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  • Lilly

Ich bin nicht eifersüchtig! Ok, doch.

Eifersucht ist etwas, mit dem sich jeder mehr oder weniger gut auskennt und mit dem jeder mehr oder weniger gut umgehen kann. Wenn ich über die vergangenen 20 Jahre nachdenke, habe ich so ziemlich alle möglichen Stadien durchlebt: Von überhaupt nicht eifersüchtig, über ab und zu bis zu "diese Schlampe hat in die Richtung meines Freundes gesehen, was fällt der eigentlich ein?!". Habe mich gefragt, wieso es überhaupt zu Eifersucht kommt und wieso es unterschiedliche nennen wir es "Intensitäten" davon gibt. Hat es mit dem Freund zu tun? Oder mit der eigenen Laune? Oder einfach damit, dass man unsicher ist? Habe im nachfolgenden Teil einige meiner Erfahrungen rausgepickt und einige Überlegungen zu diesem Thema angestellt.


Ich bin mir nicht sicher, wann ich genau das erste Mal so richtig eifersüchtig in einer Beziehung war. Mein Superhirn löscht solche unliebsamen Daten gerne einfach selbstständig. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es erst bei meiner zweiten längeren Beziehung dazu kam. Damals war ich mit Florian zusammen. Der netteste Mensch überhaupt, sehr ruhig, zurückhaltend, anständig, ehrlich.. Und ich war von seiner Gutmütigkeit so beschwichtigt, dass ich absolut gar keine Eifersucht verspürte, nie. Und dann war ich eines abends alleine zu Hause weil er seinen Bruder besuchte. Und aus irgendeinem Bauchgefühl heraus fand ich, dass es Zeit wird, den Browserverlauf seines Laptops mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ja ich weiss, ich bin ein schlechter Mensch. Aber gegen meine Intuition wollte ich nicht kämpfen und ausserdem war mir langweilig. Und insgeheim habe ich natürlich gehofft, nichts verdächtigeres als ein paar gelegentliche Besuche auf einer Pornoseite zu finden. Umso grösser war mein Schock, als ich dann feststellen musste, dass er sich in den vergangen Wochen ziemlich häufig auf irgendwelchen Dating-Portalen rumgetrieben hat. Meinen ersten Fluchanfall habe ich mit einer Zigarette versucht zu beruhigen. Nach 10 Minuten war mein Drang, Flo mitsamt seinem Laptop im nächsten Fluss zu versenken soweit abgeklungen, dass ich mich wieder dem Wesentlichen zuwenden konnte: Seinen E-Mails. Ja ich weiss, sehr verwerflich. Aber ich sagte mir, dass ich die Schwelle so oder so schon überschritten habe und daher ein wenig weitergehende Recherche auch keinen Unterschied mehr macht. Ausserdem würde ich so schneller merken, ob Flo mich bei seiner zweifellos baldigen Erklärung anlügen würde oder nicht. Also die E-Mails gecheckt. Und nicht schlecht gestaunt, als ich mehrere Mails von unterschiedlichen Frauen fand. Oft nur ein harmloses "Woher kommst du?" "Wo arbeitest du?" "Was sind deine Hobbies?". Mit zwei Damen hat Flo allerdings tatsächlich geschrieben, dass er sie gerne treffen würde und eine davon hat sogar geantwortet und Zeit und Ort vorgeschlagen. Das Datum lag zwar noch in der Zukunft, ich wusste allerdings nicht, ob mich das beruhigen sollte. Ich war auf 180. Erst wollte ich auf seine Rückkehr warten. Dann entschied ich mich aber wegen akuten heftigen Bauchschmerzen und pulsierender Stirnader dagegen und habe ihn angerufen und ihm klar gemacht, dass er 20 Minuten Zeit hat um nach Hause zu kommen, danach könne ich nicht garantieren, dass seine Sachen noch in einwandfreiem Zustand sein würden. Er wusste genau, worum es ging und kam sofort nach Hause, reumütig wie ein kleiner Welpe, der das Sofakissen angekaut hat. Auf meine Frage hin, was ich genau von diesen Dating-Portalen halten sollte, meinte er, es hätte absolut nichts zu bedeuten. Er hätte nur seinen, und ich zitiere, "Marktwert abchecken wollen". Was zur Hölle...?! Ich fragte ihn, ob er sich mit jemandem verabredet hätte und er antwortete "Nicht direkt". Er hätte mit Frauen über Treffen geschrieben, aber es nie durchgezogen. "Und was ist mit dieser feinen Dame hier, mit der du sogar einen Ort und eine Zeit für ein Treffen vereinbart hast?", frage ich ihn. "Ich hätte mich nicht mit ihr getroffen, ich wollte nur mal schauen wie attraktiv ich noch auf Frauen wirke", war seine zweifellos sehr fragwürdige Antwort. Es kommt nicht oft vor, aber in diesem Moment war ich absolut sprachlos. Ich machte ihm den Vorschlag, dass er dieses Marktwert-Abchecken ab sofort unterlassen und sich eher darauf konzentrieren sollte, dass ich ihn durchaus attraktiv finde und das das Einzige ist, was zählen sollte. Er hat daraufhin seine Accounts und die Mails gelöscht. Ob er niemals wieder auf so eine bescheuerte Idee gekommen ist, weiss ich nicht und ich habe es auch niemals wieder überprüft. Ich brauchte ein paar Tage Zeit, um mich wieder zu beruhigen, tat diesen Vorfall dann aber als Ausrutscher seinerseits ab. Wir waren damals schon über 2 oder 3 Jahre zusammen und ich wollte die Beziehung nicht wegen so einer Sache beenden. Schliesslich war ja nichts wirklich Handfestes passiert. Aber trotzdem nagte diese Sache an mir und hinterliess ein gewisses Misstrauen gegenüber dem anderen Geschlecht, das ich von da an immer versuchte aufrecht zu erhalten, trotzdem er mir niemals wieder einen Grund zur Eifersucht geliefert hat. Die Tatsache, dass er so etwas hinter meinem Rücken gemacht hat und ich absolut nichts davon gemerkt habe, stimmte mich schon nachdenklich. Wenn man einen Menschen jahrelang kennt und er so eine Aktion unbemerkt durchziehen kann ist es schon fraglich, wie gut man seinen Partner tatsächlich kennt..


Nach dem Ende der Beziehung mit Flo trat einige Monate später Ashif in mein Leben. Am Anfang unserer Beziehung war ich sehr misstrauisch und eifersüchtig. Das lag wohl auch daran, dass er so ziemlich das genaue Gegenteil von Florian war. Er prahlte mit seinen vielen Eroberungen, war durchaus ein Macho-Typ und sah (zumindest in meinen Augen) ziemlich gut aus. Er konnte auch wirklich sehr charmant sein, wenn er wollte. All das machte mich misstrauisch und ich konnte ja nicht zu 100% sicher sein, dass er sich nur mit mir traf und nicht nebenbei noch andere Flirts am Laufen hatte. Wir haben uns in der Karibik im Urlaub kennengelernt und damals wusste er noch nicht, dass sich aus dem Urlaubs-Flirt eine Beziehung entwickeln würde. Daher erzählte er mir frei über all seine Eskapaden mit dem anderen Geschlecht, von seiner letzten Freundin und dass seine Beziehungen meistens eher nach dem On-Off-Prinzip gestaltet seien, was es nicht unwahrscheinlich machte, dass er plötzlich mit der Ex doch noch einmal im Bett landete. Das sei mit Tamara, seiner letzten Exfreundin, auch häufig passiert. Und genau das sei auch der Grund, warum er sich eine Auszeit gönnen und alleine in Urlaub fliegen wollte. Das Hin und Her mit Tamara ging ihm auf den Zeiger. Zum Zeitpunkt des Kennenlernens machte mir das nicht viel aus, da ich da ja auch noch nicht wusste, dass sich der Flirt mit ihm tatsächlich weiterentwickeln würde. Als wir uns dann zu Hause weiterhin trafen stellte ich mit Entsetzen fest, dass Tamara Luftlinie 50 Meter von seiner Wohnung entfernt lebte und er ohne Weiteres in ihr Wohnzimmer und (was weitaus schlimmer war) in ihr Badezimmer blicken konnte. Dummerweise hat mir Ashif erzählt, dass sich Tamara gerne einen Spass draus machte, nackt in ihrer Wohnung rumzulaufen und eine Piep-Show mit offenem Badezimmerfenster abzuliefern, wenn sie duschen ging. Zweifellos dachte er, das würde mich amüsieren. Tat es aber überhaupt nicht. Im Gegenteil: Jedes Mal wenn er auf dem Balkon stand und auch nur in die ungefähre Richtung ihrer Wohnung schaute, stellte ich mir vor, dass er insgeheim nach IHR Ausschau hielt. Ich beschloss, ihm eine Szene zu machen und ihm zu sagen, dass ich den Umstand hasse, dass seine Ex so offensichtlich in unserer Beziehung steht. Er machte mir ziemlich deutlich klar, dass er Eifersucht überhaupt nicht ausstehen könne und sagte mir, dass ich mir absolut keine Gedanken über Tamara zu machen brauchte. Er hätte mit diesem Thema abgeschlossen und ausserdem sei ich sowieso ein viel besserer Fang als sie. Das war Musik in meinen Ohren. Ich beschloss, die Situation neu zu überdenken. Natürlich beobachtete ich ihn einige Wochen lang und kam dann zum Schluss, dass er mich nicht angelogen hatte. Er hatte wirklich mit Tamara abgeschlossen und hatte nur noch Augen für mich. Als die Beziehung ernster wurde und ich mir sicher war, dass er wirklich nichts anderes am Laufen hatte, stellte ich die Eifersucht komplett ein. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich aber auch noch einen weiteren Grund, meine Eifersucht aufzugeben. Ashif hat jedes Mal auf meine Eifersüchteleien mit einem Schmoll-Anfall reagiert. Und wenn ihm der Sinn danach stand, konnte er tage- und sogar wochenlang schmollen. Etwas, das ich nicht kann, weil es mir einfach irgendwann zu blöd wird. Und da ich offenbar in gewissen Dingen den vernünftigen Part in der Beziehung einnehmen musste, kam ich zum Schluss, dass es nicht schaden würde, die Eifersucht einfach stecken zu lassen. Schliesslich würde ich es auch nicht toll finden, wenn er jedes Mal einen Anfall kriegen würde, wenn ich mit einem anderen Mann rede. Im Nachhinein ist das eine ziemlich fadenscheinige Begründung, mit der Eifersucht aufzuhören und grenzt an Manipulation. Aber in den 5 Jahren mit ihm stimmte es so für mich und ich erntete nicht selten erstaunte Blicke über meine Gelassenheit, wenn es um das Thema Eifersucht ging. Er hatte sämtliche Freiheiten und es war zum Beispiel im Urlaub keine Seltenheit, dass ich abends zurück aufs Zimmer ging, während er noch ausserhalb des Hotels Rambazamba hatte, unter Anderem natürlich mit anderen Frauen. Aber ich ignorierte das. Erstens hatte er mir nie einen Grund zur Eifersucht geliefert und zweitens (und wichtiger) wollte ich keine Schmoll-Anfälle provozieren.


Nach dem Beziehungs-Aus mit Ashif kam Tom. Vom Typ her eher wieder wie Florian. Lieb, nett, anständig, ehrlich, kein Macho-Getue. Und ich war mittlerweile auch älter und reifer. Mit 30 kann man mit vielem umgehen, was einem mit 20 über den Kopf gewachsen wäre. Dachte ich. Daher machte ich mir auch überhaupt keine Gedanken in Bezug auf Eifersucht, da ich mich schon längst dran gewöhnt hatte, diesem Thema überhaupt keine Beachtung mehr zu schenken, auch wenn Tom viele weibliche Freunde hat und sich allgemein sehr gut mit dem anderen Geschlecht versteht. Dann kam der Abend ein paar Monate nachdem wir offiziell ein Paar geworden sind. Wir waren bei ihm zu Hause. Er sass an seinem Computer und zockte während ich es mir auf dem Bett gemütlich gemacht hatte und auf seinem Laptop eine Serie streamen wollte. Auf dem Laptop war sein Web-Whatsapp noch geöffnet und ich war schon im Begriff, die Seite zu schliessen, als mein Blick auf eine Nachricht mit viel zu vielen Herzen und Kuss-Smileys fiel. Die Nachricht kam von Lea, mit er er angeblich nur eine Freundschaft unterhält und mit der er nie auch nur auf den Gedanken gekommen ist, mehr aus der Freundschaft zu machen. Lea war keine Unbekannte für mich. Er hatte mir schon viel von ihr erzählt und wie lange er schon mit ihr befreundet war. Er hatte sich damals sogar erst kürzlich mit ihr verabredet und sich bei ihr zu Hause mit ihr getroffen. Das war ja kein Problem für mich, ich hatte keinen Grund zur Eifersucht, sie waren ja nur gute Freunde. Er erzählte mir, dass sie zusammen Pizza gegessen hätten und sie dann eine Modeschau für ihn veranstaltete, weil sie sich grade erst neue Radlerhosen gekauft hatte. Etwas komisch fand ich es schon, als er mir erzählte, dass sie ihn gefragt hätte, ob die Hose auch wirklich nicht durchsichtig wäre, weil sie drunter kein Höschen tragen würde. Aber nach anfänglichem Hinterfragen schenkte ich dem später weniger Beachtung, da er offenbar keinerlei Interesse an ihr zeigte. Auch wenn ich mir dachte, dass sie durchaus Interesse zu haben schien.

Aber da war jetzt diese Nachricht mit den Herzen und Küssen. Klar, es gibt viele Leute die sich auch rein freundschaftlich auf diese Weise schreiben aber die Vorgeschichte mit den Radlerhosen ohne Höschen drunter drängte sich mir in dem Moment wieder auf. Und ich fragte mich, ob er wirklich gar kein Interesse an ihr hatte oder das Ganze einfach runtergespielt hat, damit ich keinen Verdacht schöpfe. Ich wollte zu gerne seine Nachrichten an sie lesen. Den kurzen internen Kampf mit meinem Gewissen verlor ich und öffnete den Chat mit Lea. Ich beschloss, dass ich mir mal die Nachrichten anschauen würde, welche die beiden seit Beginn unserer Beziehung ausgetauscht hatten. Was vor unserer Beziehung lief, interessierte mich nicht. Zweifellos im Glauben, dass da nichts Interessantes zu lesen sein würde, vergass ich die vergangenen 5 Jahre der Eifersuchts-Abstinenz und meine Reife, als ich die Nachrichten der beiden las. Das klang überhaupt nicht nur nach Freundschaft. Sie neckte ihn offenbar gerne damit, dass sie ihm auf harmlose Nachrichten wie "Was machst du grade?" schrieb "Stehe nackt in meinem Zimmer, war grade duschen". Was dann wiederum Tom dazu veranlasste, ihr Antworten wie "Das würde ich zu gerne sehen" zu schicken. Dass nicht nur Lea diejenige war, die mit solch eindeutigen Anspielungen anfing, machte mich ziemlich sauer. Einmal hatte ihr Tom morgens geschrieben "Bin grade mit einem Mordsständer aufgewacht, habe wohl von dir geträumt". Ihre Antwort "Oh Tom, du böser Junge" liess mich einmal leer Schlucken. Ihr Chatverlauf beinhaltete natürlich auch harmlose Plaudereien, aber irgendwann kam es unweigerlich immer wieder zu diesen völlig unangebrachten Abschweifungen. Das hätte mich ja nicht gestört, wenn das VOR unserer Beziehung gewesen wäre. Oder wenn es wenigstens nur noch am Anfang unserer Beziehung zu solchen Konversationen gekommen wäre. Aber die letzte Nachricht dieser Art lag grade mal 2 Tage zurück und ich stellte mit Entsetzen fest, dass er sogar während unseres gemeinsamen Urlaubs auf die Art mit ihr gechattet hatte. Ich war enttäuscht und hatte eine Mordswut in mir. Da ich mich aber mit dem Thema Eifersucht eigentlich nicht mehr rumschlagen wollte, entschloss ich mich zu einem Spaziergang, um das Gelesene nochmals Revue passieren zu lassen und um mich zu beruhigen. Vielleicht war ja daran wirklich nichts Schlimmes und ich bauschte einfach alles nur auf? Ich sagte Tom, ich würde kurz mal an die frische Luft gehen und ging ohne ein weiteres Wort. Mein Hirn versuchte eine logische Erklärung zu finden und ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass das vielleicht einfach nur eine harmlose Flirterei unter zwei alten Freunden ist. Aber der "Mordsständer" kam mir immer wieder in den Sinn. Das hatte er ihr geschrieben, als wir zusammen im Urlaub waren. Und die Initiative für diesen fragwürdigen Satz kam von ihm und nicht von ihr. Bald merkte ich, dass Spazieren und Überlegen zu gar nichts führen würde. Also ging ich zurück in seine Wohnung, wo er mich völlig verdattert fragte, was denn passiert sei. Als ich ihm wortlos den Laptop vor die Nase knallte wurde er ziemlich blass. Er sagte, dass das alles nichts zu bedeuten hätte, dass er mit Lea schon immer so gechattet hätte, dass sie wirklich nur Freunde wären und ich mir bitte keine Sorgen machen solle. Aha. Auf meine Frage, was ihm eigentlich einfallen würde, auf die Art mit einer anderen Frau zu schreiben, während er mit mir zusammen ist, kam die Aussage des Jahrtausends: "Es tut mir leid, ich habe nicht überlegt dass es ein Problem werden könnte und es bedeutet mir wirklich nichts. Würde es mir was bedeuten, hätte ich die Chats gelöscht". Wow. Und das sollte mich beruhigen?! "Was hast du denn alles schon gelöscht wenn ich fragen darf?" war meine Antwort und ich versuchte wirklich, ihm nicht an die Gurgel zu gehen. "Nichts, ich habe nichts zu verstecken. Du kannst alle meine Nachrichten lesen, wirklich. Es tut mir leid". Als er dann in Tränen ausbrach, hätte mich das früher gerührt. Jetzt machte es mich nur noch wütender. Ich entschuldigte mich dafür, dass ich hinter seinem Rücken seine Nachrichten gelesen habe und erklärte ihm, wie es dazu gekommen ist. Dann packte ich meine Sachen und liess ihn stehen. Ich entschloss mich dazu, bei meinem guten alten Kumpel Mio zu übernachten. Mein schwuler Freund, der immer ein offenes Ohr für solche Dinge hat und von dem ich gerne wissen wollte, ob ich zu schroff reagiert hatte. Er hörte sich die Geschichte an, zog heftig an seiner Zigarette und meinte "Also wenn mein Freund das machen würde, dann hätte ich ihn mit einem deftigen Arschtritt aus der Wohnung befördert, das ist ein Skandal". Nur um dann abzuschweifen und mir lang und breit von seinem neusten Fang zu berichten. Dafür war Mio schon immer gut: Ablenkung und Aufmunterung. Trotzdem hat mich diese Sache die halbe Nacht wach behalten und Tom ging es am nächsten Tag auch nicht besser. Wir redeten lange über dieses Thema und ich machte ihm (dieses Mal sachlich) klar, dass ich das nicht gutheisse. Auf meine Frage hin, wie er sich denn bitteschön fühlen würde, würde er so etwas auf meinem Handy finden, war er ehrlich überrascht und musste sich eingestehen, dass er wohl genauso reagiert hätte. Das zeigte mir, dass er tatsächlich keinen Millimeter weit überlegt hatte und einfach nur naiv war, wenn es um das Thema Lea ging. Dass sie nichts gegen eine Beziehung einzuwenden hätte, war mir von Anfang an klar. Da das für ihn aber wirklich kein Thema zu sein schien und ich ihm unmissverständlich klar machte, dass das nicht noch einmal ohne Konsequenzen passieren würde, beschloss ich, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Etwa ein Jahr später, gar noch nicht so lange her, musste Tom geschäftlich für eine Woche in die Slowakei. Eigentlich kein Problem, wäre da nicht Ivana, eine slowakische Arbeitskollegin, die schon lange ein Auge auf Tom geworfen hat und mit der er auch privat oft schrieb. Eigentlich ja nichts Dramatisches, wäre da die Vorgeschichte nicht gewesen. Ein paar Wochen bevor Tom mit mir zusammengekommen ist, hatte Ivana es nämlich geschafft, sich bei einem geschäftlichen Besuch in der Schweiz so voll laufen zu lassen, dass Tom der Ritter sie in ihr Hotelzimmer gebracht hat. Und dort prompt auf ihr Drängen hin mit ihr geschlafen hat. Das habe ich später durch permanentes Bohren und Nachfragen von Tom erfahren und ich warf es ihm nie vor. Es war ja vor unserer Beziehung passiert. Trotzdem bereitete es mir jetzt doch etwas Unbehagen, dass er eine Woche bei ihr in der Slowakei sein würde. Ich sagte ihm vor Abflug, dass er den Kontakt mit Ivana bitte auf das Geschäftliche beschränken solle - keine privaten Ausflüge, keine Abstecher in sein Hotelzimmer oder zu ihr nach Hause. Er lachte und meinte, ich müsse mir keine Gedanken machen. Keine 24 Stunden später schrieb er mir, dass er jetzt zu einem Hockeyspiel gehen würde. Tom und Hockey?! Mein Misstrauen war geweckt. Sein Arbeitskollege, der mit ihm reiste, wolle das Spiel sehen. Auf meine Frage hin, ob nur sie beide da sein würden meinte er beiläufig, dass auch Ivana mitkommen würde. Und sofort war aus dem Misstrauen Gewissheit geworden und die Eifersucht war wieder da. Ich hatte keine Angst davor, dass er von sich aus etwas Bescheuertes machen würde. Aber ich misstraute ihr in höchstem Masse, vorallem wegen der Vorgeschichte. Diese Woche seiner Abwesenheit war eine einzige Katastrophe weil ich mitbekam, dass die beiden trotz meiner anfänglichen Bitte jeden einzelnen Abend privat etwas unternahmen. Mal ein Drink dort (Tom war noch nie ein grosser Trinker und mit mir geht er höchst selten mal weg), mal ein Abendessen da und sein Arbeitskollege war auch nicht immer dabei. Erst versuchte ich es zu ignorieren und mich damit zu beruhigen, dass ich ihm ja vollstes Vertrauen schenke. Aber dann kam die Antwort vonseiten Eifersucht: Aber du vertraust ihr nicht. Und irgendwann war ich ausser mir, rief ihn an und sagte ihm, dass ich mich wohl vor seiner Abreise nicht deutlich genug ausgedrückt hätte. Ivana hoffe schon länger auf mehr als Kollegschaft und er solle sich jetzt sofort privat von ihr distanzieren, ich lasse mich hier nicht zum Affen machen. Er verstand meinen Wink und redete mir ihr. Ihre Reaktion überraschte mich überhaupt nicht. Sie fing an zu Weinen und wollte mit ihm spazieren gehen, um über alles zu Reden. Er meinte, seine Jacke wäre auf dem Zimmer, er könne in der Kälte nicht ohne raus. Sie wollte dann mit aufs Zimmer, um die Jacke zu holen. Na klar. Um die Jacke zu holen. Zweifellos hatte er vor Augen, wie ich ihm den Kopf abreissen würde, würde er dazu ja sagen und ging dann ohne sie zurück auf sein Zimmer. Den privaten Kontakt hat er seither auf ein Minimum beschränkt und dafür bin ich ihm dankbar. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen deswegen aber dann sehe ich wieder ihr hinterhältiges Gesicht vor mir und schon ist der Anflug von schlechtem Gewissen verschwunden.


Zweifellos könnte man sagen dass ich doch ziemlich eifersüchtig bin für jemand, der von sich behauptet, dies eben nicht (mehr) zu sein. Nach all den Erlebnissen mit diesem Thema würde ich sagen, dass es nicht möglich ist, niemals eifersüchtig zu sein. Aber Eifersucht wächst häufig aus einer Art Misstrauen dem Partner oder einer Drittperson gegenüber. Oder weil man unsicher ist und sich von anderen hübschen Frauen bedroht fühlt. Oder aber weil man selber etwas auf dem Kerbholz hat und das schlechte Gewissen auf den Partner projiziert. Was auch immer der Grund ist: Eifersucht ist echt nichts Schönes und im Grunde sehr nervig und unattraktiv. Ich habe mich selbst nicht mehr wiedererkannt, als ich wegen Lea und Ivana so ausgetickt bin. Ich war wie eine Furie und konnte nichts dagegen unternehmen, weil ich mir einredete einen triftigen Grund für meine Eifersucht zu haben. Bei Lea waren es die Nachrichten, bei Ivana das Wissen, dass sie schon lange ein Auge auf Tom geworfen hat. Aber im Nachhinein war das eigentlich idiotisch. Was eine Drittperson beabsichtigt sollte eigentlich keine Rolle spielen, weil es einzig und alleine darauf ankommt, wie der Partner reagiert. Klar, Tom hat meine Bedenken mit seinen schrägen Nachrichten an Lea und seinem Gefallen an privaten Ausflügen mit Ivana nicht wirklich zerstreut. Doch ich bezweifle sehr stark, dass er auch nur ansatzweise im Sinn gehabt hat, mich mit einer der beiden zu betrügen. Vielleicht hat es ihm einfach geschmeichelt, dass die beiden Frauen ihn toll finden. Nichtsdestotrotz hat alles seine Grenzen und ich sträube mich dagegen, mit anderen Frauen auch nur im geringsten konkurrieren zu müssen. Man muss aber schon differenzieren. Es macht mir zum Beispiel nichts aus, wenn Tom einem kurzen Rock hinterherschaut. Das machen die meisten Männer, wie ich hier schon relativ ausführlich erörtert habe. In so einer Situation finde ich Eifersucht etwas übertrieben. Freundschaften mit anderen Frauen sind ja auch völlig ok. Solange es normale Freundschaften sind und nicht einer der beiden eigentlich mehr im Sinn hat. Dann nämlich endet zum Beispiel ein Tor bei einem Hockeyspiel plötzlich in einer Umarmung. Und die Hitze des Moments steigt ihr zu Kopf und sie gibt meinem Freund einen Kuss. Und dann ist das Chaos komplett, auch wenn er in dem Moment nichts dafür kann. Dann nämlich muss er sich entscheiden, ob er den Kontakt mit ihr wirklich noch aufrecht erhalten will oder nicht. Und ob er mir davon erzählt oder lieber nicht. Es läuft also darauf hinaus, dass solche Situationen oft von potentiellen Konkurrenten ausgehen und die Art und Weise, wie sich der Partner ihnen gegenüber verhält, ausschlaggebend ist. Man kann seinem Freund noch so viel Vertrauen entgegenbringen, wenn eine solche Situation eingetreten ist, dann kommt das nicht von jetzt auf gleich, sondern der Freund hat offenbar ein wenig mit dem Feuer gespielt und sich daran verbrannt. Ob wissentlich oder nicht spielt nach Eintreten einer solchen Situation eine ziemlich nebensächliche Rolle. Natürlich gilt dasselbe auch umgekehrt. Und ich habe mich selber schon zu oft verbrannt, weil ich mit Typen den Kontakt aufrecht erhalten habe, obwohl ich genau wusste, dass sie mehr im Sinn hatten. Ich wollte einfach meine tägliche Ration Komplimente einsacken und ausserdem war es auch ein bisschen aufregend, auch wenn ich selber nichts böses im Sinn hatte. Und genau das führte zu vielen Diskussionen und Streitereien mit meinen Exfreunden und sogar einem Seitensprung meinerseits. Heute kann ich über mein damaliges Ich nur den Kopf schütteln. Ich war wirklich egoistisch und meine Exfreunde waren absolut im Recht, mir die Leviten zu lesen. Habe daraus gelernt, dass ich den Kontakt zum anderen Geschlecht auf ein Minimum reduziere, solange ich in einer Beziehung bin. Alles andere ist unfair meinem Partner gegenüber und kann irgendwann zu einer Situation führen, wo alles komplett aus dem Ruder läuft. Auch wenn man das eigentlich gar nicht will. Und genau das kann ich den Mädels als Rat mitgeben: Lasst den Kontakt zu anderen Typen einfach sein. Ihr wollt ja auch nicht, dass euer Freund das mit anderen Frauen macht. Männer halten meistens sowieso nur den Kontakt aufrecht, weil sie euch ins Bett kriegen wollen. Klingt hart, ist aber so. Und die können teilweise jahrelang hartnäckig bleiben und sich von Zeit zu Zeit mal melden um zu checken, ob ihr eventuell zu haben seid. Ich weiss wirklich, wovon ich rede. Habe selber ziemlich viele solche Männer in meiner Kontaktliste.

Ein bisschen Eifersucht in der Beziehung kann aber kaum schaden, solange es spielerisch bleibt und nicht immer in einem Drama endet. À la "Hey, für jede Sekunde, der du jetzt der hübschen Blondine nachgeschaut hast, kriege ich heute 10 Minuten Massage". Einfach ein kleiner Seitenhieb. Wie sagt man so schön "Man kann sich auswärts Appetit holen aber gegessen wird zu Hause". Etwas Lockerheit mit dem Thema dürfte der Beziehung sogar Aufwind verschaffen, denn es zeigt dem Anderen doch auch ein Stück weit, dass man ihn nicht kampflos aufgeben würde. Wenn es aber zu viel wird und der eine Partner mit dem Thema gelassener umgehen kann als der andere, dann muss man darüber reden. Eifersucht ist nichts, was man einfach so mal ignorieren kann, wenn man das Gefühl kriegt, dass der Partner sich dem anderen Geschlecht gegenüber zu locker verhält. Auch wenn die Anlässe grösstenteils harmlos sind. Das hat mit der eigenen Unsicherheit zu tun, die man nicht ohne Weiteres einfach abstellen kann. Und man will so die Beziehung schützen, auch wenn ein Eifersuchts-Drama-Anfall wohl eher im Gegenteil resultieren dürfte. Vielleicht sollte man dieses Thema in den allgemeinen Fragekatalog vom Beziehungsanfang aufnehmen. "Was machst du in deiner Freizeit?" "Was ist dein Lieblingsessen?" "Wann bist du eifersüchtig?". Das ist schliesslich ein ziemlich wichtiges Thema und wenn hier die Meinungen zu weit auseinandergehen, dann könnte das schon ein Hinweis darauf sein, dass die Beziehung nicht lange halten kann. Oder man sieht es als Chance die eigenen Verbohrtheiten mal zu hinterfragen.

Giulia, meine beste Freundin, gehörte früher zu den eifersüchtigsten Frauen, die ich kenne. Sie war damals noch mit ihrem Ex-Partner verheiratet und wurde rasend, wenn eine andere Frau es nur wagte in seine Richtung zu blicken oder - Gott bewahre - ihn sogar ansprach. Sogar vor ihren eigenen Freundinnen machte ihre Eifersucht nicht Halt. Bei einem Freunde-Abend haben wir alle zusammen Tischfussball gespielt. Und ich war mit ihrem Mann in einem Team und habe ihm nach einem Tor ein High Five gegeben. Ihrem Blick zufolge hätte ich das auf keinen Fall tun dürfen, sie war auf 180. Ich glaube, ihre Eifersucht kam hauptsächlich von der Tatsache, dass sie selber absolut treu war und nicht mal mit anderen Männern geredet hat. Im Ausgang hat sie jedem Mann, der auch nur in ihre Richtung geblickt hat, den Ehering vorgehalten und sich dann weggedreht. Daher hat sie wohl von sich auf ihren Mann geschlossen und dasselbe auch von ihm erwartet. Bei ihr stimmte der Spruch "Eifersucht ist die kleine Schwester der Treue" absolut. Heute ist Giulia schon seit Jahren mit ihrem Freund Peter zusammen und hat echt an sich gearbeitet. Sie hat es zwar nach wie vor überhaupt nicht gern, wenn Peter etwas mit anderen Frauen unternimmt oder einer anderen Frau hinterherguckt, sie geht aber viel entspannter mit dem Thema um. Vielleicht auch deshalb, weil Peter ihr keinen Anlass gibt, eifersüchtig zu werden und selber ziemlich locker mit diesem Thema umgeht. Sie vertraut ihm und auch wenn es teilweise schwierig ist, in gewissen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, gibt sie sich extreme Mühe. Das merkt auch Peter und drückt daher auch gerne ein Auge zu, falls es doch irgendwann zu viel für Giulia wird und sie ihm eine Szene macht. Ganz abstellen lässt ich die Eifersucht nicht aber das ist ja auch gut so. Ein kleines Bisschen schadet nicht. Aber schlussendlich kommt es ganz darauf an, wie die Partner mit potentiellen Konkurrenten umgehen. Und nicht vergessen: Du und dein Freund wollt miteinander in einer Beziehung leben, ihr müsst nicht. Solange ihr das beide deutlich vor Augen habt, sollte es kein Problem sein, die Eifersucht des Partners nicht absichtlich herauszufordern. Und wenn doch, tja dann muss man halt mit den Konsequenzen leben können.

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