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Typisch Frau

Aktualisiert: Juni 4

Ich hatte vor einigen Tagen mit meinem Freund Tom eine Grundsatzdiskussion, wenn es um das Thema "typisch Frau" geht. Wir waren im Auto unterwegs und im Radio kam ein Bericht darüber, dass Männer nach Unfällen häufiger als Frauen einen Streitfall aus dem Unfall machen und den Rechtsschutz einschalten. Während ich mir dachte, dass das wohl dem Umstand geschuldet sei, dass Männer im Strassenverkehr streitlustiger sind und sich nichts bieten lassen, ging Tom's sarkastischer Kommentar in die komplett andere Richtung: "Kein Wunder, Frauen wissen halt dass sie nicht fahren können und daraus einen Streitfall zu machen wäre verschwendete Zeit, da sie ja meistens sowieso an Unfällen schuld sind". Darauf drehte ich betont langsam meinen Kopf zu ihm und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. "Was genau willst du damit sagen?" Er fing an noch breiter zu grinsen und meinte: "Frauen können nicht Auto fahren. Das weiss doch jeder. Du fährst auch wie eine Irre." Wow. "Und Männer hören nie zu. Du hättest die dritte Ausfahrt nehmen müssen, das habe ich dir vorhin gesagt. Konzentriere du dich mal lieber auf die wichtigen Dinge und schau zu, dass du anständig fährst", konterte ich. Der Schlagabtausch ging noch ein paar Minuten weiter, aber wir argumentierten beide mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und präsentierten uns gegenseitig die gängigsten Klischees über Männer und Frauen.

Später liess ich mir das Thema "typisch Frau" aber nochmal durch den Kopf gehen. Es gibt eigentlich ziemlich viele Vorurteile und Stereotypisierungen für beide Geschlechter. Habe mich daher dazu entschlossen, die Vorurteile gegen Frauen mal unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, was (zumindest in meinem Fall oder bei meinen Freundinnen) tatsächlich dran ist. Selbstverständlich mit handfesten Beispielen dazu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du dich selbst auch immer mal wieder erkennen kannst und der eine oder andere wissende Schmunzler beim Lesen über dein Gesicht huscht. Bist du bereit? Ich auch. Los geht's.


Frauen reden (zu) viel

Starten wir mal mit dem gängigsten Vorurteil: Dem Blablabla. Frauen reden viel und gerne und manchmal ohne Punkt und Komma. Nicht umsonst gibt es den (zweifellos von einem Mann entworfenen) Witz: Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Buch. Zwei Frauen, eine Bibliothek. Aber stimmt das? Eindeutig: Ja. Ich zumindest rede wirklich wie ein Buch und ich muss mich manchmal zurückhalten, um mein Gegenüber auch mal zu Wort kommen zu lassen. Mein Freund Tom ist da eher wortkarg und hört mir brav zu. Auch wenn er ziemlich oft in den Blabla-Modus schaltet, den ich in meinem Post Wie Männer wirklich ticken erklärt habe. Das macht mir aber nichts aus, solange ich plaudern kann ist alles ok. Dass wir Frauen so viel und gerne reden hat wohl sogar einen evolutionsbedingten Hintergrund. Während die Männer stumm pirschend auf der Jagd waren, sassen die Frauen ums Feuer, hatten ihren Nachwuchs im Auge und tauschten untereinander die besten Tipps zum Beeren sammeln und Feuermachen aus. Für den Gruppenzusammenhalt ist so eine Kommunikation wirklich sehr wichtig, auch wenn die Männer gut und gerne drauf verzichten könnten. Wenn ich mich zum Beispiel mit meinen Freundinnen treffe oder mit ihnen telefoniere, gibt es stundenlang kein Halten mehr. Meine beste Freundin Giulia und ich haben uns während der Quarantäne oft telefonisch unterhalten. Sehr zum Leidwesen unserer Freunde, die sich dann irgendwo in ein Zimmer eingeschlossen haben, um dem permanenten Blablabla von uns zu entgehen. Tom hat mich einmal nach einem dreistündigen Telefonat mit Giulia gefragt, worüber in aller Welt wir uns nur so lange unterhalten können. Wenn er mit seinen Kumpels telefoniere, gehe das maximal 5 Minuten. Man tausche die wichtigsten Infos aus und Punkt. "Alle Infos sind wichtig und wir müssen uns ja auf dem Laufenden halten", gab ich zurück. "Ausserdem schwelgen wir gerne in lustigen Erinnerungen und machen Pläne, was wir alles unternehmen können, wenn die Krise endlich vorbei ist. Und ganz nebenbei haben wir unser Sexleben analysiert und über dich gelästert." Tom schüttelte den Kopf und verwarf halb amüsiert, halb verzweifelt die Hände. Er würde das niemals verstehen, wie so viele seiner männlichen Artgenossen. Genauso wenig wie Männer mitunter eines der grössten Mysterien um Frauen niemals ergründen werden: Wieso gehen Frauen nie alleine aufs Klo? Ganz einfach: Weil wir dort weiterquasseln können.

Und ich habe in dieser Hinsicht sogar Level 2 erreicht: Ich brauche nicht mal einen Gesprächspartner, um zu reden. Sobald ich zum Beispiel im Auto sitze und irgendwo hin fahre, fange ich automatisch mit Selbstgesprächen an. Entweder fange ich an laut zu denken oder ich beschimpfe das Auto vor mir oder ich spiele bevorstehende Gespräche durch und überlege mir passende Antworten zu allen möglichen Wendungen des Gesprächs. Die dann übrigens in den wenigsten Fällen zur Anwendung kommen weil sich mein Gesprächspartner dann im richtigen Gespräch in keinster Weise an mein Drehbuch hält. Mühsam. Ich denke aber, ich bin nicht die einzige Frau, die im Auto Selbstgespräche führt. Habe schon öfter Artgenossinnen an der Ampel beobachtet, die ebenfalls alleine im Auto sassen und munter quasselten. Vielleicht waren sie ja aber auch nur am Telefon und ich bin einfach nur etwas verrückt, was ja keinen überraschen sollte. Ich sage mir aber, dass noch alles mit mir in Ordnung ist, solange ich bei einem Selbstgespräch keine Neuigkeiten erfahre.

Natürlich gibt es auch Männer die viel quatschen und uns Frauen in fast nichts nachstehen. Aber eben fast. Weil es gibt etwas, was das normale Männerhirn nicht so gerne mag und das sind schnelle Themenwechsel. Und wer mal einen Mädelsabend mit mindestens 4 Frauen erlebt hat, der weiss wovon ich spreche. Es ist ja nicht mal die schiere Wortflut alleine, es sind auch die rasanten Themenwechsel und das Durcheinander-Gequatsche, die einem unbeteiligten Zuhörer ein Schleudertrauma verursachen. Und dazu sind über einen längeren Plauder-Zeitraum hinweg grösstenteils nur wir Frauen imstande.

Daher würde ich schon sagen, dass an diesem Klischee durchaus was dran ist. Muss ja aber nicht schlimm sein. Wir kommunizieren halt gerne. Und das ist wichtig für die gesamte Menschheit. Nur dass das auch mal wieder gesagt ist.


Frauen sind emotional, unterliegen Stimmungsschwankungen und heulen schnell

Während Männer die starken markieren, sind Frauen gefühlsduselig, interpretieren die wildesten Sachen in die Aussagen ihres Gegenübers und fangen schnell mal an zu weinen. Soweit mal das gängige Klischee. Stimmt das?

Frauen sind ja durchaus zu der kompletten Bandbreite des Gefühls-Regenbogens imstande. Vor allem wenn wir unsere Tage haben. Da kann man in der einen Sekunde komplett zufrieden sein (weil man grade ne ganze Schokotafel verputzt hat), merkt dann wie viele Kalorien man sich grade reingeballert hat, kriegt einen Wutanfall und will alles kurz und klein schlagen und greift schlussendlich zur zweiten Schokotafel um sich zu beruhigen. Da wir während unserer Tage offenbar als Cousinen von Satan höchstpersönlich unterwegs sind, schliesse ich diese spezielle Situation mal bei der Betrachtung des Klischees aus. Wildgewordene Hormone verfälschen das Ergebnis garantiert.

Aber wenn wir nicht unsere Tage haben, sind wir dann so emotional? Habe mich mal zuerst gefragt, wie man "emotional" definieren soll. Männer sind auch emotional. Nur, man sieht es ihnen halt nicht so an. Die bleiben eher sachlich. Also schliessen wir mal daraus, dass "emotional" bedeutet, dass einer Frau sämtliche Gesichtszüge entgleisen. Also so oft passiert das nun auch wieder nicht. Nur dann, wenn von dem süssen Sommerkleid meine verkackte scheiss Grösse nicht vorrätig ist oder wenn mein Freund mal wieder überall in der Wohnung seine mufflige Sockensammlung verteilt oder wenn der Vollidiot vor mir auf der Autobahn mit 80 schleicht oder wenn ich unfair behandelt werde und im Büro einen Wut-Weinanfall kriege oder wenn ich Jack zum hundertsten Mal nach dem Untergang von Titanic sterben sehe und deswegen losheule oder wenn der Lidstrich auf dem linken Auge einen halben Meter dicker ist als der auf dem rechten Auge .. Ok ja, ich bin definitiv emotional. Und auch bei den Frauen in meinem Umkreis kann ich dieselben Symptome feststellen. Eines, das fast alle gemeinsam haben ist das Hangry-Symptom, mich eingeschlossen. Wenn ich Hunger habe, werde ich zur nörgelnden Zicke. Das Schlimme daran ist, dass ich manchmal nicht mal weiss, dass ich Hunger habe. Mein Freund Tom kennt die Anzeichen mittlerweile und fängt meist schweigend an irgendwas zu kochen. Dass ich ihn dabei anschnauze und ihm mitteile, dass ich überhaupt keinen Hunger habe, interessiert ihn nicht. Wenn ich nach dem Essen wieder zum üblichen Unschuldslamm mutiert bin, folgt meistens sein wissendes Grinsen und die hingestreckte Wange für meinen Belohnungs-Kuss an ihn. Den kriegt er dann auch immer, ich will mal nicht so sein.

Und was passiert, wenn man unterwegs ist und Frau eine Hangry-Attacke hat? Tja, dann sollten die Herren der Schöpfung lieber schnell mal ihre Pommes teilen, auch wenn ihre Freundin sich nichts bestellt hat weil sie "keinen Hunger hatte". Das ist einfach so. Und das Essen des Partners schmeckt sowieso immer besser als das eigene. Das ist ein physisch-geologisches Grundgesetz.

In das Thema "emotional" gehört wohl auch irgendwie die Romantik. Das Klischee besagt, dass Frauen auf Romantik stehen und gern gefühlsduselig werden, wenn sie etwas romantisch finden. Jaaa, das kann man immer mal wieder feststellen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Männer bei der Auswahl ihres Hochzeitsanzugs anfangen loszuheulen, wenn sie den richtigen Anzug gefunden haben. Oder dass sie tatsächlich gerne schnulzige Filme schauen. Oder dass sie gerne romantisch mit Kerzenlicht und den feinsten Klamotten auswärts essen gehen. Im Gegenteil: Die sind auch mit der Tiefkühlpizza auf dem Sofa mit einem Action-Film im TV zufrieden. Auch wenn viele Frauen von sich behaupten, der Romantik nicht viel Bedeutung beizumessen: Es gibt Momente, die sollen bitte romantisch sein. Ein Heiratsantrag, das jährliche Dinner am Jahrestag, der Kuschelabend vor dem Fernseher. Ich zumindest habe zum Beispiel auch nichts gegen Blumen. Oder noch besser: Pralinen. Die kann man wenigstens essen.

Wiederum eine andere Art von "emotional" ist wohl auch die weit verbreitete Angewohnheit unter Frauen, jedem kleinsten Mist den mal man von jemandem geschenkt bekommen hat, einen gefühlsduseligen Wert beizumessen. Ich habe mal von einer Arbeitskollegin einen Kerzenhalter aus Glas geschenkt gekriegt. Das absolut hässlichste Teil, das mir jemals untergekommen ist. Ich habe mich natürlich überschwänglich bedankt und das Ding dann im Keller versteckt. Und ich habe es tatsächlich geschafft, das "nette Geschenk" über zwei Umzüge hinweg nicht wegzuschmeissen. Es wanderte einfach jeweils vom alten in den neuen Keller. Dasselbe gilt für Schlüsselanhänger, Plüschtiere, Briefe, Schmuck und Souvenirs. Kein Wunder kriegen Männer einen Anfall wenn sie das erste mal die Wohnung einer Single-Frau sehen. Das muss für sie aussehen wie ein Secondhand Laden. Frauen lieben so kleines Deko-Zeugs, vor allem wenn ein emotionaler Wert dranhängt. Giulia zum Beispiel hatte eine sehr lange und feurige Diskussion mit ihrem Freund Peter, als die beiden die erste gemeinsame Wohnung bezogen. Sie wollte "dekorieren", er wollte die Wohnung nicht "zugemüllt" haben...

Schlussendlich haben viele Frauen nebst Stimmungsschwankungen, Hangry-Anfällen und emotional angehauchten Erinnerungsstücken auch noch die Angewohnheit, alles persönlich zu nehmen und wegen nichts und wieder nichts einen Anfall zu kriegen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Frauen öfters Probleme bei sich selber suchen als bei den anderen, keine Ahnung. Also dass Frauen emotional sind, dürfte durchaus wahr sein, ich bejahe hiermit dieses Klischee.

Aber was ist mit dem Heulen? Ich heule grundsätzlich nur wenn ich


a) Ein trauriges Filmende sehe (völlig unabhängig davon, dass ich das komplette Skript des Films auswendig kenne)

b) Vor die Wahl gestellt werde, aus Wut entweder mein unmittelbares Umfeld klein zu hacken oder zu heulen

c) Jemand anderes heult, den ich mag

d) In einer unglücklichen Beziehung stecke und eigentlich den nächsten Schritte kenne, aber aus einem unerfindlichen Grund lieber noch etwas todunglücklich sein will


Da diese Situationen ja zum Glück nicht allzu oft vorkommen, bin ich, trotzdem ich permanent unter emotionaler Hochspannung stehe, keine Heulsuse. Es gibt aber natürlich auch Frauen, die heulen ständig und wegen jedem Mist. Das dürften aber auch "Papas kleine Prinzessinnen" gewesen sein, die nur eine Träne rauszudrücken brauchten, um alles zu kriegen was sie wollten. Man hat ihnen wohl aber vergessen zu sagen, dass man damit im Alter von etwa 10 Jahren aufhören sollte. Ladies, das ist peinlich. Hört auf damit.

Also das Klischee "Frauen heulen schnell" würde ich verneinen. Zumindest bei den richtigen Frauen, die erwachsen geworden sind.


Frauen haben Angst vor Insekten

Das wurde mir von Tom auch während unserem Schlagabtausch im Auto vorgeworfen. Angst vor Insekten? Ich? Nicht im Traum. Aber ich war ja nicht so blöd um seinem Argument zu widersprechen. Ich habe ihn von Anfang an glauben lassen ich hätte Angst vor Insekten, damit ich nicht jedes Mal aufstehen muss, wenn wir eine Fliege oder Mücke oder Wespe im Raum haben. Dafür bin ich einfach zu faul und hab mir hier deshalb eine kleine Notlüge zurechtgelegt und kann nebenbei Toms todesmutigen Kampf mit dem betreffenden Getier gebührend bewundern. Ok, ja ich bin ein schlechter Mensch. Und nein, ich habe wirklich keine Angst vor Insekten. Ob das jetzt Spinnen, Kakerlaken, Zecken, Fliegen, Mücken oder diese fiesen Spinnentiere mit den gefühlt drei Meter langen Beinen sind. Aber Grenzen habe ich doch auch. Eine Vogelspinne gehört jetzt nicht unbedingt zu meinen Favoriten und die würde ich auch nicht zwingend anfassen wollen. Aber sonst: Kein Problem damit. Ausser natürlich mit Mücken. Das sind die absoluten Alpha-Kevins unter den Insekten, aber auch nur weil sie so nerven. Und ich frage mich immer wieder ob ich die Einzige bin, die mitten in der Nacht von dem nervigen "ziiiiiiiiiii" einer Mücke geweckt wird, darauf wartet bis die Mücke offenbar direkt über meinem Ohr schwebt, um mir dann mit voller Wucht selber eine zu klatschen und die Mücke natürlich zu verfehlen. Das Spiel wiederhole ich teilweise bis zu fünf mal bevor ich aufgebe und das Biest unter lautem Geschnaufe und Geknurre mit Handy-Taschenlampe und Fliegenklatsche bewaffnet erledige. Tom schläft dann immer und kriegt nichts mit, sonst müsste er nämlich aufstehen weil ich ja Angst davor habe. Aber sonst habe ich keine Probleme mit Insekten....

Giulia ist da ein klein wenig anders gestrickt. Wenn sie eine Biene oder Wespe auch nur hört, fängt sie an Dinge um sich zu werfen, presst sich die Hand vor den Mund um beim Schreien das Insekt nicht versehentlich zu verschlucken und rennt, mit der freien Hand wild durch ihre Haare fuchtelnd, in Sicherheit. Und wenn sie das Vieh dann auch noch sieht, wird aus dem unterdrückten Geschrei ein Gekreische. Ich schmeiss mich jedes mal weg wenn ich das sehe. Aber Giulia ist bei weitem nicht die einzige Frau, die so auf Insekten reagiert. Es gibt auch solche, die finden zum Beispiel Fliegen und Bienen und Wespen nicht schlimm. Bei Spinnen und Kakerlaken hört der Spass aber auf und sie lassen das Vieh lieber von ihrem Freund entfernen. Aber ein bisschen plötzlich bitte!

Ich kenne aber eigentlich wirklich mehrheitlich Frauen, die kein Problem mit Insekten haben, denke also nicht dass das Klischee wirklich für die Mehrheit zutreffend ist. Und in die Mehrheit zähle ich natürlich auch die schlauen Frauen unter uns, die offiziell vorgeben, Angst vor Insekten zu haben. Ich liebe Eigenlob.


Frauen sind ordentlich

Vielleicht liegt es ja noch an der Generation unserer Grosseltern aber uns Frauen haftet immer noch das Klischee an, dass wir ordentlich seien. Also meine Grossmutter war sicher ordentlich weil du als Frau damals dein komplettes Leben nicht im Griff hattest, wenn bei dir zu Hause ein Krümel auf dem Boden gefunden wurde. Zum Glück ist dem heute nicht mehr so, sonst wäre ich komplett erledigt. Ich will hier nicht sagen dass ich ein Messie bin, ich bin einfach faul. Ich hasse Putzarbeit, die Wäsche mache ich auch nur weil wir sonst nackt rumlaufen müssten und bügeln kommt schon gar nicht in die Tüte. Es sei denn, ich muss an ein Vorstellungsgespräch, dann bügle ich eben das Kleid oder das Hemd. Ich mag es schon sauber und putze meine Küche täglich aber ich bin jetzt nicht wie mein Kumpel Mio, der einmal die Woche seine Wohnung putzt, als stünde in zwei Tagen sein Umzugstermin an. Ab und zu habe ich einen Anfall und putze die ganze Wohnung von oben bis unten. Aber sonst. Neeeee.. Aber das bin nur ich, ich kenne viele Frauen die sehr ordentlich sind und die grossen Wert auf eine blitzblanke Wohnung legen. Inwieweit das nur für die Öffentlichkeit aufrecht erhalten wird, weiss ich allerdings nicht zu sagen. Wenn bei mir Besuch ansteht, kommt der Putzteufel in mir hervor und wirbelt durch die Wohnung, als gäb's kein morgen. Ergo sind immer alle erstaunt zu hören, dass ausgerechnet ich putzfaul bin, wenn ich das mal irgendwo in die Runde werfe. Daher kann man den blitzeblank geputzten Wohnungen von anderen Frauen durchaus nicht immer über den Weg trauen. Vielleicht sind sie genauso selten putzteufelisch unterwegs wie ich, würden es aber niemals zugeben.

Aber abgesehen von der putztechnischen Ordnung gibt es auch noch ganz andere Bereiche, die man hier betrachten muss. Vor einigen Tagen habe ich mit Giulia telefoniert und wir haben uns über ein anderes ordnungstechnisches Problem unterhalten: Den Kleiderschrank. Sie hat absolut dieselben diesbezüglichen Probleme wie ich:


Erstens ist da nie genügend Platz. Und irgendwann will man ja mal wieder shoppen gehen und schafft Platz, indem man Klamotten wegwirft, die man mindestens 2 Jahre nicht getragen hat oder die einem 5 Nummern zu klein sind.


Zweitens hat man nach dem Ausmisten eine wunderprächtige Ordnung im Schrank, die genau 3 Tage hält weil der Schrank danach wieder aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Immer. Und keiner weiss, wieso eigentlich.


Drittens sieht Frau spätestens dann ein, dass bügeln überhaupt nichts bringt und nur verschwendete Zeit wäre. Das ist ein wahrer Teufelskreis für Putz-Faulheiten wie mich!


"Mein Schrank ist ordentlich und meine Wäsche immer gebügelt", könntest du ja jetzt kühn behaupten. Ok, was ist damit: Handtaschen. Ich kenne keine einzige Frau, die den Inhalt ihrer Tasche ordentlich hält. Gewisse Frauen kaufen sich sogar diese überdimensionalen Feuerzeuge, die man mit zwei Daumen betätigen muss, weil sie die normal grossen Feuerzeuge niemals in ihrem Chaos von Tasche finden würden. Und es gäbe viele Möglichkeiten, seine Tasche in Ordnung zu halten. Allerdings macht es viel mehr Spass, einfach mal alles reinzuschmeissen und nach dem Wühlsystem wieder zutage zu befördern. Ich nenne meine Taschen deshalb auch liebevoll "Schwarzes Loch". Und wenn ich den einen tollen Lippenstift nicht mehr finden kann, muss ich nur meine 15 Taschen durchwühlen und finde ihn garantiert irgendwo in den Untiefen der ledrigen Falten. Nebst 13 Jahre alten Gummibärchen, dem USB Stick, den ich vor einigen Wochen verzweifelt gesucht habe, der verschollenen Stempelkarte meines vorvorletzten Arbeitgebers, 20 Feuerzeugen, obwohl ich grade aufgrund von Feuerzeugmangel ne Maxipackung gekauft habe und 29 Tampons (die ich aber nie dabei habe wenn ich sie mal brauche).

Und wem das immer noch nicht Beweis genug ist, dass Frauen definitiv kein Musterbeispiel an Ordnung sind: Man betrachte ein Frauenauto. Während die Autos der Männer üblicherweise strahlen und glänzen und in Härtefällen von Hand poliert werden, sieht man bei Frauenautos eine dicke Staubschicht auf dem kompletten Armaturenbrett, unter den Fussmatten befindet sich ein halber Wald, die Abfallberge in sämtlichen Becherhaltern und auf dem Rücksitz machen der städtischen Müllabfuhr Konkurrenz, in den Falten der Gangschaltung befinden sich 150 verschiedene Sorten Krümel und aus der Scheibe sieht man nur, wenn man vorher die Scheibenwischer betätigt hat. In Giulia's Auto habe ich mal eine leere Shampoo-Flasche auf dem Rücksitz entdeckt. Kein Witz. Ich selber habe mein Auto in einen Kleiderschrank verwandelt, als ich mit meinem Ex Schluss gemacht habe und wegen Kündigungstermin nicht sofort aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen konnte. Und Monate nach meinem Umzug fand ich immer noch Oberteile und Unterhosen in meinem Auto verteilt. Gut habe ich keine getönten Scheiben und man kann ohne weiteres den Innenraum meines Autos inspizieren..


Trotz allen absolut einleuchtenden Beispielen gibt es natürlich aber auch Frauen mit Ordnungswahn und Putzfimmel. Wie meine Freundin Steffi zum Beispiel. Wenn es bei ihr zu Hause nicht glänzt, steht die Apokalypse bevor. Und sie bügelt gerne. Sie hat mir sogar mal verraten, dass sie aufgrund der Anzahl Knitter in den Klamotten eines Mannes auf die hausfrauentechnischen Handfertigkeiten seiner Freundin schliesst. Ergo, wenn sie meinen Freund Tom sieht, denkt sie ich bin eine absolute Null im Haushalt. Damit kann ich aber gut leben.

Meine Freundin Juliana ist auch so eine Ordnungsbesessene und lebt am liebsten in einer komplett sterilen Umgebung und reisst dir förmlich das gebrauchte Glas aus der Hand, wenn du es in die Spüle stellen willst. Allerdings ist sie auch etwas hypochondrisch veranlagt und desinfizierte sich die Hände schon vor Corona mehrmals pro Tag. Also liegt das vielleicht auch nur an den zweifellos überall vorhandenen Bakterien und Viren, die man nur mit 5 mal täglichem Putzen abtöten kann.

Meine Mutter hingegen gibt gerne vor, sie hätte einen Putz-Fimmel, hat sie aber überhaupt nicht. Wenn Besuch ansteht putzt sie nämlich lediglich die öffentlich zugänglichen Räume. Den Rest des Hauses lässt sie aber einfach noch ein paar Tage stehen, sieht ja keiner ausser die Familie und ausserdem kann sie dann meinem kleinen Bruder auftragen, mal wieder den Staubsauger zu schwingen.


Also ich glaube dieses Klischee stimmt nicht in allen Bereichen und auch wenn, gibt es einige grosse Ausnahmen, die bei sehr vielen Frauen zutreffen. Auch wenn wir gerne Ordnung zu Hause haben, sieht bestimmt unser Schrank, die Tasche oder das Auto (oder alle drei genannten) aus wie eine Müllhalde. Daher nein zu diesem Klischee.


Frauen brauchen Stunden im Bad, shoppen gerne und sind ständig auf Diät

Ich glaube jeder Mann kennt die Szene: Die Verabredung mit Freunden ist um 20 Uhr und die Freundin steht um 19.45 Uhr immer noch im Bad und feilt an ihrem Make-Up. Um 19.50 Uhr kommt sie endlich strahlend raus, nur um dann festzustellen, dass ihr die Bluse doch nicht gefällt. Also geht sie sich umziehen. Im schlimmsten Fall fragt sie ihren Freund noch um Rat, der dann einfach irgendeine andere Bluse vorschlägt, was in einer 3-minütigen Grundsatzdiskussion zum Thema Mode ausartet. Um 19.55 Uhr sucht sie sich dann noch die passenden Schuhe raus und eilt mit ihrem Liebsten zum Auto, um dort festzustellen, dass sie ihren Lipgloss vergessen hat und den noch mal ganz fix holen geht.

Also das ist zumindest ein normaler Ablauf von Tom und mir. Und er ist ein Pünktlichkeitsfanatiker. Zwei Minuten zu früh ist für ihn schon zu spät. Dann höre ich immer mal wieder ein verzweifeltes "typisch Frau". Und irgendwie hat er damit Recht. Wir Frauen sind eitel, auch wenn wir es teilweise nicht gerne von uns behaupten. Nicht umsonst werden wir das schöne Geschlecht genannt, was es übrigens sonst in der Natur kaum gibt. Ja, wir sind toll. Wir achten auf unsere Klamotten, haben verschiedenste Accessoires, besitzen viele Schuhe und Taschen, machen uns Frisuren, legen Make-up auf, wollen schlank und jung aussehend bleiben... Das braucht eben viel Zeit. Und Geld. Frauen kaufen sich gerne völlig überteuerte und absolut nutzlose Anti-Falten-Cremes, Cellulite-Behandlungen und Gesichtsmasken und verbringen viel Zeit beim Frisör, in der Maniküre, Pediküre und beim Enthaarungs-Termin. Wenn man Frauen fragt, wofür sie das alles tun kommt meistens dieselbe Antwort: "Primär für mich aber natürlich auch für meinen Freund". Das freut nebst dem Freund selbstverständlich die Schönheits-Industrie ganz besonders. Ich will gar nicht wissen wie viel Geld ich schon für Make-up oder meine nutzlosen Cremes, Kuren und Masken ausgegeben habe. Die Wirkungsbeschreibungen klingen nur immer so toll, dass man das Zeug einfach kaufen muss. Und dann nach 3 Wochen Anwendung kommt die Dose in den Spiegelschrank zu den anderen Creme-Leichen. Bisher war das ja auch ok für mich, weil ich ja noch jung und strahlend aussehe. Das war meine Ansicht bis im Herbst letzten Jahres. Ich war auf der Suche nach einer neuen und hoffentlich mein Leben verändernden Tagescreme und fragte eine der vertrauenerweckenden weiss gekleideten Apothekerinnen nach Rat. "Darf die Creme auch Anti-Falten-Wirkstoffe besitzen?", war zweifellos nicht die Antwort, die ich erwartet habe. Anti-was?! Dass mein Kumpel Mio zufälligerweise auch dabei war, machte es nicht besser. Er wieherte nämlich los und zog mich noch drei Monate damit auf. Anti-Falten-Wirkstoff... Tja, es ist offiziell: Ich gehöre jetzt offensichtlich in das Beuteschema der Verkäuferinnen, die Frauen mittleren Alters dazu verleiten wollen, das doppelte für dieselbe Creme in einer anderen Verpackung zu bezahlen. Aber das Schlimmste ist das Wissen, dass ich unweigerlich irgendwann meine erste Falten-Creme kaufen werde, um meinem Creme-Friedhof etwas Abwechslung zu bieten. Ich kenne mich nur zu gut.

Trotzdem ich über ein beträchtliches Arsenal an Schönheits-Zeugs verfüge, verbringe ich durchaus keine Stunden im Bad. Nur, wenn ich ausgehe (dann kann das ziemlich lange dauern) oder wenn ich meinen wöchentlichen Lilly-Bade-und-Gesichtsmasken-Plausch abhalte. Das hält sich doch in Grenzen. Morgens gehöre zumindest ich zu der Sorte Mensch, die vor dem fünften Kaffee nicht ansprechbar ist. Ich wüsste beim besten Willen nicht, wie ich mir in einem solchen Zustand Make-up ins Gesicht pflastern sollte. Daher lasse ich das mit dem Schminken morgens lieber bleiben. Die meisten Frauen schminken sich aber morgens und wenn es auch nur ein dezentes Abdecken von Augenringen oder etwas Wimperntusche ist. Und das ist meiner Meinung nach keine Arbeit von Stunden. Daher denke ich, dass dieses Klischee bei sehr vielen Frauen nur in Ausnahmezuständen wie bevorstehenden Parties und obligatorischen Beauty-Days stimmt.


Was das Thema Shopping anbelangt würde ich mit einem ziemlich deutlichen "ja" antworten. Definitiv. Ein Shopping-Tag mit Freundinnen ist mit einem einwöchigen therapeutischen Wanderurlaub gleichzusetzen. Und zumindest bei mir und meinen Freundinnen ist ein bevorstehender Shopping-Marathon der einzige Grund, den Schrank mal wieder auszumisten. Das ist aber kein Muss. Ich kann auch gut und gerne noch ein paar schwarze High Heels kaufen, auch wenn ich zu Hause 5 paar sehr ähnliche Modelle habe. Bei Giulia sind es nicht die Schuhe sondern Nagellack. Sie kauft sich immer ungefähr dieselben Farben und stellt dann zu Hause überrascht fest, dass sie genau diese Farbe schon 3 mal hat. Ups. Egal. Andere Frauen stürzen sich regelrecht auf die glitzernden Regale mit den falschen Klunkern und kaufen sich ihr dreihundertstes Paar Ohrringe. Meine Freundin Tina würde jetzt wohl von sich behaupten, dass sie überhaupt nicht so ist und keinen Wert auf solche Dinge legt. Dass sie aber mindestens 30 verschiedene Halstücher besitzt, die immer ihr sonst praktisch gehaltenes Outfit abrunden vergisst sie aber gerne mal. Auch das fällt unter die Kategorie "Shopping". Frauen, die absolut immun gegen Shopping sind gibt es natürlich auch. Das dürfte aber definitiv nicht die Mehrheit der Frauen sein.


Und wie steht es mit Diäten? Frauen haben ja gerne mal ein (teilweise eingebildetes) Gewichtsproblem und sind auf Kriegsfuss mit sämtlichen Speckröllchen am Körper. Ich habe das Glück, fantastische Gene geerbt zu haben, so dass ich immer mehr oder weniger alles verschlingen konnte, was ich wollte. Das hat aber mit 30 aufgehört und jetzt merke ich sofort, wenn ich eine ganze Tüte Chips verschlungen habe. Ist aber nun wirklich nicht tragisch. Allerdings muss ich das jetzt doch relativieren, weil ich dieses Thema vor 10 Jahren ganz anders betrachtet habe. Mit Anfang 20 habe ich einmal tatsächlich angefangen zu heulen, weil ich ein halbes Kilo zugenommen habe.. Heute bin ich froh, wenn ich meine +/- 5 kg halten kann. Falls ich 6 kg zugenommen habe, kriege ich schon eine leichte Panikattacke und verbiete mir ab sofort sämtliche Süssigkeiten, Fette und Kohlenhydrate. Was natürlich nie funktioniert und jedes Mal unweigerlich in einer Frust-Fress-Attacke endet. Die dann wiederum mit einer Diät gekontert werden muss. Und da stehe ich absolut nicht alleine da. Fast alle Frauen die ich kenne waren irgendwann in einem Weight Watchers Programm, haben auf Fette verzichtet, keine Kohlenhydrate gegessen oder Zucker gemieden. Die beste Diät hat meine Freundin Tina gemacht: Die Milky Way Diät. Sie schwört drauf, seit sie täglich Milky Ways futtert nimmt sie ab. Ich habe mich bis jetzt nicht getraut, diese Diät zu probieren. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich Milky Way nicht mag. Vielleicht versuche ich einfach mal eine Snickers-Diät.

Bei einigen Frauen, die bei sich eine Diät ankündigten, war ich komplett überrascht weil die Figuren der betreffenden Frauen eigentlich top waren. Auf die Frage, wieso sie denn bitte abnehmen müssten kam meistens dieselbe Antwort: Ja nur so 3 kg, dann habe ich mein Traumgewicht erreicht. Aha.

Und dann gibt es auch noch die extremen Frauen, die den hungerhakigen Topmodels dieser Welt nacheifern wollen und am liebsten wieder ihr Geburtsgewicht hätten. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, schlank sein zu wollen. Aber dürr und ungesund muss nun wirklich nicht sein.

Dann lieber mit Sport dünn und fit bleiben, denken sich da die sportlichen Frauen, die mit ihren 5-Mal-die-Woche-Work-Outs ihre ganz eigene Art von Diät ausüben.


Ganz ehrlich: Sehr viele Frauen sind wirklich ständig auf Diät und passen auf, was sie so alles in sich reinschaufeln. Wenn auch nicht immer aber zumindest zwischendurch kommt immer mal wieder das kleine verhasste Teufelchen raus, das dir Dinge ins Ohr flüstert wie: "Die Jeans hat dir vor einem halben Jahr noch gepasst" oder "Der Rock ist viel zu kurz für deine Cellulite-befallenen Beine" oder "Dein Bauch sieht nur im Stehen flach aus - setz dich doch mal hin." Trotzdem ich dieses Klischee wohl oder übel bejahen muss, finde ich dass an Diäten an und für sich nichts Falsches ist. Solange man es nicht übertreibt. Jede Frau sollte sich wohl fühlen und mit wie viel Gewicht man sich wohl fühlt ist sehr unterschiedlich.


Frauen haben keinen Orientierungssinn, keine Ahnung von Technik und kein handwerkliches Geschick

Männer machen sich ja gerne mal lustig über uns Frauen weil wir anscheinend keine Ahnung von Technik haben und uns gerne mal irgendwo verlaufen oder verfahren. Ich kenne einige Frauen mit einem wahnsinnig ausgeprägten Orientierungssinn und auch welche, die Männern in Bezug auf technisches Verständnis und handwerkliches Geschick in nichts nachstehen. Allerdings erfüllt der Grossteil der mit mir befreundeten Frauen (ich inklusive) zumindest das Klischee des Orientierungssinnes vollumfänglich.

Ich kriege es tatsächlich hin, mich an Orten zu verfahren, die ich eigentlich in- und auswendig kennen sollte. Und wenn ich nach Zürich City fahren muss, nehme ich möglichst den Zug. Mit dem Auto kriege ich schon vorab Schweissausbrüche und auch das Navi hilft mir in keinster Weise. Ich komme mit Fahranweisungen wie "Biegen Sie halbrechts ab" oder "Scharf links" einfach nicht klar. Zumindest nicht in dieser Stadt. Und teilweise frage ich mich, ob mich das Navi jetzt nicht grade verarscht weil die Strasse doch ziemlich nach Fahrverbot oder diese Spur irgendwie verdächtig nach Tram- und Busstreifen aussieht. Und überhaupt, was soll "halbrechts" überhaupt bedeuten? Entweder man biegt rechts ab oder nicht. Aber wenn wir grade dabei sind: Frauen haben auch gerne eine Rechts-Links-Schwäche. Auch wenn ich im Normalfall nicht dazuzähle kenne ich doch einige Exemplare, die Schwierigkeiten mit rechts und links haben.

Ich habe auch Probleme damit, zu wissen wo genau mein Ziel liegt. Ich bewundere es, wenn Leute irgendwo hin fahren und nur aufgrund dessen, dass sie eine ungefähre Vorstellung davon haben, wo ihr Ziel liegt, nicht mal ein Navi brauchen. Ich hatte in Geografie definitiv einen Fensterplatz und weiss grade mal, wo die grössten Schweizer Städte ungefähr liegen. Und selbst wenn ich schon mehrere Male zum Beispiel meine Freundin in ihrer neuen Wohnung besucht habe, finde ich den Weg niemals auf Anhieb. Aber zu meiner (unserer) Verteidigung: Vielleicht hat das mit dem Orientierungssinn auch einen evolutionsbedingten Hintergrund. Die jagenden Männer mussten sicher weite und komplizierte Strecken zurücklegen, um ihr Wild zu erlegen, während Frauen zusammen im Lager blieben und keine weiten Wanderungen unternahmen. Das ist zumindest meine Erklärung dafür, die ich auch gerne meinem Freund Tom unterbreite, wenn er sich mal wieder über meinen Orientierungssinn lustig macht. Ich habe halt keine so ausgeprägten Uga-Uga-Gene wie er.

Frauen, die mit der Orientierung überhaupt kein Problem haben, kennen aber vielleicht eine meiner anderen Schwierigkeiten, die ich in Bezug auf Orientierungssinn habe: Ich kann mein Auto manchmal einfach nicht mehr finden. Einmal habe ich tatsächlich 20 Minuten in einem Parkhaus nach meinem Auto gesucht und bin mit dem Schlüssel in der Hand wie eine Irre rumgelaufen und habe nach blinkenden Lichtern gesucht. Es war schon spät abends und irgendwann war ich mir komplett sicher, dass mein Auto abgeschleppt worden war. Musste ja so sein, es war doch in der dritten Etage?! Ich fand es schlussendlich, mit den Nerven völlig am Ende, in der fünften Etage und so gar nicht an dem Platz, an dem ich es erwartet hatte. Der Typ, der die Kameraaufnahmen gecheckt hat, wird sich vor lachen weggeschmissen haben. In dieses verfluchte Parkhaus gehe ich nie wieder.

Ich zumindest erfülle das Klischee des fehlenden Orientierungssinns durchaus und bin mir dieser Tatsache absolut bewusst. Man kann aber auch was Positives draus machen, indem man sich als hilfesuchende Jungfrau an den Göttergatten wendet und ihm das Gefühl gibt, der starke Beschützer zu sein, der den Weg genau kennt und so seinem Ego schmeicheln kann. Auch wenn sein Ego es nicht zulässt, nach dem Weg zu fragen, wenn er halt mal nicht genau weiss wohin - aber das ist ein anderes Thema....


Und was ist mit der Technik und handwerklichem Geschick? Viele Frauen sind durchaus in der Lage, ihren PC alleine aufzusetzen oder ihre Lampen und Regale selbstständig zu montieren. Man sagt ja nicht umsonst "selbst ist die Frau". Und der Männerwelt würde es ja nicht im Traum in den Sinn kommen, dass viele Frauen einfach nur so tun als hätten sie keine Ahnung von Technik und kein handwerkliches Geschick, um sich gewissen unbeliebten Arbeiten zu entziehen. In meinem Fall zumindest muss ich aber einräumen, dass mein handwerkliches Geschick am ehesten mit "Hauptsache es hält irgendwie" zu bezeichnen ist. Bohren, hämmern, schrauben kann ich ja alles aber ich bitte doch lieber einen Mann darum, das zu übernehmen. Es ist nämlich keine Seltenheit, dass wenn ich ein Bild oder Regal aufhängen will, beim Bohren die halbe Wand abgetragen wird, weil der Putz anfängt zu bröckeln oder ich beim Hämmern den Nagel schräg erwische und dann 5 mal wieder von vorne anfangen muss. Das wird natürlich durch das Regal oder Bild überdeckt aber spätestens beim Umzug kommt mein handwerklich sehr überschaubares Geschick zu Tage. Nicht selten haben die Männer, die mir beim Umzug geholfen haben beim Anblick meiner Wände ungläubig den Kopf geschüttelt und sich eine Hand vors Gesicht geschlagen. Einmal hatte ich einen genialen Geistesblitz: Ich wollte Lampen montieren, wusste aber um mein handwerkliches Geschick und habe die Lampen stattdessen mit Power Strips an die Decke geklebt. Hielt wunderbar und alles war toll. Und auch beim Umzug liessen sich die Dinger mithilfe meines Föns einfach ablösen. Nur bei der fünften Lampe hatte ich einfach keine Geduld mehr und meine Arme starben langsam ab vom ständigen Föhn-nach-oben-halten. Also habe ich einfach mal auf gut Glück an der Lampe gezogen. Das Resultat war ein wirklich monströses Loch im Putz der Decke. Der Maler, den ich für die Ausbesserung engagiert habe frage mich völlig entgeistert, wie das denn bitte passiert sei. Ich druckste rum und musste mich plötzlich dringend um eine Angelegenheit in einem anderen Zimmer kümmern.

Meine Freundin Giulia ist da auch nicht viel besser. Sie wollte in ihrer Wohnung einen Spiegel aufhängen, aber das mit dem Nägel reinhämmern funktionierte einfach nicht so wie sie es wollte. Irgendwann war ihre Geduld am Ende und sie schlug einmal kräftig den Hammer direkt in die Wand, um Wut abzulassen. Das Resultat war natürlich ein dickes fettes Loch in der Wand, das ihre Laune in keinster Weise hob. Aber zum Glück hielt der Spiegel dann doch und überdeckte den Fauxpas bis zu ihrem Umzug.

In Situationen wie wenn man zum Beispiel ein Eigenheim baut, packen Frauen aber oft auch kräftig und mit viel Geschick mit an, woran man durchaus erkennen kann, dass sie es doch können. Auch wenn es oft zu Diskussionen mit dem Göttergatten führt, weil er findet, dass er es eben doch noch etwas besser kann. Und oft ist dem tatsächlich so.

Also handwerkliches Geschick ist durchaus vorhanden, auch wenn Männer in dieser Hinsicht ehrlich gesagt doch etwas mehr den Dreh raus haben. In Bezug auf Technik können wir das etwas abmildern, da es für viele technische Geräte eine Bedienungsanleitung gibt, die wir Frauen auch tatsächlich lesen. Da ist es einfacher für uns und wir haben auch kein Ego das uns sagt, dass Bedienungsanleitungen nur was für Mädchen sind und wir uns damit garantiert nicht aufhalten... Und nur weil Frauen nicht so technikbegeistert wie Männer sind, heisst das noch lange nicht, dass wir nicht mit Technik umgehen können. Dieses Klischee würde ich also definitiv verneinen.


Frauen sind schwach und nicht auf Karriere fixiert

Ja, Frauen sind vom Körperbau nicht so stark gebaut wie Männer. Aber es gibt heute viele Frauen, die sich in typischen Männerberufen durchaus wohl fühlen. Und auch wenn man einige typische Frauenberufe unter die Lupe nimmt stellt man fest, dass diese durchaus körperlich anstrengend sind. Wie zum Beispiel Pflegerin, Putzfrau, Kindergartenlehrerin (die den ganzen Tag 30 Kindern nachrennt) oder Flight Attendant. Ja, man schleppt keine schweren Sandsäcke, das ist richtig. Aber eine Pflegerin, die den ganzen Tag (und Nacht!) bettlägerige Patienten betreut, muss auch eine Menge Kraft besitzen aber gleichzeitig auch Feingefühl, weil man den Patienten nicht gleich einem Sandsack behandeln kann. Und die Flight Attendant muss trotz Jetlag stundenlang den Wagen durch die Reihen schubsen und 500 mal "Hühnchen oder Pasta?" wiederholen. Das stelle ich mir ziemlich anstrengend vor. Trotzdem Männer in den meisten Fällen körperlich stärker sind würde ich nicht behaupten, dass Frauen schwach sind. Come on, müssten Männer Kinder gebären wäre die Menschheit am Ende. Ich kenne so viele wehleidige Männer, die wegen einer kleinen Grippe gleich ihr Testament aufsetzen und ich finde, auch das gehört ins Thema Schwäche. Frauen sind in dieser Hinsicht viel stärker als die Männer und können (müssen) einiges mehr ertragen. Daher glaube ich nicht, dass Frauen tatsächlich das schwache Geschlecht sind, auch wenn sich dieses Klischee nach wie vor hartnäckig hält.

Bezüglich Karriere ist ein Umdenken zu spüren. Es gibt neuerdings viele Hausmänner, die bei den Kindern bleiben, während Frauen ihre Karriere weitertreiben und wenn keine Kinder da sind, dann steht die Karriere sowieso gerne im Vordergrund von Frau. Es kommt heute auch tatsächlich immer mal wieder vor, dass die Frau mehr verdient als ihr Partner. Das ist zum Beispiel bei meinem Freund und mir der Fall und hätten wir Kinder, wäre es klar dass er zu Hause bleibt und ich trotz Kindern meine Karriere verfolge. Aber eine Sache machen wir Frauen bezüglich Karriere nach wie vor ziemlich falsch: Wir verkaufen uns unter Wert. Das sieht man auch bei der Lohnungleichheit. Männer verdienen für exakt dieselbe Arbeit teilweise erheblich mehr als Frauen. Und das hat meiner Meinung nach keinen anderen Grund als den, dass Männer einfach fähig sind, egoistischer zu denken und frech viel zu viel Gehalt zu fordern. Frauen nehmen Rücksicht auf das Unternehmen, geben sich auch mit weniger zufrieden und denken sich Dinge wie "Die Sozialleistungen sind doch super, dann kann ich ja mein Gehalt etwas nach unten korrigieren" oder "Soll ich echt diese Zahl nennen? Nee, das wäre doch zu frech, ich gehe mit realistischen Zahlen ins Gespräch." Das ist eigentlich völlig kontraproduktiv und hier kann Frau einiges von Mann lernen, denn viele Männer definieren sich über ihren Job oder ihren Verdienst und gehen daher bei den Einstellungsgesprächen gerne aufs Ganze, um möglichst viel rauszuschlagen.

Trotz dieser Schwierigkeit glaube ich nicht, dass das Klischee "Frau ist nicht auf Karriere fixiert" heute noch überwiegend stimmt. Es ist auch nicht mehr gesellschaftlich gefordert, als Frau unbedingt Kinder zu haben oder dass im anderen Fall die Frauen zu Hause beim Nachwuchs bleiben müssen, während der Mann den Ernährer spielt. Daher gibt es immer mehr Frauen in hohen Positionen, was ich persönlich absolut genial finde.


Frauen können nicht Autofahren

So, dann wären wir wieder beim eingangs erwähnten Klassiker. Dem Autofahren. Auch wenn Frauen durchaus dazu in der Lage sind, etwas temperamentvoller zu fahren, sind sie doch immer noch grösstenteils vernünftiger als einige Männer unterwegs.

Vor allem einige junge männliche Autolenker, die gerade ihren Führerschein gemacht haben, fahren vielfach ziemlich ähm rasant. Da rasen die einem mit 140 Sachen auf der Autobahn mit einem Abstand von 30 cm hinterher, quetschen sich in die unmöglichsten Lücken, beschleunigen wie die Irren weil es so geil klingt (vor allem im Tunnel, während ich vor Schreck beinahe mein Lenkrad rumreisse) und ich kenne nicht wenige, die gerne mal einen auf Tokyo Drift machen. Aber das sind grösstenteils wirklich nur die sehr jungen männlichen Lenker. Tom fährt meistens ziemlich vernünftig, auch wenn er zwischendurch mal einen Anfall von Beschleunigungswahn hat und meiner Meinung nach viiiel zu nah auffährt. Aber das hat auch damit zu tun, dass ich eine absolut schreckliche Beifahrerin bin. Wenn ich selbst nicht die Kontrolle habe, fängt mein Fuss auf dem Beifahrersitz an zu bremsen, in gewissen Situationen klammere ich mich an die Tür oder schliesse sogar lieber kurz die Augen, wenn Tom zu nah auffährt. Ihn amüsiert das ungemein, ich hingegen kriege Herzrasen und möchte am liebsten laufen.

Wenn ich selber fahre, bin ich meist eher zügig unterwegs. Aber immer innerhalb des Tempolimits, ich benutze meinen Tempomat. Beste Erfindung aller Zeiten. Tom zeigt mir jedes mal den Vogel wenn ich das Ding lobe.

Da ich innerhalb des Tempolimits (also genau gesagt 3 km/h drüber) fahre, erwarte ich das auch von den anderen und wenn dem nicht so ist, kriege ich manchmal eventuell einen kleinen Ausraster. Aber auch nur, wenn ich zu spät dran bin oder an dem Tag einfach allgemein von allem und jedem genervt bin.

Meine beste Freundin Giulia ist meistens rasant unterwegs und ich finde es immer wieder extrem lustig wie sie sich aufregen kann, wenn ein Fussgänger zu langsam über die Strasse läuft. Oder wenn jemand die Frechheit besitzt, sie anzuhupen oder zu nah auffährt, kann sie das schon lange. Ich habe mir auch schon auf ihrem Beifahrersitz gewünscht, doch lieber zu laufen. Aber wirklich auch nur zwischendurch, im Normalfall fährt auch sie ziemlich anständig, wenn auch zügig.

Dasselbe Verhalten sehe ich auch bei meinen Freundinnen. Sie sind zügig unterwegs, fahren aber grösstenteils sehr vernünftig und brauchen unnötiges Beschleunigen, Motorröhren und Driften genausowenig wie ich. Ja wir fluchen und ja wir gestikulieren aber das heisst nicht, dass wir schlechtere Autofahrer sind. Wir wollen nur zügig und ohne Bremsklötze auf der Strasse zu unserem nächsten Nageltermin kommen.

Diesem Klischee würde ich also nicht zustimmen. Zumindest, was mich und meine Freundinnen betrifft.



Fassen wir mal zusammen: Wir Frauen reden gerne und viel, sind emotional, stehen in der Regel auf eine gewisse Romantik, sind auf unsere Schönheit bedacht, verwenden viel Energie, Zeit und Geld dafür, sind gerne mal auf irgendwelchen Diäten, haben einen dürftigen Orientierungssinn und unser handwerkliches Geschick ist so lala. An diesen Klischees dürfte also etwas dran sein. Aber es gibt auch Klischees, die ich durchaus verneinen würde, wie zum Beispiel dass wir immer ordentlich sind, schnell heulen, keine Ahnung von Technik haben, sofort die Flucht vor Insekten ergreifen, standardmässig Stunden im Bad brauchen, schwach sind, uns nicht auf unsere Karriere konzentrieren und die schlechteren Autofahrer sind. Zumindest bei mir und meinen Mädels trifft das nicht wirklich zu. Klar gibt es Ausnahmen und klar gibt es Frauen, die überhaupt kein Klischee erfüllen, während es heulende, emotionale und technisch komplett unbegabte Männer gibt. Aber das Lustige ist ja immer, dass sich Gegensätze bekanntlich anziehen und was Frau nicht kann, kann Mann dafür umso besser und umgekehrt.

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