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  • Lilly

Von Schlampen und Playern

Hast du dich auch schon gefragt, woher der Nonsense kommt, dass leicht zu habende Männer als Player und Obermacker gelten, während man als leicht zu habende Frau mitleidig beäugt wird?

Wenn man als Frau viele Männer hatte, wird man sofort als Schlampe abgestempelt. Ich versuche mir vorzustellen, was in den Gehirnen der Verurteilenden vorgeht. Bei den Männern zum Beispiel: Die stellen sich wahrscheinlich in meinem Fall vor, dass mich alle meine Typen am selben Abend durchgerammelt haben. Und sie denken unweigerlich, dass ich wohl leicht zu haben sei. Das wirkt auf den männlichen Jäger total unattraktiv. Ausserdem schickt es sich einfach nicht für eine Frau, mit ihren Errungenschaften anzugeben. Weil... Ja warum eigentlich? Weil Frauen evolutionstechnisch keine Errungenschaften haben dürfen? Schliesslich sind die Männer ja die feuermachenden, heroischen und todesmutigen Jäger. Uga uga. Oder weil Frauen hinter den Herd und nicht an Parties gehören? Ich hoffe, das denkt nicht wirklich noch jemand heutzutage.

Oder weil sich schwache Männer von starken, selbstbewussten Frauen bedroht fühlen? Vielleicht.

Ich tippe aber am ehesten auf den Jägertrieb unserer männlichen Artgenossen. Die "Trophäe" soll nicht so einfach zu haben sein und es ist ja auch gänzlich unattraktiv für den modernen Jäger, wenn er sich vorstellt, dass vielleicht sein bester Kumpel schon mal mit derselben Frau im Bett gewesen sein könnte. Es könnte ja auch sein, dass er dadurch indirekt Sex mit seinem Kumpel hatte?! Ok, das sind aber dann wirklich die sehr homophoben Exemplare. Als ich vor ein paar Jahren Marcel kennen lerne, mit ihm im Bett landete und danach seinen besten Kumpel Oli traf, fand ich Oli doch noch eine Spur attraktiver und wechselte zu ihm. Ich weiss nicht, was sie untereinander besprochen haben, aber ich glaube als das raus kam, waren die beiden erst nicht wirklich erfreut. War mir aber relativ egal, da ich zu diesem Zeitpunkt sowieso schon wieder weitergezogen bin. Wahrscheinlich waren sie sich irgendwann darüber einig, dass ich halt ein typisches, leicht zu habendes Mädchen war, haben sich gegenseitig gratuliert und dann ein Bier aufgemacht.


Viel interessanter finde ich die Verurteilung durch unsere Artgenossinnen. Für solche Momente haben wir unseren “Was-bist-du-nur-für-eine-Schlampe-Blick". Gepaart mit dem Zungenschnalzen “ts ts ts” und dem verneinenden Finger (bei älteren Generationen). Oder noch schlimmer: Mädels, die entsetzt einen Blick austauschen, wenn sie hören, dass eine andere Frau doch tatsächlich 30 verschiedene Kerle gevögelt hat. Und stolz drauf ist?!

Ich glaube, dass Frauen, die so reagieren entweder


A) Selber 30 Geschlechtspartner hatten und von sich ablenken wollen

B) Seit 15 in derselben Beziehung stecken

C) Auf den Richtigen warten und einen auf keusch machen

D) Tatsächlich so verklemmt sind


Natürlich ist meine Aufzählung nicht abschliessend aber ich denke, du weisst, was ich meine. In den meisten Fällen ist es reine Heuchlerei, deshalb kann man das nicht wirklich ernst nehmen. Und das ist wie mit der Eifersucht: Je entsetzter jemand reagiert, desto eher hat diese Person selber was auf dem Kerbholz.

Also, dann kommt der Moment, wo wir unsere anzahl der Sexualpartner offen legen. Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass wir Frauen tendenziell unter- und Männer meistens übertreiben? Männer klatschen sich dann noch ab und klopfen sich anerkennend auf die Schulter, wenn sie sich gegenseitig von ihren jeweils 70 Geschlechtspartnerinnen erzählen, die allesamt an der schwedischen Bikinimeisterschaft teilgenommen haben.

Frauen lassen den einen Typen weg, weil er ja nicht wirklich drin war. Und diesen Typen, weil das einfach zu peinlich wäre, würde rauskommen, dass man mit dem geschlafen hat. Ach ja und da war ja noch einer aber der Name ist grade entfallen, also kann man den auch abziehen. Nur, um vor den anderen nicht dumm dazustehen. Dass die anderen ebenfalls untertreiben, kommt einem in diesem Moment gar nicht gross in den Sinn.

Oder meine Lieblingssituation: Mann und Frau neu in einer Beziehung, beide glücklich. Und dann kommt die Gretchenfrage. "Schatz, wie viele Partner/innen hattest du eigentlich?"

Dann gilt es Ruhe zu bewahren und ganz schnell zu überlegen, ob die Beziehung ernst ist oder nicht. Sprich: Lügen oder die Wahrheit sagen? Meistens kennt man den Partner noch nicht so gut und hat keine Ahnung wie er oder sie reagiert, wenn man mit der Wahrheit rausrückt.

Und oft ziehen die Männer in einer solchen Situation sowieso den Kürzeren. Wenn sie daherkommen mit “so 5 Mädels” und die Freundin danach den Blick abwendet und auf die Gegenfrage antwortet “Ja, auch ungefähr 5 Kerle”, sollte klar sein, dass das so nicht ganz der Wahrheit entspricht. Würde die Frau in diesem Moment sagen: “Ich hatte so um die 19” würde sich der Typ unweigerlich völlig blöd vorkommen, weil er in Wahrheit nur 3 Mädels hatte und sich fragt, wie er so im Vergleich mit den anderen 19 Typen abschneidet. Und weil viele Männer von Natur aus pessimistisch veranlagt sind, wenn es um Vergleiche mit anderen Männern geht, geht er bestimmt davon aus, dass alle 19 Typen im Durchschnitt mindestens 30 cm vorweisen und rund um die Uhr vögeln konnten.

Ich hatte natürlich auch schon einige solcher Diskussionen. Und wenn ich ehrlich bin, kam die Frage meistens von mir. Ich bezweifle, dass Männer sich überhaupt ernsthaft die Frage danach stellen. Vielleicht, weil sie die Antwort gar nicht hören wollen.

Mit Tom hatte ich dieselbe Diskussion natürlich auch. Er war so süss, er zählte sogar alle Namen auf. Und diese sind jetzt alle säuberlich in meinem imaginären schwarzen Büchlein notiert. Für den Fall der Fälle.

Zu meiner grössten Verwunderung fragte er mich nicht. Ich sagte ihm einfach rundheraus, wie viele Männer ich hatte. Er wechselte ganz schnell das Thema. Er wollte wohl nicht allzu lange darüber nachdenken – auch ok für mich.

Ashif spielte in einer ganz anderen Liga, diese Männer gibt es nämlich auch. Wir haben uns mal einen Spass draus gemacht, all seine Frauen aufzulisten. Mit Zuhilfenahme von Facebook und seinen Handykontakten kamen wir auf 92, +/- 10 Frauen. Gehen wir mal davon aus, dass diese Zahl stimmt. Würde ich als Frau sagen, ich hatte 90 Kerle, würde man unweigerlich davon ausgehen, dass ich als Nutte arbeite. Kann ja sonst nicht sein, oder?

Ashif hingegen klopfte sich selber auf die Schulter und fand sich selbst unglaublich toll. Er amüsierte sich noch tagelang über mein Gesicht, als wir alle 92 Namen notiert hatten.

Natürlich glaubte ich nicht wirklich daran, dass er tatsächlich mit so vielen Frauen geschlafen hat. Er unterlag einfach seinem Grössenwahnsinn als selbsternannter Frauenheld. Und wenn doch? Dann hoffe ich, dass er nicht unwissentlich Papa von 30 Kindern ist. Würde ziemlich ins Geld gehen, würde das rauskommen.


Ein weiteres Schlampen-Indiz stellt die Frage "Wie alt warst du, als du dein erstes Mal hattest?" dar. Ich glaube, das ist ein reines Frauenthema. Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der das einen anderen Typen gefragt hat. Wirklich noch nie.

Und was antworten wir dann? Alles was unter 15 ist, klingt extrem jung. Wenn man sagt, dass man 14 oder 13 war, wird man genau so beäugt, wie wenn man sagt, man hätte mit 40 Männern geschlafen. Dann war man leicht zu haben und hat viel zu früh damit angefangen. Wenn man allerdings sagt, man sei 18 oder 19 gewesen, ist das zu alt und man wirkt prüde. Also, was sagt man, um "konform" zu sein? 16? Oder dass man sich nicht erinnern kann?

Ich glaube, auch bei dieser Frage dürften sich die einen oder anderen Frauen eine kleine Notlüge einfallen lassen, um nicht allzu doof dazustehen. Aber ganz ehrlich: Ich bin froh, in unserem jetzigen Zeitalter zu leben, wo man irgendwann zwischen 11 und 30 sein erstes Mal hat, danach x Geschlechtspartner folgen und so beide Seiten ihre Erfahrungen sammeln können. Vor nicht allzu langer Zeit musste man erst heiraten, bevor's zur Sache ging. Und wenn man dann nicht einen Glückstreffer landete, hat man so richtig die Arschkarte gezogen. Dann hatte man den Heinz an der Backe, der stolze 5 cm herzaubern konnte. Oder Friedrich, der sich unter "Klitoris" ein Hustenbonbon vorstellte. Oder Georg, der ganze 90 Sekunden durchhielt, danach den Fernseher einstellte und ein Sandwich verlangte. Und das hatte man dann ein ganzes Leben lang vor sich. Weil Scheidung war nicht. Schrecklich!

Lustigerweise vergleichen wir nicht unsere Erfahrungen und was wir gelernt haben, sondern lediglich irgendwelche völlig nichtssagenden Zahlen wie das Alter und die Anzahl der Sexualpartner und stempeln uns dann je nach Ergebnis der Zahl, ab. Man kann schon 100 Partnern gevögelt haben, als Schlampe oder Player bezeichnet werden und immer noch nicht wissen, wie das jetzt richtig geht. Weil keiner einen richtig instruiert oder gar korrigiert. Keiner sagt einem in der Schule im Aufklärungsunterricht, dass man beim Blasen auch noch ein wenig beissen und die Eier krauen soll. Keiner bringt den Jungs bei, dass sie sich mit der Zunge nicht nach China durchzugraben brauchen. Keiner vergibt nach dem Liebesspiel eine Note von 1 bis 10. Das ist wie mit dem Küssen. Man muss es lernen. Simples rein-raus kann jeder. Aber gut im Bett zu sein, das ist Erfahrungssache und auch eine Sache der Vergleichswerte. Und wenn ich schon als Schlampe betitelt werde, will ich dem Ruf auch gerecht werden und genau wissen, was ich tue. Und richtig über Erfahrungen und was ich alles im Bett schon angestellt habe, habe ich mich bisher nur mit Giulia ausgetauscht. Ist auch irgendwie heutzutage immer noch so ein Tabuthema, obwohl Sex absolut dazugehört. Aber keiner kommt auf die Idee, in seinem Profil auf Tinder zu schreiben, dass man humorvoll, nett, tierlieb und ausserdem nach der landläufigen Meinung super im Bett ist. Falls doch, sind wir wieder am Anfang. Typen würden sich dafür abklatschen und Frauen wären einfach nur billig und würden die falsche Sorte Mann anziehen.


Und wenn's denn zum Schäferstündchen kommt: Wer kümmert sich eigentlich um die Verhütung? Ich würde mal tippen, grösstenteils wir Frauen. Ok, bei den One-Night-Stands haben die meisten Typen selber Kondome dabei. Aber ein paar von ihnen sind dermassen bescheuert, dass sie trotzdem ohne vögeln wollen und denken, es passiert schon nix. Dann kommt die "besonnene" Frau, die zwar nicht über Geschlechtskrankheiten nachdenkt, aber vernünftigerweise sowieso die Pille nimmt und ja mal eine Ausnahme machen kann. Und ja, ich gehörte auch mehr als einmal zu dieser dummen Sorte und kann mich glücklich schätzen, dass ich mir nie was unappetitliches eingefangen habe.

Aber ehrlicherweise können die Männer sowieso nicht viel mehr tun, als ihrem besten Stück ein Kondom überzuziehen und im schlimmsten Fall zu maulen, dass sich das komisch anfühlt. Frauen haben da ein sehr breites Spektrum von Möglichkeiten. Allerdings kostet das auch was. Wenn man, sagen wir mal, die Pille 20 Jahre lang nimmt und eine Packung 20 Franken kostet, dann sind das 4800 Franken. Davon könnte man sich einige Schuhe und Taschen gönnen. Aber wir investieren das Geld lieber ins Nicht-Schwanger-Werden.

Aber damit nicht genug: Nebst dem ausgegebenen Geld müssen wir Frauen uns dann auch noch an den Zeitplan der Pille halten, diese ja nie vergessen und immer schön vorrätig halten. Oder wir lassen uns unseren Arm aufschneiden und setzen ein Stäbchen rein. Oder ein Diaphragma. Oder was auch immer. Jedenfalls ist es immer mit Aufwand verbunden und teilweise sogar ziemlich nervigen Nebenwirkungen wie scheiss schlechte Laune wegen dem beschissenen Hormoncocktail, den man sich täglich einverleiben darf. Und ich finde, das sollte auch mal von der lieben Männerwelt gewürdigt werden. Also sehe ich überhaupt keinen Grund dafür, die vernünftigen, verhütenden Frauen als Schlampe abzustempeln, nur weil sie ihre Investition voll ausgeschöpft haben und stolz drauf sind. Man will ja schliesslich was fürs Geld, oder?


Also, fassen wir zusammen. In der heutigen Zeit gehört das Rumvögeln dazu. Für Männer wie für Frauen. Lieber sammle ich meine Erfahrungen an lebenden Exemplaren, als meine komplette Aufklärung aus der BRAVO zu erhalten und die Nacktbilder heimlich unter der Bettdecke zu bestaunen, wie das unsere Eltern getan haben. Aufpassen sollte man natürlich schon, Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwangerschaften können einem ziemlich die Laune verderben. Aber wenn man das kapiert hat, steht einem munteren Partnerwechsel eigentlich nichts mehr im Weg. Und das bitte ohne schlechtes Gewissen, Ladies. Übung macht bekanntlich den Meister...

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