnuppe. Er schaltet danach einfach wieder in den Leerlauf und lässt uns plappern. Was aber, wenn wir ihm in dieser Zeit wichtige Infos geben wie "Nächsten Sonntag sind wir zu einer Hochzeit eingeladen" oder "Vergiss bitte nicht morgen die Katze zum Tierarzt zu bringen" und er sich im Blabla-Modus befindet? Kennen wir alle.

Dann folgt die grosse Überraschung, das erboste "Ich habs dir x Mal gesagt, hörst du mir eigentlich nie zu wenn ich mit dir rede?!" und das Chaos ist komplett.

Ich habe mir deshalb angewöhnt, meinen Freund ganz genau zu beobachten wenn ich etwas erzähle. Und ich sehe die Anzeichen für Blabla-Modus ziemlich schnell. Der leere Blick, die einsilbigen Antworten "Mh" "Ok" "Ah" und keinerlei unmittelbare Reaktion wenn ich meine Augen misstrauisch zusammenkneife. Würde er mir zuhören, würde er an meinem Gesichtsausdruck ein Problem feststellen können. Für den Fall, dass ich ihm eine wichtige Info mitteilen will, hole ich sein Hirn aus dem Leerlauf indem ich ihn frage, was ich gerade gesagt habe. Nachdem er mir meine letzten zwei Sätze brav zitiert hat, sage ich "Ok gut. Was ganz anderes: Nächste Woche sind wir zur Hochzeit eingeladen". Und die Reaktion folgt meistens sofort, weil er in dem Moment abwartet, ob noch eine Frage kommt.

Ok, man könnte sagen, dass es unmöglich ist, immer den Blabla-Modus zu erkennen und noch viel unmöglicher, es einfach hinzunehmen, dass er offenbar nicht zuhört. Man kann ja nicht immer den Blabla-Test machen! Logisch nicht. Aber geh nicht davon aus, dass du mit ihm sprechen kannst, wie mit deiner Freundin. Diese erkennt die wichtigen Infos aus einem Wortschwall von 30'000 Wörtern und einer Vielfalt von 20 Themen sofort. Dein Freund schaltet zwangsläufig irgendwann ab. Vor allem wenn er keine Probleme für dich lösen soll. Also entweder sagst du ihm wichtige Dinge einzeln, unabhängig von anderen Themen. Oder du wendest den Blabla-Test an. Denk an seine Schubladen. Er kann nicht hin und her springen wie eine Frau. Das ist ihm zu anstrengend und zu chaotisch. Nimm ihm das nicht übel, sondern ändere die Art und Weise, wie du ihm wichtige Informationen mitteilst. Dann verpasst er nie wieder eine wichtige Information.

Und natürlich funktionieren auch hier nicht alle Männer auf genau dieselbe Weise. So wie nicht alle Frauen zwangsläufig eine grosse chaotische Schublade als Gehirn haben. Aber grösstenteils läuft es schon in diese Richtung. Und du kannst dir das durchaus zu eigen machen und unsere unterschiedliche Denkweisen in Betracht ziehen, um möglichen Krisen gekonnt aus dem Weg zu gehen.


Sollen wir nochmal zu Klaus zurückgehen? Der befindet sich noch immer im Wettstreit mit seinen Kumpels und versucht, sich zu beweisen und der erste zu sein, der ein Mädchen flachlegt. Er hat schon lange Rebecca im Auge. Sie ist so hübsch und cool und süss und mysteriös weil sie immer etwas distanziert wirkt. Er würde sich etwas einfallen lassen müssen, um sie auf sich aufmerksam zu machen. Er könnte sein Glück auch bei Sandra versuchen. Aber die ruft ihn sowieso ständig an, schreibt ihm Nachrichten und steht permanent auf der Matte, weil sie was unternehmen will. Die könnte er haben, aber die will er nicht. Sie ist zwar hübsch aber. Keine Ahnung. Sie ist nicht wie Rebecca...

Die schlaue Füchsin, die das hier liest, wird zweifellos dahinterkommen, worauf ich hinaus will. Den männlichen Wesen unseres Planeten ist es vorenthalten, zu JAGEN. Sie lieben es, das weibliche Geschlecht zu beeindrucken, die Angebetete zu umwerben und sie davon zu überzeugen, das jeweilige männliche Wesen als zur Paarung geeignet zu betrachten. Ich schreibe absichtlich in dieser Form. Da unterscheiden wir Menschen uns nicht wirklich von den Tieren. Schau dir mal eine Tierdoku an. Die Männchen legen sich zur Paarungszeit so richtig ins Zeug. Sie plustern sich auf, sie zeigen ihre ganze Federpracht, sie brüllen, sie raufen, sie schlagen Räder.. Und das alles für die Weibchen. Die dann meistens völlig unbeeindruckt da sitzen und ihre Krallen begutachten.

Männer sind genau gleich wie die Männchen in der Tierwelt. Sie wollen sich beweisen und etwas dafür tun, dass die Angebetete sie für gut befindet. Sandra rennt unserem Klaus ja förmlich hinterher und klammert. Rebecca hingegen hat ihm vielleicht schon einmal ein Lächeln zugeworfen, ihre Haare hinters Ohr gestrichen und sich dann langsam und immer noch lächelnd von ihm abgewandt. Ein klares Zeichen für Klaus: Ich mag dich. Dass sie aber sonst sehr distanziert ist und vielleicht schüchtern, spornt ihn nur noch mehr an, sie zu beeindrucken. Er will jagen und erobern und dann stolz sein können, wenn sie seine Freundin wird.

Ich bin der Meinung, dass das ein Urinstinkt ist und die Männer den immer noch alle mehr oder weniger ausgeprägt in ihren Genen haben. Dass sie sich selbst und der Welt beweisen wollen, was für tolle Kerle sie sind, wissen wir ja bereits. Aber wenn es denn um eine Frau speziell geht, dann wollen sie sich ins Zeug legen. WENN sie denn ernsthaft an dieser einen Frau interessiert sind. Natürlich gibt es immer noch die Männer, die das Interesse einfach vorgaukeln, um die Frauen ins Bett zu kriegen. Nicht umsonst gibt es diese unter Frauen sehr bekannte Regel "Niemals Sex vor dem dritten Date". Das hat tatsächlich was. Je länger wir ihn zappeln lassen, desto eher finden wir raus, ob er wirklich Interesse hat oder ob er einfach nur ein Heuchler ist.

Was aber, wenn man einen tollen Mann kennengelernt hat und ihn am liebsten sofort mit zu sich nach Hause schleppen will?

Beim Kennenlernen ist es von der Natur aus gesehen unsere Pflicht, den Mann zappeln zu lassen und ihn sein Balzritual vorführen zu lassen. Wenn wir uns zu schnell auf ihn einlassen, könnte er das Interesse verlieren. "Die klammert sicher". Wir können uns eigentlich völlig entspannt zurücklehnen, das Schauspiel geniessen und ihm ab und zu positive Signale senden, dass wir ihn toll finden. Ein Lachen über seinen Witz, eine kurze Berührung an seiner Schulter, der kecke Augenaufschlag wenn er uns dem Mantel reicht, gefolgt von einem gehauchten "Danke". Ok jetzt wird's kitschig. Aber du weisst, was ich meine. Lass ihn ein bisschen jagen. Und melde dich nicht immer sofort, wenn er dir schreibt. Auch wenn das wie die schwierigste Aufgabe dieses Planeten scheint. Sei ständig beschäftigt. Triff dich mit Freunden. Lenk dich ab. Schliesslich bist du nicht eine, die heulend zu Hause rumsitzt und ihre Freundin anruft, weil er schon wieder online war und nicht schreibt. Oder doch? Ich zumindest bin absolut dieser unverbesserliche Fall. Und habe jedes einzelne Mal wieder denselben Fehler gemacht. Toller Typ kennengelernt, nicht gleich beim ersten Date mit ihm geschlafen (ich hab's immerhin bis zum zweiten geschafft), danach die Erwartungshaltung eingenommen, dass er mir immer und ständig zu schreiben und sofort zu antworten hat und schlussendlich wieder alleine dagesessen und die Männerwelt verflucht. Eigentlich kein Wunder.

Ich habe es mit Lucas (meinem Hund-Freund) am eigenen Leib gespürt. Dieser Typ war wie ICH. Er hat ständig geschrieben, fand alles an mir süss, wollte ständig telefonieren und hatte offenbar den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als auf eine Nachricht von mir zu warten! Es war der absolute Horror. Und so mussten sich die Männer fühlen, wenn ich mal wieder in meinen Ich-mag-dich-Modus schaltete. Echt erbärmlich.

Wir Frauen unterliegen gerne dem Irrtum, dass, wenn wir einen tollen neuen Mann kennenlernen und wir es auf keinen Fall schon wieder vergeigen wollen, wirklich ALLES geben müssen um ihm zu zeigen, dass wir ihn mögen. Eben nicht.

Viel eher müssen die Männer alles geben um uns zu beweisen, dass sie es Wert sind, von uns beachtet zu werden.

Es gibt Männer wie Sand am Meer. Wer einen One-Night-Stand haben will, muss sich nicht mal sonderlich anstrengen. Ein Lächeln genügt meist schon. Wer aber den einen kennenlernt und will, dass es hält, sollte sich erst mal zurücklehnen und ihn machen lassen. Falls er keinen Anstalten zeigt sich zu beweisen, dann hat er eh kein Interesse. Und jeder Versuch, ihm nachzurennen wird scheitern. Das war bei mir und Leo der Fall. Er hatte schlicht und ergreifend kein Interesse an mir. Und sämtliche Versuche, ihn vom Gegenteil zu überzeugen drängten ihn noch weiter weg. Es endete in einer Katastrophe.

Und falls Mr. Right doch Anstalten macht und sich von der charmantesten Seite zeigt, dir den Mantel abnimmt und dich zum Essen einlädt? Sei nett, danke ihm und gib ihm deine spärlich gesäten positiven Signale. Es wird ihn anspornen, sich noch mehr anzustrengen. Und wenn du dann noch den einen oder anderen bewundernden Kommentar über sein Hobby von dir gibst und seinem EGO schmeichelst, liegt er dir sowieso zu Füssen.

Dann kannst du dich einfach zurücklehnen und geniessen. Zwischen den Dates bist du immer beschäftigt und unterwegs und meldest dich niemals sofort. Geh auch nicht online, lies die Nachricht und geh dann wieder offline, um ihn noch etwas warten zu lassen. Aus dem Alter sind wir raus. Ok, ich muss mich da immer wieder selber am Riemen reissen aber versuch es zumindest. Und auch wenn du nur auf deinem Bett liegst, Chips in dich reinstopfst und Netflix reinziehst. Egal. Muss er ja nicht wissen. Offiziell bist du eine vielbeschäftigte Frau und hast nicht immer Zeit. Punkt.

Mit anderen Worten: Lass ihn dich jagen und dich beeindrucken, aber bleibe trotzdem etwas distanziert.


Und was ist, wenn man schon seit Jahren mit Mr. Right in einer Beziehung ist und vielleicht sogar zusammen wohnt? Auch da dürfen sich unsere lieben Männer gerne mal anstrengen. Wenn sie Sex wollen zum Beispiel. Wenn man sie einfach ran lässt, werden sie faul und haben das Gefühl, sie kriegen ja eh was sie wollen. Wieso also anstrengen?

Lass ihn ruhig eine komplette Rückenmassage durchführen, bevor er an deine Schatztruhe darf. Oder er soll seine Zunge ruhig mal wieder etwas trainieren. Oder wie wäre es mit Erdbeeren und Sekt?

Und wenn du das Gefühl kriegst, dass er sich dir allgemein mal wieder zu sicher wird, geh einfach mal ein Wochenende mit der Freundin weg. Geh Shoppen, ins Wellnesswochenenede oder fang ein neues Hobby an. Nimm dir Zeit für dich und sei wieder viel beschäftigt. Männer sind wie Katzen. Wenn du ihnen zu viel Aufmerksamkeit schenkst, werden sie gelangweilt und ziehen sich zurück. Wenn du sie ignorierst, kommen sie irgendwann von selber und wollen erst mal gekrault werden.


Klaus jedenfalls ist und bleibt einfach so wie er ist: Er kennt sich mit Emotionen überhaupt nicht aus, der kleine alte Lüstling namens Testosteron in seinem Kopf übernimmt teilweise ungefragt seine Augen, sein Ego ist für sein Selbstvertrauen ungeheuer wichtig, er denkt in Schubladen, sieht die Welt komplett rational und er hat einen angeborenen Jägerinstinkt, den er liebend gerne bei den Frauen einsetzt.

Es steht uns nicht zu (und ist abgesehen davon unmöglich), einen Mann komplett zu verändern. Genauso wenig wollen wir, dass das jemand mit uns macht. Damit es aber funktionieren kann, liegt es in unserer Hand gewisse grundlegende Dinge über Männer zu wissen, zu verstehen und zu akzeptieren. Wenn wir das schaffen, ist schon einmal ein grosser Schritt in Richtung harmonische Beziehung getan.

Ich hoffe, das war eine halbwegs nützliche Veranschaulichung der Ergebnisse meiner jahrelangen Feldstudien über das männliche Gehirn. Natürlich ist diese nicht abschliessend und vor allem nicht auf alle Männer anwendbar. Aber eventuell kannst du das eine oder andere anwenden oder musst schmunzeln, wenn du zwischendurch einen gewissen Aha-Effekt erlebst. Du weisst ja jetzt, womit du es zu tun hast und kannst sicher ein paar Krisen souverän umschiffen.


Ahoi!

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