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  • Lilly

Er ist einfach zu gross für mich

Wer unter der Rubrik “about me” über mein Leben gelesen hat, wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich das Thema Sex so gut wie nicht angesprochen habe und auch nicht über alle meiner eingangs erwähnten 15 Typen +/- 5 erzählt habe. Darüber wollte ich separat schreiben, damit auch diejenigen mitlesen können, die sich nicht durch meine halbe leidige Lebensgeschichte gekämpft haben.  Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass Sex ungeheuer wichtig ist. Aber man muss ihn richtig angehen, sonst klappt es nicht.  In meinem Fall hatte ich ein filmreifes, romantisches erstes Mal mit Marco, meiner ersten grossen Liebe. Aber so romantisch es war. Die Versuche davor waren alles andere als romantisch und wir haben grösstenteils einfach versucht, ihn reinzustecken. Ohne gross Trara. Das erste Mal war also quasi der Ausreisser dieser unromantischen Serie.  Meine Freundinnen hatten teils auf einer Autorückbank oder irgendwo nach einer Party ihr erstes Mal. Wie wir Ladies halt so sind, tauschen wir uns über alles aus. Und so erfuhr ich vor ein paar Jahren, dass alle heute ein tolles Sexleben haben. Während ich damals in der Beziehung mit Ashif gefangen war, verdammt dazu gar keinen oder extrem schlechten Sex zu haben.  Also begann ich mich zu fragen, ob man aufgrund des ersten Mals auf sein späteres Sexleben schliessen kann? Ich meine, alle hatten ein beschissenes erstes Mal und dann wurde es besser. Bei mir war es umgekehrt. Wäre mal eine Studie wert. Aber ich glaube nicht, dass es da einen Zusammenhang gibt.

Ich sehe den Zusammenhang eher bei einer gewissen fatalen Denkweise von gewissen Frauen, mir eingeschlossen: Das kommt ganz von alleine und man muss sich für guten Sex nicht sonderlich anstrengen. Ausserdem gehört Sex halt dazu und ist quasi einfach eine Notwendigkeit. Du wirst jetzt vielleicht den Kopf schütteln und denken, dass sei völliger Schwachsinn. Logisch ist es völlig idiotisch! Aber ich habe das tatsächlich gedacht und hier ist der Grund dafür:

Ich war bei meinem ersten Mal 15, schwer verliebt und hatte meine Vorstellungen, dass ich mit Marco mein Leben lang zusammen sein würde. Ich malte mir sogar aus, wie wir mit 40 an ein Klassentreffen gehen würden und alle meinen Ehering begutachten und uns beglückwünschen würden.  Dass wir unser erstes Mal teilten, war also eigentlich ja nur Teil des Plans, oder?  Es war schön mit ihm. Und es kam mir nicht mal im Traum in Sinn, einen Orgasmus vorzutäuschen.  Aber als es nach anderthalb Jahren eben doch nicht zur Hochzeit und dem erwünschten Happy End, sondern zu einer Trennung kam, hatte ich erst mal die Schnauze voll und brauchte ein paar Monate, um mich von diesem harten Rückschlag zu erholen.  Danach rappelte ich mich auf, klopfte den Staub von meinen Höschen und ging raus in die Welt.  Flirten konnte ich und dadurch, dass ich jahrelang mit dem Fahrrad zur Schule gegangen bin, war meine Figur mehr als annehmbar. Ich wusste das und machte mir einen Spass draus, Jungs den Kopf zu verdrehen.  Und ich geizte nicht, wenn es darum ging, mit Jungs ins Bett zu gehen. Allerdings war ich nicht die Femme Fatale, die Männer einfach nur zum Spass mitnimmt und ihnen dann den Laufpass gibt. Ich war eher der hoffnungslose Fall, der sich nach einer Nacht in den Kerl verliebt und dann versucht, darauf eine Beziehung aufzubauen.  Und der Sex war auch jeweils nur die ersten paar Male gut. Danach flaute es meist ziemlich schnell ab, ich hatte keine Lust mehr und wenn es dazu kam, täuschte ich oft meine Orgasmen vor. Mit anderen Worten verlor ich ziemlich schnell das Interesse an Sex mit demselben Partner.  Das war natürlich ziemlich schlecht für meine langjährigen Beziehungen. Nach spätestens einem Jahr war ich meist wieder in dem Stadium gefangen, keine Lust auf Sex zu haben, mich aber permanent innerlich zu beschweren, dass im Bett einfach Flaute war. Ein richtiger Teufelskreis.  Dazu kamen die Schmerzen. Bei Flo war es ziemlich ausgeprägt. Ich dachte einfach, er wäre zu gross für mich. Ich ging deswegen sogar zum Arzt. Dessen Befund war, dass es an mir und in meiner Psyche liegt. Ich glaubte ihm nicht und biss tapfer weiterhin die Zähne zusammen, wenn es denn ab und an zu dem seltenen Ereignis kam.  Als die Beziehung mit Flo vorbei war und ich mit den darauffolgenden Männern im Bett landete, merkte ich, wie ich absolut keine Probleme bezüglich Schmerzen hatte. An der Grösse lag es also definitiv nicht. Es lag eher daran, dass es wieder aufregend war. Etwas Neues, Unbekanntes. Ich war wieder im Stimmung. Und auch mit Ashif (meiner letzten langjährigen Beziehung) war es anfangs toll. Aufregend. Aber sobald die Routine sich einschlich und wir uns gegenseitig in- und auswendig kannten, war es vorbei mit der Stimmung bei mir. Ich hatte wieder keine Lust auf Sex, täuschte fast sämtliche Orgasmen vor und bemitleidete mich im Stillen selbst.  Natürlich habe ich auch mit Ashif darüber gesprochen und ihm gesagt, dass ich die körperliche Nähe und Intimität vermisse. Aber zu diesem Zeitpunkt war der Zug bereits abgefahren und unsere Beziehung hatte bereits ein Ablaufdatum. Das Thema Sex war einfach nur ein weiterer Punkt auf einer sehr langen Liste von Dingen, die überhaupt nicht stimmten. Woran lag es denn nun, dass ich immer nach kurzer Zeit keine Lust auf Sex mehr hatte? Lag es daran, dass die Männer mir äusserlich nicht zusagten? Bei Flo zum Beispiel war es so. Bei Ashif war es ganz anders, er entsprach genau dem, was ich anziehend fand. Dann nahm er wegen seinem Alkoholverbrauch um die 30 kg zu und es war vorbei mit der Anziehungskraft.  Also hat es vermutlich doch etwas mit der äusserlichen Erscheinung zu tun. Und da kann man mir noch lange sagen, dass das oberflächlich und verwerflich sei. Ich hatte eine 5 Jahre dauernde Beziehung mit Flo, der mir optisch eigentlich gar nicht wirklich gefiel. Aber seinen Charakter fand ich toll. Aber gebracht hat mir sein Charakter im Bett nichts.  Also halte ich fest: Äusserlichkeiten sind doch wichtig und ich werde mich nicht mehr damit aufhalten, mit jemandem eine langfristige Beziehung anzufangen, wenn mir das Optische nicht gefällt. Sorry to say, aber wenn man schon anfangs durch die rosa Brille feststellt, dass der Partner optisch nicht das Gelbe vom Ei ist, dann kann das auf lange Sicht nichts werden.  Und ich spreche hier nicht davon, dass nur Modeltypen in Frage kommen. Schönheit liegt schliesslich im Auge des Betrachters. Man muss einfach wissen, was man anziehend findet und dies als ein Kriterium für die mögliche Beziehung festlegen. Das kann aber nicht der einzige Grund für meine Lustlosigkeit sein. Ich habe über dieses Thema sehr lange nachgedacht und konnte die einzelnen Beziehungen und Affären nach Jahren des Abstands viel objektiver betrachten. Und eine Gemeinsamkeit ist mir aufgefallen: Wenn es zum Sex kam, dann lag der Fokus bei IHM. Ich wollte, dass es für ihn toll ist, ich wollte ihm gefallen und hab mich teilweise verrenkt, um ihm ein tolles Erlebnis zu bereiten.  Und was ist mit mir? Ich habe mich und meine Bedürfnisse einfach vergessen. Das lag wohl auch an meiner verkorksten Einstellung. Für mich war ab meinem ersten Mal klar, dass Sex zu einer Beziehung gehört und ein wichtiger Bestandteil ist. Marco und ich hatten sogar die Routine von Begrüssungs-Sex, der auch jedes Mal richtig gut war. Das hatte ich später nie wieder. Hauptsächlich darum, weil ich entweder nicht lange genug mit dem Typen zusammen war oder zu schnell mit ihm zusammengezogen bin.  Und hinzu kamen die vorgetäuschten Orgasmen. Weshalb tat ich das überhaupt? Das war doch völlig kontraproduktiv?! Die Antwort lautet: Ich habe keine Ahnung. Ich tat es einfach. Sex wurde für mich zu so was wie einer Pflichtübung. Es gab Momente der Leidenschaft aber es kam nur sehr selten vor, dass diese Leidenschaft länger als eine halbe Minute dauerte. Danach übernahm wieder mein Kopf und ich überlegte mir unerotische Sachen wie: Wenn wir uns jetzt gleich ausziehen, dann könnten wir es in 5 Minuten hinter uns bringen. Aber mich auszuziehen ist so mühsam. Ich könnte doch einfach nur etwas Handarbeit vorlegen, damit er Ruhe gibt.  Versteh mich nicht falsch. Ich gebe meinen Partnern keine Schuld daran – das war MEINE Einstellung und MEIN Problem. Schliesslich habe ich den Fokus bewusst von mir weggelenkt. Und damit völlig vergessen, dass ich auch meine Bedürfnisse habe.  Und je länger die Beziehung so andauerte, desto mehr wurde mir jeweils bewusst, dass ich unglücklich war und mir der Sex fehlte. An meiner Einstellung wollte ich aber aus irgendeinem Grund nichts ändern. So und nun habe ich aus meiner objektiven Betrachtung meiner missglückten Beziehungen und zahlreichen One-Night-Stands eine Liste mit Punkten erstellt, die für mich persönlich in Bezug auf ein funktionierendes Sexleben unerlässlich sind. Erstens: Ich habe ich mir einen Mann ausgesucht, der optisch für mich passt. Das wäre dann Tom. Und um Vorurteilen entgegenzuwirken: Er sieht nicht wie ein Model aus. Objektiv betrachtet wirkt er schmächtig und unauffällig. Er könnte der perfekte Statist in einem Film sein – er würde niemanden vom Hauptdarsteller ablenken. Er ist ein paar Zentimeter grösser als ich und seinen Kleidungsstil würde ich als “Hauptsache ich laufe nicht nackt rum” bezeichnen.  Ich finde aber seine sanften braunen Augen toll, dass er wider Erwarten sehr starke Arme und einen ziemlich süssen Hintern hat und dass er, auch wenn er ein paar Kilo zulegen würde, immer noch eine sehr gute Statur hat. Er hat sehr weiche Lippen und weiss, wie damit umzugehen ist. Er trägt einen Vollbart, was ihn männlicher erscheinen lässt. Würde er den Bart rasieren, sähe er aus wie 12. Daher bat ich ihn, sich bitte bitte nicht zu rasieren und er willigte lachend ein. Ist schliesslich ziemlich viel Arbeit, sich alle 2-3 Tage zu rasieren und er gehört nicht zu der Sorte Mensch, die sich gerne mit Dingen wie einer Rasur aufhält. Er ist ein geschickter Handwerker und Gärtner und ich liebe es ihm dabei zuzusehen, wie er draussen im Garten was anpflanzt oder die Beete umwälzt. Oder wenn er ein Bild aufhängt. Oder eine Lampe montiert.  Er war früher Schwimmer, was seine breiten Schultern erklärt. Die sind richtig toll zum Anlehnen.  Über den Kleidergeschmack lässt sich streiten und ich konnte ihn davon überzeugen, dass mit einer gut sitzenden Jeans, sauberen Sneakers und irgendeinem nicht zu schäbig aussehenden T-Shirt 90% eines gut aussehenden Looks geschaffen ist. Männer haben es so einfach!  Einzelne Dinge, wie der Kleidungsstil, lassen sich leicht ändern (falls er denn einverstanden ist), einige Dinge nicht. Tom hat beispielsweise ein Problem mit dem Haarwuchs. Anfang 20 hatte er mehr Haare als Gesicht. Und heute hat er nur noch ganz spärliche Haare auf dem Kopf. Immer noch relativ lang, aber oben in der Mitte wächst nichts mehr. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem er seine verbliebenen feinen Haare nur noch abrasieren kann. Aber das ist etwas, was mich nicht stört. Genausowenig würden mich Falten oder weisse Haare stören. Das gehört zum Alterungsprozess. Ich werde ja auch nicht jünger und werde froh sein, wenn er nicht beim ersten Anzeichen von Falten gleich davonrennt und mich durch ein 20 Jahre jüngeres Modell eintauscht. 

Was mich aber zum Beispiel stören würde, wären schlechte Zähne, wenn er kleiner als ich wäre (Standard, ich weiss, aber trotzdem..), eine zu grosse Körperfülle oder "tote" Augen hätte. Letzeres finde ich sehr wichtig. Die Augen. Wenn die nichts ausstrahlen, kann das nichts werden. Alles Dinge, die man nicht ändern kann und die unweigerlich dazu führen, dass das keine Beziehung werden kann. Punkt. Was ich sagen will ist, dass ich angefangen habe, das Aussehen des potentiellen Partners genauer unter die Lupe zu nehmen und mir von Anfang an klar mache, was mir nicht gefällt und ob man das unter Umständen ändern kann. Schliesslich müssen wir Frauen davon ausgehen, dass die Männer das bei uns auch so machen. Und ich spreche hier auch nur von Situationen, wenn man wirklich auf der Suche nach einer langfristigen Partnerschaft ist. Bei einem One-Night-Stand ist es mir doch egal, wenn er ein paar kg zu viel auf den Rippen hat oder 10 cm kleiner als ich ist. Zähne und Augen... Nein, auf keinen Fall, nicht mal bei einem One-Night-Stand mit Licht aus wäre mir das egal!

Natürlich ist das Aussehen nicht alles. Es gehört schon wesentlich mehr zu einer langfristigen Beziehung. Aber das Aussehen ist das Erste, was man am Anderen registriert und was man mit seinen Vorstellungen abgleichen kann. Und schliesslich schläft man ja nicht mit seinem Charakter, sondern mit seinem Aussehen. Das kann man drehen und wenden wie man will.  Schlussendlich möchte möchte ich einfach voller Stolz sagen können, dass das mein Freund ist und dass er für mich der Schönste ist. Solange ich mir nichts vormache und er das mitbringt, was für mich wichtig ist, dann kann ich auch ein Leben lang hinter ihm stehen und muss mir zumindest ums Aussehen keine Sorgen mehr machen. Und in Bezug auf das Thema Sex ist es überflüssig zu erwähnen, dass ein Mann, der mir optisch gut gefällt, mich viel eher heiss machen kann als jemand, der “zwar nicht gut aussieht, aber ganz nett” ist. 


Das heisst aber im Umkehrschluss, dass ich auch zu ihm passen sollte, sonst wird er früher oder später den Abgang machen. Heisst, ich muss auch etwas dafür tun. Wir Frauen haben es da zum Glück relativ einfach, wenn man etwas Wesentliches kapiert hat: Männer stehen auf selbstbewusste Frauen. Der absolute Ober-Abturner für Männer sind Frauen, die permanent an sich rummäkeln und ihrem Freund dauernd sagen, wie fett sie sich fühlen, und wie hässlich ihre Beine sind und wie unwohl sie sich mit dem Muttermal auf ihrer rechten Pobacke fühlen. Männer machen sich darüber absolut NULL Gedanken, glaub mir das. Wenn man als Frau sagen kann "Das bin ich, so sehe ich aus und so finde ich mich schön" ist das für einen Mann wie ein Aphrodisiakum. Männer lieben es, wenn sich Frauen ihrer weiblicher Vorzüge bewusst sind und sie einzusetzen wissen. Einfach selbstbewusst sind. Und auch wenn man keine nennenswerten Brüste hat, ein ausladendes Becken, kurze Beine und Speckröllchen am Bauch. Na und? Das ist ein Problem, das wir uns selber einreden und das uns hemmt. Und Hemmungen im Schlafzimmer sind ziemlich kontraproduktiv. Also habe ich für mich beschlossen, dass ich mich so schön finde, wie ich bin. Und wenn mich was stört, dann ändere ich es oder ich akzeptiere es einfach.

Hat bisher einwandfrei funktioniert, ich habe allerdings auch mittlerweile jahrelange Übung darin. Früher bin ich in Tränen ausgebrochen, wenn ich ein halbes Kilo zugenommen habe. In den letzten zwei Jahren habe ich meine durch übermässigen Alkoholkonsum und falsche Ernährung angefutterten 14 kg wieder abgespeckt. Weil es mich gestört hat. Jetzt nicht mehr. Tom zumindest findet meine Kurven toll, da sind wir schon zwei. Zweitens: Ich versuche, Sex nicht mehr als Pflichtübung anzusehen. Wenn ich keine Lust habe, habe ich keine Lust und Basta. Ich habe aufgehört, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich mal wieder die Spassbremse bin. Auf das schlechte Gewissen folgt nämlich immer nur der Drang, es ihm recht zu machen, damit er nicht unglücklich ist. Sei es, Hand anzulegen oder ihn einfach nur gewähren zu lassen. Fakt ist: Es gehören zwei dazu und er darf sich ruhig ein wenig anstrengen, um an die Schatztruhe zu kommen. Ich habe nämlich in den Jahren meiner Beziehungen und Affären etwas Interessantes bemerkt: Wenn man es den Männern zu leicht macht, dann werden sie früher oder später zu Pavianen, die, wenn sie grade Bock haben, einfach mal drübersteigen und gut ist. Und das kann ich ihnen nicht mal übel nehmen, schliesslich habe ich das mit mir machen lassen! Und ein Mann wird immer den Weg mit dem geringsten Widerstand gehen. Wie ein Faultier. Männer haben es evolutionsbedingt sowieso in ihren Genen, sich so schnell wie möglich mit so vielen Weibchen wie möglich zu paaren. Dass sie sich in einer bestehenden Beziehung nicht mehr die grösste Mühe geben, ist verständlich. Aber deswegen nicht einfach hinzunehmen!  Tom zum Beispiel hat nach ein paar Monaten unserer Beziehung eine komische Angewohnheit angefangen. Man nehme folgende Situation: Wir kuscheln auf dem Sofa und gucken irgendeinen Film. Er fängt langsam an, mich zu streicheln. Ich finde es nicht unangenehm und kuschle mich enger an ihn. Plötzlich, wie aus dem nichts, habe ich seine Hand zwischen meinen Beinen. Und er glaubt tatsächlich, das würde mich heiss machen. Im Gegenteil: Meine Stimmung war jedes Mal und ohne Ausnahme sofort im Keller. Ich meine, hallo geht’s noch? Hätten wir keine Kleider angehabt, hätte er ihn einfach reingesteckt oder was? Ich bin doch keine Gummipuppe, die man nach Lust und Laune begrapschen kann. Und das war nichts anderes als Begrapschen, so leid es mir tut.  Ich machte ihm ziemlich schnell klar, dass, falls er jemals wieder Sex mit mir wollte, er sich eine andere Strategie aussuchen sollte, als einfach mal zwischen meine Beine zu fassen.  Er musste selber lachen und gestand sich ein, dass das nicht unbedingt die sensibelste Art und Weise war, mich in Stimmung zu bringen. Nach dieser kleinen Auseinandersetzung hat er sich das wirklich zu Herzen genommen und meistens fängt er an mit kleinen Küssen, oder einem anzüglichen Grinsen oder einer Nackenmassage. Wir haben es sogar mal geschafft, während dem Wandern irgendwo im Wald übereinander herzufallen. Das war aufregend aber die Wanderwege waren für meinen Geschmack definitiv zu nahe an unserem Versteck. Spass gemacht hat's aber trotzdem. 

Um zum Thema zurückzukommen: Auch nach Jahren in einer Beziehung kann ich ja wohl erwarten, dass sich der Göttergatte ruhig mal etwas einfallen lassen kann. Seien es Blumen, ein selbst gekochtes Essen oder einfach mal ein netter Abend zu zweit beim Billarden, wo er dann den Ausblick auf meinen sagenhaften Hintern geniessen kann, während ich versuche die Bälle zu treffen. Man kann grundsätzlich überall in Stimmung kommen, aber es braucht (wenigstens bei mir) ein ganzes Stück Arbeit, um dieses Knistern aufrecht zu erhalten. Natürlich darf ich mich auch mal anstrengen. Ich scheue mich beispielsweise nicht davor, ihm einfach mal nur mit einem knappen Höschen bekleidet ein Sandwich an den PC zu bringen und dann mit laszivem Lächeln wieder zu verschwinden.

Blöd nur, wenn er dann diesen Wink mit dem Zaunpfahl nicht kapiert und einfach das Sandwich verputzt und weiterzockt..

Und nein, danach hatte ich definitiv keine Lust mehr. Drittens: Ich lasse erst ihn arbeiten, danach gibt es von mir die Belohnung. Klingt vielleicht egoistisch aber ich habe durchaus eine Logik dahinter.  Tom zum Beispiel gehört zu den Männern, die nicht mehrere Male an einem Tag Sex haben können. Wenn er fertig ist, ist auch gleichzeitig Schluss mit Sex für diesen Tag. Und ich denke ich muss nicht ausführen, wie sehr Männer nach dem Orgasmus innert Millisekunden ihr Interesse an Sex verlieren. Also ist das einer der Gründe, weshalb ich ihn zuerst “arbeiten” lasse.  Der zweite Grund ist, dass es ihn heisser macht, wenn er an mir spielen darf. Die meisten Männer reagieren extrem auf die Körperreaktionen von Frauen. So auch Tom. Und ich wiederum geniesse seine Reaktion und so haben wir einen positiven Endloseffekt geschaffen.  Der dritte Grund ist eher rationaler Natur. Sagen wir mal, je besser geölt das Schloss zur Schatztruhe ist, desto besser lässt sich mit dem Schlüssel hantieren. Kapiert?  Mit Flo hatte ich immer solche Schmerzen, weil da gar nichts eingeölt war. Nicht im Geringsten. Auch Gleitmittel und Kondome mit Gleitgel haben nicht länger als ein paar Minuten geholfen.  Und das beste Gleitmittel ist nun mal das körpereigene. Schmerzen beim Sex können wirklich alles kaputtmachen und die Lust darauf komplett zerstören. Das ist nichts, was man leichtfertig abtun sollte. Mich hat es jahrelang fertiggemacht. Ich dachte einfach, dass ich zu eng sei, dass es halt nicht ohne Schmerzen ginge und dass ich es halt ertragen muss.  Daher mein Tipp an alle, die dasselbe Problem durchmachen: Lasst euch von eurem Partner verwöhnen und geniesst den Moment. Vor allem wenn ihr nicht zu der Sorte Frau gehört, die man mal kurz berührt und schon hat sie einen Orgasmus. Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man eben länger dafür braucht. Und sich der Partner etwas anstrengen muss. Schlussendlich kommt es beiden zugute und er hat auch seinen Spass. Und wenn er keinen Spass dabei hat und sich darüber beschwert, ist es wohl oder übel nicht der richtige Partner fürs Leben. Wer will schon bis ans Lebensende einen maulenden Mann unter der Bettdecke haben, der sich mal wieder darüber beschwert, dass er zu lange mit der Schatztruhe spielen muss?  Und dass man zu eng ist, bezweifle ich ebenfalls beim grössten Teil der Frauen.  Nach meiner Trennung mit Flo hat er mir Monate später erzählt, dass er eine Asiatin kennengelernt hat und mit ihr im Bett gelandet ist. Er meinte, sie sei so eng gewesen, dass er das Gefühl hatte, etwas kaputt zu machen. Sie hätte aber überhaupt nicht den Anschein erweckt, als hätte sie Schmerzen gehabt. Und nach Jahren mit mir war er sehr auf “Frau hat Schmerzen beim Sex” eingestellt.  Und schlussendlich ist der weibliche Körper darauf eingestellt, ein Kind da durchzupressen. Klar, unter Schmerzen. Aber du weisst, worauf ich hinaus will. “Zu eng” wird also in den wenigsten Fällen auch tatsächlich der Fall sein.  Nach Jahren des Abstands muss ich sagen, dass mein Arzt damals doch Recht hatte und dass es an mir und meinem Kopf lag. Und da ich zu der Sorte Frau gehört, die halt etwas länger hat, schadet es sicherlich nicht, wenn er sich zuerst anstrengt und ich dabei auch gleich meinen Kopf ausschalten kann.


Viertens (da wir grade beim Thema sind): Ich schalte meinen Kopf aus. Das ist schwieriger als es klingt. Von Natur aus bin ich eigentlich ein richtiger Kopfmensch, der sich alles erst 48 Mal überlegt und das Hirn nie ausschalten kann. Ausser es geht darum, mit der neuen Flamme zusammenzuziehen. Da muss ich meistens überhaupt nicht überlegen. Hmm... vielleicht bin ein Kopfmensch mit regelmässigen Emotionsausbrüchen. Egal. Ich hatte schon immer das Problem, einfach an nichts denken zu können. Welche Frau schafft das schon, bitteschön?! Ok, vielleicht gibt es welche, aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich weiss nicht mal wie es geht, an nichts zu denken. Was sehen andere dann? Eine schwarze Leere? Ein Schwarm Vögel am indigoblauen Himmel? Schafe, die über Zäune springen?

Ich kann das halt nicht und wenn meine Ex-Partner Sex wollten und ich aber eigentlich den Kopf voller anderer Dinge hatte, dann hatten sie ganz schlechte Karten. Ich wollte ja eigentlich schon Sex. Aber halt nur dann, wenn ich grade den Kopf frei hatte. Wenn der Partner dann nicht sofort drauf angesprungen ist, gab es halt lange Zeit keinen Sex. Bis zu meinem nächsten Kopf-aus Moment, wo er hoffentlich nicht nochmal nein sagte. Und das zog sich über Jahre so..!

Mittlerweile habe auch ich gelernt, dass den Kopf freischalten unerlässlich für guten Sex ist. Schliesslich tue ich meiner Stimmung absolut keinen Gefallen, wenn er sich grade unter der Bettdecke abmüht und einen Knoten in der Zunge kriegt, und ich mich frage, ob ich erst die 30-er oder die 60-er Wäsche machen soll, wenn wir fertig sind.

Und den Kopf freischalten bringt auch körperlich was. So kann ich mich mehr auf meine Sinne konzentrieren und einfach nur geniessen. Und meiner Erfahrung nach gibt es kaum etwas, das einen Mann mehr heiss macht, als wenn man als Frau einfach nur geniesst und auf seine Liebkosungen körperlich reagiert. Tom ist ganz verrückt danach. Deshalb harmonieren wir ziemlich gut im Bett. Ich lasse mich gern verwöhnen und er verwöhnt gern, weil er meine Reaktionen sehen will, der kleine Stalker.

Natürlich vergesse ich Punkt zwei meiner Liste nicht und habe nur noch dann Sex, wenn ich auch tatsächlich will und den Kopf frei kriege. Es gibt Momente, wo ich einfach den Kopf nicht freikriegen WILL und daher auch überhaupt keine Lust auf Sex habe. Er hat das dann zu akzeptieren und basta. Funktioniert eigentlich ganz gut mit Tom. Allerdings hat er das auch schon gegen mich verwendet und gemeint, ER hätte jetzt keine Lust. Tss. Auch ok für mich. Ich habe meine Spielzeuge.. Und er gehört ja zum Glück nicht zu der Sorte Mann, die sich durch einen Vibrator entmannt und nutzlos fühlen. Ashif war so einer. Ich durfte nicht an mir selber spielen, das hat ihn total abgetörnt und er sah dann den Sinn nicht, dass er auch noch schuften solle. Vollidiot. Dabei sind Spielzeuge ja eher förderlich als hinderlich und ich habe bemerkt, dass man sehr gut Spielzeuge mit einbauen kann. Was mich zu Punkt 5 meiner Liste bringt.


Fünftens: Abwechslung schaffen. Wie todlangweilig kann es denn bitteschön sein, wenn man alle drei Monate mal den obligatorischen Sex in der Missionarsstellung hat? Man muss ja nicht gleich das ganze Kamasutra durchprobieren, aber etwas Abwechslung darf ruhig sein. Und da habe ich so einiges an Phantasie. Ich gehöre zwar nicht zu den biegsamsten Menschen, aber ich gebe mein Bestes. Ausserdem mache ich einfach, was mir grade einfällt. Tom ist immer mit Begeisterung dabei, egal worum es geht. Ausser, ich will ihm eine Gurke in den Allerwertesten stecken. Da macht er nicht mit. Er steht ja total auf "behind", unsere Metapher für anal. Meine rationale Argumentation, dass er gerne so oft an "mein Hintertürchen" kann wie er will, solange er weiss, wie sich das anfühlt, lässt ihn dabei aber völlig kalt. Auch anderes Gemüse kommt nicht in Frage. Hmm. Hält ihn aber nicht davon ab, jedes Mal hoffnungsvoll einen Versuch zu wagen, der aber meistens von mir mit einem vielsagenden Gurken-Blick abgewiesen wird. Sollte er jemals dahinter kommen, dass ich nur bluffe und er sich mit nur einer Gurke in seinem Allerwertesten ein lebenslanges Behind-Vorrecht sichern kann, bin ich buchstäblich am Arsch. Ok, Scherz beiseite.

Wir haben es ein paar Mal versucht und so schlecht ist es gar nicht. Wenn man weiss, wie. Sonst ist es einfach nur die Hölle. Habe es schon früher versucht. Ein paar Mal mit Flo und dann noch mit Ashif. Und bei keinem war es auch nur annähernd toll. Es war eher schmerzhaft, in meinen Augen total unnötig und eklig.

Und dann kam Mio mit seinen Schwulen-Tipps. Ich meine, wenn man schon 8 Monate mit einem Kollegen vom anderen Ufer zusammen wohnt - wieso sich dann nicht ein paar Tipps vom Profi persönlich holen? Bevor er mir Tipps gab, hat er mich zuerst gefragt, wie wir es gemacht haben und in welcher Stellung. "Von hinten" war wohl nicht die erhoffte Antwort und führte zu sofortigem Augenverdrehen. Ich habe an diesem Abend gelernt, dass ich mir zu wenig Zeit gelassen hatte und in der völlig falschen Stellung angefangen habe. In Mio's Worten habe ich "versucht mit Raucherlunge innert 10 Minuten auf den Mount Everest zu steigen". Aha. Was genau der Mount Everest in diesem Vergleich war, habe ich besser nicht erfragt.

Also, für die, die wissen wollen wie das richtig geht - hier die Tipps vom Meister persönlich. Sie liegt auf dem Rücken und er kniet vor ihr. Ihre Waden legt sie an seine Schultern, so dass er sich vorlehnen kann und sie aussieht, als wäre sie ein Baby, das gerade gewickelt wird. So habe ich mich zumindest gefühlt, fand es aber besser, den Gedanken zwecks Verhinderung eines möglichen Stimmungsumschwungs nicht auszusprechen. Schliesslich habe ich gemäss Mio noch etwas bei den vergangenen Versuchen komplett falsch gemacht: Ich habe mich nicht genug entspannt und den Kopf frei gemacht (schon wieder dieser verdammte Kopf). Also besser auch keine Witze währenddessen machen. Ok.

So, jetzt kann er sich in Stellung bringen und macht dann erstmal GAR NICHTS MEHR. Er hat für die kommenden Minuten nur die Aufgabe, sein bestes Stück stramm und ruhig zu halten. Es liegt an ihr, das Tempo und die Tiefe vorzugeben. Sie muss ihn quasi lediglich in ihrem Tempo komplett rein lassen, dann wieder fast komplett raus und dann geht das so weiter. Bis alles entspannt ist. Dann, und erst dann, ist man laut Mio bereit, sich wie die Pro's in andere Stellungen zu werfen und ihn auch mal das Tempo vorgeben zu lassen.

Was soll ich sagen. Es hat funktioniert. Und es waren ein paar tolle Erlebnisse, die es aber wie einen guten Wein nicht einfach so gibt. Nur zu speziellen Anlässen oder wenn er sich wirklich ins Zeug gelegt hat und ich sowieso grade in Fahrt bin.

Ok, das ist eine Art, ein bisschen Abwechslung ins Schlafzimmer zu bringen. Steffi, eine gute Freundin von mir, ist mittlerweile seit 10 Jahren in einer Beziehung, 5 oder 6 Jahre davon verheiratet. Sie hält die Spannung mit Verkleidungen und Rollenspielen aufrecht. Habe ich mir auch schon überlegt. Müsste aber unweigerlich lachen, wenn ich im sexy Putzfrauen-Outfit, dem Staubwedel und dem fransösischen Accent vor Tom rumhampeln würde. Spielt aber keine Rolle, solange es den Zweck erfüllt.

Ich habe selber erlebt, wie der Sex nach Jahren des Zusammenlebens eine eigene Routine entwickelt. Man landet im Bett und schläft immer wieder nach dem selben Muster miteinander. Erst kommt das, dann macht er das, dann kommt diese Stellung, dann diese und dann die Zigarette danach. Kann man sich ja gleich nur mit dem Vibrator vergnügen, dafür braucht man keinen Mann.

Daher kann man sich ruhig mal was trauen und die alten Muster mit etwas völlig neuem durchbrechen. Solange beide Spass haben, ist es das jede Mühe wert.



Ok, lange Rede, kurzer Sinn: Der Mann muss mir optisch zusagen, mich auch noch nach Jahren attraktiv finden und mir das selbstverständlich zu verstehen geben, dann Sex wollen wenn ich auch will, sich im Bett ausnahmslos erst um mich kümmern, bevor es zur Sache geht, mir Zeit lassen, meinen ständig arbeitenden Kopf abzuschalten, Abwechslung im Bett lieben und offen für Neues sein. Dann funktioniert es im Bett wunderbar....


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Sollte ich jemals wieder Single sein, bin ich erledigt.

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