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  • Lilly

Der Liebeskummer kann mich mal

Mit Liebeskummer hatten wir es alle schon mindestens einmal zu tun. Dieses schreckliche, den Geist zermürbende Gefühl des "Allein-Seins". Oder des "Ich-wurde-zurückgewiesen-Gefühls". Ich hasse es. Wer hasst es schon nicht?

Und vielleicht wirst du gerade jetzt, in eben diesem Moment von diesen Gefühlen aufgefressen. Aber keine Sorge, ich kann dir hier etwas Ablenkung und vielleicht ein paar Tipps bieten, hatte ich doch einige schmerzliche Erfahrungen mit dem Thema. Darüber führte ich natürlich auch x Gespräche unter Freundinnen und hab mir mehr als einmal ihre Geschichten angehört. Ich habe also jede Menge Wissen gesammelt. Und du tust hiermit bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung: Du lenkst dich ab und tust etwas anderes als schmachtend die gemeinsamen Bilder mit dem Verflossenen zu betrachten. Auch wenn es nicht für lange ist. Aber vielleicht zaubert dir dieser Beitrag trotz allem zwischendurch ein kleines Lächeln aufs Gesicht. In diesem Fall: Ziel erreicht.

Alle anderen, die aktuell nicht damit zu kämpfen haben, werden vielleicht die eine oder andere beschriebene Situation kennen und hoffentlich mittlerweile darüber lachen können. Und dass ich heute über mich selber lache ist logisch. Eigentlich war ich ziemlich peinlich unterwegs und habe immer und immer wieder dieselben Fehler begangen. Aber irgendwann habe sogar ich draus gelernt. Lies selber.


Das erste Mal mit Liebeskummer zu kämpfen hatte ich mit 16. Meine erste grosse Liebe Marco hatte mich damals abserviert. Bis heute kann ich über seine Beweggründe nur spekulieren. Ich denke, ich wusste es einmal. Aber da mein Superhirn unliebsame Erinnerungen einfach löschen kann, tappe ich heute darüber im Dunkeln und ich brauche den Grund auch gar nicht wirklich zu kennen. Ist ja schon eine ziemliche Weile her. Woran ich mich aber noch durchaus lebhaft erinnern kann, ist der heftige Liebeskummer, den ich damals durchlitten habe. Ich fühlte mich vollkommen allein gelassen, leer und tieftraurig. Wie hatte es nur so weit kommen können? Gar nichts konnte mich aufheitern und ich zog mich immer mehr von allem und jedem zurück.

Ich weiss noch, die ersten paar Tage waren die Hölle. Plötzlich war da ein riesiges Loch wo vorher Glück und Freude waren. Meine Beziehung war vorbei und ich war plötzlich allein.

Wenn ich nicht am Arbeiten oder in der Berufsschule war, gammelte ich ständig in meinem Zimmer rum und hoffte, dass Marco sich melden würde. Das tat er sogar. Und er schrieb, ihm würde es total beschissen gehen und er wisse nicht mehr wo oben und unten sei. Da ich das Gefühl hatte, ich müsse nicht gleich sofort nachgeben, antwortete ich betont gleichgültig, dass das auch schon anders geklungen hätte und ER ja Schluss gemacht hat. In der eindeutigen Erwartung einer Entschuldigungs-SMS von ihm war ich danach komplett baff, als seine Antwort lautete "Du hast Recht. Es ist wirklich besser, wenn wir uns nicht mehr sehen". Wow. Nach dieser Antwort ging es mir noch miserabler, was ich bis dahin nicht mal für möglich gehalten hätte.

Ich versuchte mich abzulenken indem ich zockte, Bücher las und lange Spaziergänge mit unserem Hund unternahm. Nichts half. Gar nichts. Es ging mir sogar so schlecht, dass ich anfing mir Gedanken über Suizid zu machen. Wen würde es überhaupt kümmern, wenn ich nicht mehr da wäre? Ich ging ja sowieso schon allen auf die Nerven mit meiner immerwährenden schlechten Laune. Nächtelang lang ich wach, hab geheult und mir ausgemalt, wie traurig alle wären, wäre ich einfach tot. Aber ich wusste irgendwo in meinem Inneren, dass ich immer noch meine Freunde und meine Familie hatte, für die es sich zu leben lohnt. Und ich war 16. Mein ganzes Leben stand mir noch offen. Ein grosser Trost war das damals allerdings auch nicht. Wenn das ganze Leben von nun an so trist verlaufen würde, wäre eh alles für nichts. Mein Selbstmitleid erreichte wirklich Spitzenhöhen.

Und so vergingen ein paar Monate, in denen ich alles und jeden Scheisse fand. Nach einem halben Jahr konnte wirklich niemand mehr meine Leier von Marco hören. Inklusive meiner damals besten Freundin Nata. Also sagte ich mir irgendwann, dass jetzt genug Trübsal geblasen ist. Ich fing langsam an, die Situation zu akzeptieren, zog mich an, legte den zweifellos bescheuertsten babyblauen Lidschatten auf (damals fand ich den supertoll) und ging raus in die Welt. Allerdings fragte ich mich, wo ich denn jetzt einen neuen Kerl treffen sollte. Von meinem Freundeskreis kam keiner in Frage und bei der Arbeit oder in der Berufsschule war mir kein annehmbares Exemplar von Mann aufgefallen. Ich versuchte es mit Online Dating und Blind Dates, was sich aber jedes einzelne Mal als Enttäuschung entpuppte. Zu allem Übel hatten sich meine Eltern dazu entschieden, im grössten Kaff der Schweiz ein Haus zu bauen. Und wir zogen dahin. Weg von meinen Freunden, von meiner besten Freundin Nata und von meiner gewohnten Umgebung. Bah.

Dort angekommen war meine Laune erst mal auf dem absoluten Nullpunkt. Ich hasste das Haus, ich hasste die Umgebung und ich hasste die neuen Nachbarn. Aber ich mochte den Gärtner, den meine Eltern eingestellt hatten. Also den Azubi - Marcel. Der "richtige" Gärtner sah aus wie Obelix.

Marcel war etwa in meinem Alter und wenn ich ehrlich bin, eigentlich überhaupt nicht mein Typ. Aber ich wollte mich einfach ablenken und fand einen Flirt gar nicht so schlecht.

Wir kamen ins Gespräch und ich half sogar dabei, den ganzen verdammten Garten umzugraben. Natürlich in meinen knappsten Shorts und einem T-Shirt mit anständigem Ausschnitt. Ich wollte mich ja vor Marcel ins bestmögliche Licht rücken.

Er biss an und wir verabredeten uns. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen rummachen und freute mich, dass wir uns bei ihm zu Hause treffen würden. Zu meinem Entsetzen stellte sich heraus dass er 10 Geschwister hatte! Fast alle jünger als er und fast alle permanent in seinem Zimmer. Bei uns. Meine Laune sank sofort in den Keller. Ich hatte aber auch immer Pech. Ich suchte mir eine billige Ausrede, um so schnell wie möglich wieder das Weite zu suchen. Nichtsdestotrotz wollte ich keinesfalls auf Marcel verzichten und wir verabredeten uns ab da bei mir. Meine Mutter war maximalentsetzt, als ich den Gärtner-Azubi nach Hause schleppte, aber das spornte mich nur noch mehr an.

Wir hatten ein paar Verabredungen und natürlich sparte ich mich nicht auf sondern ging zur Sache. Aber nach ein paar Wochen wurde mir langweilig und ich musste mir wohl auch eingestehen, dass das nicht ewig halten würde. Schliesslich war Marcel gar nicht wirklich mein Typ. Also machte ich Schluss.

Es folgten noch weitere unbedeutende Beziehungen und One-Night-Stands und ich hatte eigentlich nie Liebeskummer, weil ich immer diejenige war, die mit den Männern Schluss machte. Wie es den Männern dabei ging interessierte mich null.

Und dann traf ich an einer Party Mike. Für mich ein absoluter Traumtyp. Gross, schöne Augen, schöne Zähne, gepflegte Haare, stark, männlich, humorvoll. Er war ein Traum. Ich verknallte mich Hals über Kopf in ihn und legte mich richtig ins Zeug, um bei ihm zu landen. Es klappte erfreulicherweise und wir trafen uns bei ihm zu Hause. Natürlich hatten wir beim ersten Treffen gleich Sex. Ich wollte auf keinen Fall etwas anbrennen lassen.

Das ging ein paar Wochen so und eines Tages schrieb er mir, er würde sich gerne in einem Café treffen. Ich freute mich auf ein weiteres Date, machte mich schick und ging zu besagtem Café. Er war schon da. Und sah mich auf eine komische Art und Weise an. Nicht auf die "Du-siehst-heute-wieder-wundervoll-aus-Weise", die ich schon kannte. Eher eine "Augen-zu-und-Durch-Weise". Ich setzte mich misstrauisch und liess ihn sprechen. Er sagte mir, dass er Abstand bräuchte und dass er eigentlich gar nicht auf der Suche nach einer Beziehung wäre und dass ich nett sei und er wolle mich nicht verletzen aber er sähe aktuell einfach keine andere Möglichkeit, als den Kontakt zu mir abzubrechen.

Spätestens als er sagte, dass ich "nett" bin, schaltete ich ab. In meinem Kopf hielten sich Wut und Trauigkeit die Waage. ER machte mit MIR Schluss? Dabei hatte ich mir doch geschworen, dass ich nie wieder in diese Situation gelangen würde. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn darauf hin angebettelt habe, uns noch eine Chance zu geben. Einfach, weil ich nicht wieder in dieses bodenlose Loch namens Liebeskummer fallen wollte. Er blieb aber unerbittlich, verabschiedete sich und liess mich völlig fassungslos in diesem Café sitzen. Zweifellos hatte er das nicht zum ersten Mal gemacht.

Ich ging nach Hause und war die kommenden Wochen wieder unausstehlich. Ich war aber nicht traurig, wie ich es nach Marco erlebt hatte. Ich war stinksauer. Was bildete der sich eigentlich ein? Hatte er überhaupt eine Ahnung, was ihm entging? Und sooooo toll sah er nüchtern betrachtet auch nicht aus. Und sowieso. Wenn er mit mir Schluss machte, hatte er sicher eine andere. Wie lange ging das wohl schon mit seiner neuen Flamme? Hat er mich mit ihr betrogen? So eine Scheisse!

Ich wünschte ihm die Pest an den Hals, löschte seine Nummer aber nicht. Nicht, weil ich ihm nochmal schreiben oder mich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal melden wollte. Ich behielt seine Nummer für den Fall, dass er jemals wieder den Nerv haben sollte, sich bei mir zu melden. Dann wüsste ich gleich um wen es geht und könnte ihm eine Parade von Schimpfwörtern als Antwort liefern. Natürlich nagte die Abneigung an mir. Trotz meinem riesigen Ego bin ich doch nicht immun gegen Zurückweisung. Wenn er mir wenigstens einen triftigen Grund geliefert hätte. Da er das aber nicht hatte, kam ich nach einigen Tagen des Intensivüberlegens zum Schluss, dass eindeutig ER das Problem war und er hunderprozentig eine Neue hat. Kann ja sonst keinen anderen Grund geben.

Nachdem ich mir das so zurechtgelegt hatte, suchte ich mir eine neue Ablenkung. Sprich, einen neuen Typen. Wurde aber nicht sofort fündig. Weil ich ihn an einem Ort traf, den ich überhaupt nicht mit potenzieller Beziehung in Verbindung brachte: In einem Sitzungszimmer im Büro. Sein Name war Florian. Wenn du meinen Post "2. Teil: Die frühen Zwanziger - das waren noch Zeiten" gelesen hast, kennst du ihn und wie es weiterging bereits. Um es kurz zu machen: Es entwickelte sich eine über 5 Jahre dauernde Beziehung daraus, während der ich ihm sogar einmal fremdgegangen bin.

Flo und ich haben im gegenseitigen Einverständnis Schluss gemacht. Es passte einfach nicht mehr und nach meinem Betrug war einfach zu viel passiert, als dass es sich gelohnt hätte, weiter zu kämpfen. Natürlich waren wir beide verletzt und wir fanden es schade wegen der gemeinsamen Zeit. Allerdings beschloss ich, nicht allzu lange Trübsal zu blasen. Ich würde endlich alleine wohnen! Ich war nach meinem Wegzug von den Eltern direkt mit Florian zusammengezogen und freute mich jetzt darauf, eine ganz neue Erfahrung machen zu können. Schlussendlich war ich grade mal 24 und die Welt lag offen vor mir. Flo tat mir einen Gefallen und zog auch schon ziemlich bald in eine eigene Wohnung und liess mich in unserer alten gemeinsamen Wohnung zurück. Ich hatte noch 3 Monate Zeit, bis ich in eine neue Bleibe ziehen müsste. Die gemeinsame Wohnung war definitiv zu teuer für mich alleine. Aber ich liess mich nicht runterziehen, sondern genoss meine neue Freiheit.

Dieses Gefühl wurde auch von etwas anderem beflügelt. Ich hatte natürlich schon wieder einen neuen Typen im Visier: Fabio. Einer aus meinem Büro. Wir verstanden uns schon lange gut und hatten schon vor Monaten Nummern getauscht. Mehr unternommen als miteinander zu schreiben hatten wir aber bislang noch nicht. Jetzt, da ich Single war, konnte ich sofort loslegen. Was wir dann auch taten. Er wohnte auch alleine und trotzdem meine Wohnung gross war, beorderte er mich lieber zu sich wenn er grade mal Lust auf Sex hatte. Das fiel mir aber nicht mal auf. Ich war absolut hin und weg von ihm und meiner neuen Freiheit. Wir trafen uns fast jeden Abend und so ziemlich jedes Wochenende. Wir schrieben viel bis in die Nacht hinein. Im Büro gingen wir uns aus dem Weg, grinsten uns aber immer wieder verstohlen gegenseitig an. Das ging einige Wochen so.

Und dann kam der Hammer. Fabio kam eines Tages im Büro an meinen Schreibtisch und steckte mir im Flüsterton, dass er zurück nach München ziehen würde. Einfach so. Eine Minute, bevor die Informationsveranstaltung für alle sowieso angesetzt war. Ich konnte nicht mal irgendetwas sagen, das kam komplett unerwartet. Er wandert aus und sagt mir das mal so salopp zwischen Tür und Angel? Ich war aber nicht sauer, ich war traurig. Und mein Hirn ratterte sämtliche Möglichkeiten ab, wie wir trotzdem eine Beziehung aufbauen könnten. Ich fand mich damit ab, dass ich dann ein paar Mal im Monat nach München fahren müsste. So what?

Und so blickte ich schon viel gelassener in die Zukunft. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich sowieso nicht, weil Island vor der Tür stand. Die Reise hatte ich eigentlich mit Flo gebucht, habe ihn als Reisebegleitung aber wegen unserem Beziehungs-Aus durch Giulia, meine beste Freundin, ausgetauscht.

Die letzte Nacht vor dem Urlaub verbrachte ich mit Fabio (natürlich bei ihm zu Hause), fuhr am nächsten Tag freudig nach Hause, packte und fuhr zum Flughafen.

Die Reise war unglaublich toll und dadurch, dass ich mit meiner besten Freundin unterwegs war, war ich auch ständig abgelenkt und machte mir keine Gedanken. Dass Fabio zu Hause auf mich warten würde, beflügelte mich ausserdem. Bis er aufhörte, mir ständig Whatsapp zu schreiben, wie er es sonst immer tat. Seine Antworten wurden immer einsilbiger, er brauchte teilweise ewig bis er zurückschrieb. Ich wusste sofort, dass da was nicht stimmte. Natürlich klagte ich Giulia mein Leid und fing an, Fabio regelrecht zu stalken. Wieso war er ständig online, schrieb mir aber keine Antwort auf meine Nachrichten??? Ich entwickelte eine regelrechte Sucht. Giulia und ich waren jeden Tag unterwegs aber sobald ich WLAN hatte, überprüfte ich sofort, ob Fabio mir geschrieben hatte und wenn nicht, wann er zuletzt online war. Mir dämmerte so langsam aber sicher, dass er gerade dabei war, mit mir "Schluss" zu machen. Wir hatten ja nicht mal eine Beziehung. Aber trotzdem passte mir das überhaupt nicht. Ich war traurig und wütend zugleich. Traurig, weil ich schon wieder abgewiesen wurde und mich benutzt fühlte, wütend weil er es sich so verdammt einfach machte. Ich wusste ganz genau, dass der Zug jetzt abgefahren war, konnte aber trotzdem nicht einfach damit abschliessen.

Als ich zurück in der Schweiz war, versuchte ich mich ein paar Mal mit ihm zu verabreden, er lehnte jedoch immer höflich aber bestimmt ab. Ich erinnere mich noch deutlich an einen Abend, wo ich alleine zu Hause sass und mir alles zu viel wurde. Mit Flo war Schluss, Fabio wollte mich auch nicht mehr und ich würde zweifellos irgendwann alleine sterben. Nur hätte ich keine Katzen, sondern Mäuse, die mich anknabbern würden. Ich fiel wieder in eine Phase des bodenlosen Selbstmitleids. Und machte darauf den Fehler, Nadim anzurufen. Ein Freund als alten Zeiten. Ein Freund, den ich immer in die Friendzone geschoben hatte. Ein Freund, der mich niemals abgelehnt hätte, hätte ich ihn nur rangelassen. Ein Freund, der mich jetzt ablenken sollte. Ich fragte ihn, ob er vorbeikommen könne. Er konnte natürlich. Einfach nicht allzu lange, das sagte er mir von Vornherein.

Naja, er kam vorbei, wir hatten schlechten Sex und er verkrümelte sich gleich darauf wieder und liess mich alleine in der Wohnung zurück. Das war der schlimmste Moment meines Single-Daseins. Ich fühlte mich ausgenutzt und ziemlich dumm. Ich wusste, dass es meine Schuld war. Ich wollte meinen Herzschmerz mit anderen Typen überdecken und es war mir egal, mit wem. Nur hatte es nicht funktioniert und ich fühlte mich noch schlechter als vorher.

Ich schwor mir, diesen Fehler nie mehr zu wiederholen und mir lieber die Zunge abzubeissen, als wieder einfach irgendjemanden anzurufen und zu mir zu bestellen, wenn ich grade mal Liebeskummer hatte. Denn das ist eindeutig keine sehr gute Taktik.


Ein paar Wochen später schrieb ich mit Leo. Den hatte ich Monate zuvor beim Bodyflying kennengelernt und es stellte sich heraus, dass ich seine Nachrichten auf Facebook nie bekommen hatte weil wir nicht befreundet waren. Leider eröffnete er mir, dass er in zwei Tagen nach England ziehen würde, um dort ein Jahr zu studieren. Das hielt mich aber nicht davon ab, mich Hals über Kopf in ihn zu verlieben. Natürlich trafen wir uns noch bevor er abreiste und auch nach seiner Abreise schrieben und skypten wir regelmässig. Er lud mich sogar einmal zu irgendeiner Show in London ein. Dafür kaufte ich mir ein überteuertes Flugticket und freute mich auf ein romantisches Wochenende. Ich wurde extrem hart auf den Boden der Realität zurückgeholt, als das gar nicht so lief wie geplant. In seinen Augen waren wir anscheinend nichts weiter als Freunde. Wir hatten zwar Sex aber das war auch schon alles. Kein Händchen halten, keine tiefsinnigen Gespräche, keine Romantik. Nichts. Er liess mich auch sang- und klanglos am nächsten Tag stehen und ging zurück zu seiner Uni. Ich hatte dann immer noch den restlichen Samstag und den kompletten Sonntag zum alleine totschlagen in London. Mir eingestehen, dass ich eine Abfuhr kassiert hatte, wollte ich aber nicht. Wieder zu Hause angelangt, ärgerte ich mich über seine halbherzigen Antworten auf meine Nachrichten und dass er (wie Fabio) ständig online war, mir aber nie zurück schrieb. Ich fing wieder an zu stalken. Und war komplett verzweifelt und wütend. Hatte ich es echt schon wieder geschafft?! Mit Hilfe von Flo, mit dem ich nach wie vor relativ gut befreundet war, schrieb ich Leo eine Nachricht. Ich schrieb, dass ich eigentlich an keiner Beziehung interessiert wäre. Flo riet mir dazu, damit ich anhand der Antwort rausfinden konnte, ob es tatsächlich keine Chance für eine Beziehung gäbe. Leo's Antwort war alles, was ich wissen musste: "Ich sehe das genau so und bin froh, dass wir das klären konnten. Ich habe hier genug mit meinem Studium zu tun und eine Fernbeziehung ist nichts für mich". So, jetzt hatte ich mal wieder den Beweis. Der Typ wollte mich nicht.

Ich strafte ihn mit Schweigen und schrieb nicht mehr zurück. Sehr zu meinem Ärgernis tat er genau dasselbe und lebte einfach munter sein Leben weiter. Das nagte noch lange an mir und es dauerte eine Weile, bis ich aufhörte ihn im Whatsapp zu stalken und mich über ihn zu ärgern.


Der Beginn meiner letzten langen Beziehung folgte kurz nach Leo. Es war meine zerstörerische Beziehung mit Ashif. Wenn's dich interessiert kannst du unter About me alles darüber nachlesen.

Aber diese Beziehung beendete ich. Und wie ich später feststellen musste, tat ich dies nach einem Muster, das mir bis dahin nicht mal aufgefallen ist: Ich hatte einen neuen Mann in Aussicht und fand erst dann den Mut, wirklich Schluss zu machen. Ähnlich wie bei Flo.

Und das führt mich zu einem eigentlich offensichtlichen Punkt: Unterbewusst hatte ich schon lange gewusst, dass die Beziehung mit Ashif niemals gut enden würde. Ich hatte aber nicht den Mut, einfach Schluss zu machen. Was, wenn ich ihn vermissen würde? Eine On-Off Beziehung wollte ich nicht. Und was man mir auch alles vorwerfen mag, wenn mal Schluss war, dann war auch definitiv Schluss. Zurück gibt's dann nicht mehr. Also musste ich mir das wirklich genau überlegen und zu 100% dahinterstehen. Das konnte ich aber niemals, solange auch nur der minimalste Teil in mir das Gefühl hatte, ich kann die Beziehung noch retten. Wirklich sicher war ich mir erst, als ich Tom kennen lernte und Ashif und die Beziehung eigentlich sofort komplett in den Hintergrund stellte.

Heute weiss ich: Ich hatte innerlich eigentlich schon lange mit Ashif abgeschlossen und war einfach in den "Abwarte-Modus" gewechselt. Tom lief mir über den Weg und schon war die Sache für mich abgeschlossen. Und ich machte mit Ashif auch ziemlich schnörkellos Schluss, zog sofort aus und verschwand ab da eigentlich komplett aus seinem Leben. Ok, wer die Geschichte gelesen hat, kann es vielleicht nachvollziehen. Nebst normaler Beziehungskrise hatten auch Alkoholprobleme etwas damit zu tun. Aber niemals hätte ich mich so schnell und vor allem emotionslos getrennt, wenn nicht Tom in Aussicht gewesen wäre. Und es tut mir Ashif gegenüber auch leid, ich hätte die Beziehung schon viel früher beenden sollen. Aber was sich da mit dem "Abwarte-Modus" bei mir abspielte war unbewusst. Anscheinend hat mein Unterbewusstsein die Schnauze voll vom Liebeskummer und hat einen feigen Ausweg gefunden, um mich auf Kosten meines Ex-Freunds, davor zu bewahren. Aber hey - tun die Männer oft nicht genau das mit uns Frauen?


Du fragst dich jetzt sicher, was genau ich aus meinen zahllosen Fehltritten gelernt habe und inwiefern dir das jetzt helfen soll.

Naja, ich habe zum Beispiel gelernt, dass der "Ich-wurde-verlassen-Liebeskummer" die nervigste Sorte ist. Weil damit das Gefühl zusammenhängt, dass man nicht begehrenswert ist, dass man Fehler gemacht hat, dass man nicht genug für den (Ex) Partner ist. Egal, was der Grund für die Trennung war, dieses Gefühl stellt sich unweigerlich ein. Dadurch fängt man zwangsläufig an, erst die verflossene Liebe und danach sich selbst zu betrauern. Und für Selbstmitleid ist unsere Zeit auf dieser Erde definitiv zu kurz bemessen. Viele Freundinnen haben mir schon erzählt, dass sie nach so einer Trennung das Gefühl hatten, jemand sei gestorben und der Verlust hätte ein riesiges Loch hinterlassen. Das stimmt ja auch gewissermassen, die Beziehung ist tatsächlich gestorben. Also trauere um den Verlust, trauere um die gute Zeit, die ihr zusammen hattet. Heul' dir die Augen aus, zieh' dir jeden Liebesfilm rein, den du in die Finger kriegst und hör' deinen Lieblings-Depro-Sound rund um die Uhr, egal was. Aber sobald du nicht mehr um die Beziehung, sondern um dich selbst anfängst zu trauern, ist die Schonfrist vorbei. Beim ersten Gedanken in Richtung "Ich werde einsam sterben", "Niemand will mich" oder "Ich werde nie wieder einen anderen kennen lernen" musst du dich aufrappeln und anfangen, wieder an deinem Selbstbewusstsein zu arbeiten. Auch wenn du überhaupt keine Lust dazu hast weil du dir selber ja so leid tust. Fang ein neues Hobby an, geh an eine Party, triff dich mal wieder mit Freunden - oder allgemein gesagt: Komm aus deiner Höhle und geh mal wieder unter Leute! Sich nur mal wieder hübsch anzuziehen, ein wenig Schminke aufzulegen und andere Leute zu sehen kann einen unglaublichen Energieschub liefern. Damals bei Marco hat mich meine beste Freundin Nata irgendwann gepackt und unter Leute geschleppt. Sie hatte dort schon begriffen, dass ich eigentlich nur noch im Selbstmitleid zerfliesse und wollte dem Spektakel nicht weiter zusehen. Und dafür war ich ihr sehr dankbar. Gute Freunde tun so etwas für dich. Aber denk dran: Deine Zeit hier ist wirklich zu kurz bemessen, als dass du darauf warten solltest, dass deine Freunde dich nicht mehr so sehen wollen. Tu dir selbst einen Gefallen und leg das Selbstmitleid so schnell wie möglich ad acta. Dafür bist du zu gut.


Dann gibt es aber auch noch eine andere Art von Liebeskummer, die vielen Frauen bekannt vorkommt. Während meiner zahllosen Frauengespräche mit Freundinnen und Kolleginnen habe ich immer wieder das Phänomen entdeckt, dass zwar sie Schluss gemacht haben, dann aber irgendwann ihre Entscheidung bereuten und unbedingt zu ihrem Ex zurück wollten. Sehr oft war damit der Hintergrund verbunden, dass besagte Freundinnen ihren Freund ziemlich jung kennengelernt hatten und dann Jahre in derselben Beziehung steckten. Faktisch waren sie gefühlt ihr halbes bisheriges Leben in derselben Beziehung! Und irgendwann, nach ein paar Jahren in der Beziehung, fingen sie sich an zu fragen, was es da draussen wohl sonst noch gibt. Aber nicht alle hatten den Mut, genau das zu denken. Einige nannten als Grund ihrer Trennung, dass sie keine Emotionen mehr gehabt oder dass sie und ihr Ex sich einfach auseinander gelebt hätten. Das geht meiner Meinung in dieselbe Richtung wie "Da draussen gibt es doch noch mehr". Sie haben gemerkt, dass ihr Partner nicht der Richtige für sie war.

Ok, dann folgte die Trennung und alles war super für ein paar Wochen oder Monate des wilden Rumvögelns. Nur, dann haben sie festgestellt, dass das Single-Leben hart ist. Dass die Welt nicht nur die erwarteten tollen, gut aussehenden, emotional stabilen, einfühlsamen Männer für sie bereit hielt, sondern je nach Ort des Kennenlernens ein eher mässiges Spektrum an Exemplaren. Das hat sie anfangs nicht gestört, weil es ihnen da ja auch nur ums Ausleben ging. Irgendwann wollten sie aber mal wieder was Ernsteres. Und dann fingen sie an, ihren vertrauten Ex zu vermissen. Weil sie bei dem wussten, was sie hatten. Jetzt waren sie ständig im Ungewissen und ausserdem nervten die ständigen Analysen jeder kleinsten Nachricht ihrer Flirts. Also wäre es doch nur naheliegend wieder mir ihrer eigentlichen grossen Liebe zusammen zu kommen. Da sie aber während ihrer Single-Zeit mit so vielen Typen geschlafen hatten, waren sie sich nicht sicher, ob er sie unter diesen Umständen überhaupt noch wollte. Ausserdem wussten sie überhaupt nicht, ob er überhaupt noch Gefühle für sie hatte. Also zerfleischten sie sich selber und quälten sich mit Gedanken an ihre verflossene Liebe und dass sie ihren Ex wirklich vermissten.

Liegt das vielleicht dran, dass ihnen klar wurde, dass ihr Ex nicht ewig auf sie warten würde? Natürlich gesetzt der Fall, er würde sie überhaupt zurücknehmen. Aber falls ja, ist dieses Zeitfenster maximal so lange offen, bis er eine neue ernste Beziehung hat. Dann hätten sie keine Chance mehr und wüssten, es ist definitiv vorbei und es wäre ihre Schuld.


Falls du gerade etwas ähnliches durchmachen solltest, frag dich doch einmal nach den Gründen für deine Beendigung der Beziehung. Die werden sich nicht in Luft aufgelöst haben. Und nur weil du denkst, dass dein Ex sich in der Zeit total verändert hat und jetzt genau das macht, was du immer haben wolltest, heisst es nicht, dass dem auch tatsächlich so ist. Oft höre ich Dinge wie "Doch, er ist wirklich ganz anders! Er war früher nie emotional / hat nie viel geredet / hat die den Haushalt gemacht aber jetzt schon!" Ich muss da leider widersprechen. Das wirkt oft nur so, weil er dich das glauben machen will oder weil er die Trennung anfängt zu überwinden, du das unterbewusst merkst und deine Wünsche auf ihn projizierst. Nein, dein Ex ist nicht innert weniger Wochen oder Monaten zu einem komplett neuen Menschen mutiert. Er hat immer noch dieselben (nervigen) Angewohnheiten, dieselben Ansichten, derselbe Charakter oder was auch immer dich dazu bewegt hat, dich von ihm zu trennen. Und was ist wenn du sagst, dass nicht er sondern du der Grund für die Trennung warst? Hast du dir mal überlegt, was es mit seinen Gefühlen anstellt, wenn du ihn erst abservierst, nur um dann etwas später wieder anzuklopfen im Sinne von: "Hey, Single zu sein war toll aber jetzt nervt es. Hab dich vermisst, was gibt's zu Essen?"

Dasselbe gilt übrigens auch dann, wenn du dich getrennt hast, weil du einen anderen kennengelernt hast und das dann nicht wie gewünscht geklappt hat.

Für den Fall, dass dein Ex dich zurücknehmen sollte und ihr einen Neuanfang wagt, bist du ab sofort immer diejenige, die mal Schluss gemacht hat und dann wieder zurück kam. Und das noch einmal machen kannst du nicht. Falls du also noch einmal Schluss machen solltest, ist es für immer vorbei. Hoffe ich zumindest, denn sonst hätte dein Freund überhaupt keine Selbstachtung.

Falls du also zurück willst, solltest du dir das wirklich sehr gut überlegen und dir absolut sicher sein, dass du nicht einfach Ping Pong mit seinen Gefühlen spielst. Das wäre ihm gegenüber nicht fair und macht dich unglaubwürdig.

Das macht deinen Liebeskummer auch nicht besser, ich weiss. Du vermisst ihn, aber eigentlich weisst du, dass es im Grunde ein "egoistisches" Vermissen ist, weil du nicht mehr alleine sein willst und wieder das haben willst, was du früher hattest. Und glaub mir, wenn du deinen Ex vermisst, fängt dein Gehirn an, nur die positiven Erlebnisse mit ihm hervorzukramen. Die negativen sind alle irgendwie grade entfallen. Die kommen aber wieder weil er sich eben nicht komplett geändert hat. Also lenk dich ab, geh aus und versuch, die Vorstellung von dir und deinem Ex als Paar zu vergessen. Du hattest anfangs recht: Es gibt tatsächlich noch sehr viel mehr da draussen und wenn du es am wenigsten erwartest, kommt eine neue Liebe einfach so plötzlich um die Ecke gelaufen.


Ein weiteres Phänomen an Liebeskummer ist, dass er irgendwie nie der Vergangenheit angehört. Es kann immer plötzlich zu einer Trennung kommen, egal in welchem Lebensabschnitt man sich grade befindet. Man denkt, man hätte die ganze Scheisse hinter sich gelassen, nur um ein halbes Jahrzehnt später festzustellen, dass man sich wieder am Anfang befindet. Und es wird nicht unbedingt einfacher mit dem Alter. Eher im Gegenteil: Da trauert man nicht sehr lange um die Beziehung, sondern um die ganze Zeit die man mit diesem Kerl vertrödelt hat und um sich selber, weil man jetzt nicht mehr so jung aussieht und alle gleichaltrigen guten Typen schon verheiratet sind und Kinder haben. Dazu kommt, dass man in den ganzen Lebensjahren viel erlebt hat und mittlerweile viel genauere Vorstellungen vom Idealpartner hat. Das macht es auch nicht grade einfach. Und dann nicht wieder im Selbstmitleid zu zerfliessen wird schwierig. Aber ich habe mir geschworen, sollte das mit meinem Freund Tom nicht hinhauen und wir trennen uns, schmeisse ich für ein Jahr alles hin und gehe auf Reisen. Wieso sollte ich mich mit dem heimischen Fischtank begnügen, wenn es da draussen 5 Weltmeere gibt?!

Nur weil weil man ein gewisses Alter erreicht hat, heisst das noch lange nicht, dass es da draussen keinen passenden Deckel mehr gibt. Kopf in den Sand stecken ist nicht.

Ich weiss, das ist leichter gesagt als getan. Aber mit der Hilfe von Freunden und Familie kann man seine gute Laune auch schnell auf andere Weise wieder finden. Ablenkung und regelmässige Beauty-Vollprogramme sind Pflicht. Nur wer sich schön fühlt, wirkt auch schön. Also ab zur Maniküre, leg dir ein Peeling und Masken auf, geh shoppen, geh ins Fitness-Studio... Wenn du zufrieden bist, strahlst du das auch aus. Ausserdem kann man bei auswärtigen Aktivitäten überall Männer kennen lernen. Auch wenn man keinen Bock drauf hat. Steffi, eine sehr gute Freundin, hatte vor vielen Jahren grade eine Trennung hinter sich und war alles andere als erfreut, als sie von Freunden an eine Party geschleppt wurde. Sie stand eigentlich den ganzen Abend mies gelaunt in einer Ecke. Bis sie Sergio kennen lerne. Es war überhaupt keine Liebe auf den ersten Blick. Die beiden tauschten zwar Nummern, zickten sich aber eigentlich permanent an und versicherten sich gegenseitig, dass aus ihnen garantiert nie mehr werden könnte, weil sie sich blöd finden. Und dann trafen sie sich noch einmal. Und noch einmal. Und heute sind sie verheiratet.

Es gäbe keine zweiten und dritten und vierten Hochzeiten, wenn da draussen nicht sehr viele optimistische Leute rumlaufen würden, die sich sagen, dass das Alter überhaupt keine Rolle spielt und man jetzt halt einfach einen neuen Lebensabschnitt öffnen muss. Und wenn sie aufhören auf dem Sofa zu liegen und sich zu bemitleiden, finden sie unerwarteterweise doch noch ihren zweiten oder dritten Mann. Man muss einfach offen für Neues bleiben.


Kann natürlich auch sein, dass dein Ex sich getrennt hat, weil du ihn betrogen hast. Und du bereust das jetzt zutiefst und würdest am liebsten die Zeit zurückdrehen. Das ist absolut verständlich. Uns wird erst bewusst, dass wir etwas wirklich wollen, wenn wir es nicht mehr haben können. Und wenn ein Fehler von dir der Grund für die Trennung war, ist das natürlich umso bitterer. Aber ich spreche aus Erfahrung als Fremdgängerin: Betrügen passiert nicht "einfach so". Es entwickelt sich eine gute Freundschaft mit einem anderen Mann, man findet ihn attraktiv, man fängt heimlich mit ihm zu chatten an oder verbringt Stunden damit, an ihn zu denken und sich Phantasien auszumalen. Während man noch in einer Beziehung ist. Und dass man den Partner physisch betrügt, ist irgendwann eine mehr oder weniger bewusste Entscheidung. Und was "betrügen" für den Partner bedeutet, sollte man eventuell am Anfang der Beziehung klären. Wenn du zum Beispiel eher offen bist und gerne mal mit fremden Männern auf Dating-Apps chattest, nur um dich zu unterhalten, könnte das schon als betrügen aufgefasst werden. Auch wenn du gar keine solchen Absichten verfolgst. Oder denkt dein Partner zum Beispiel dass du ihn betrügst, würde er dich im Ausgang mit deinen Mädels sehen, wie du eine heisse Sohle mit einem fremden Mann aufs Parkett legst? Ich gehöre selber zu diesen eher "offenen" Modellen und hatte ab und zu Dramas zu Hause deswegen. Ich glaube, ein klärendes Gespräch am Anfang der Beziehung würde hier Abhilfe schaffen. Klar, es hilft nicht, wenn du jetzt um deinen Ex trauerst, der dir deswegen den Laufpass gegeben hat. Aber du behältst es im Hinterkopf für die nächste Beziehung, die unweigerlich irgendwann kommen wird. Und für den Moment ist es nun einfach so: Du hast mit dem Feuer gespielt, du hast dich verbrannt und deine Beziehung dadurch verloren. Du bist deswegen aber kein schlechterer Mensch und du musst dich jetzt nicht ständig bei deinem Ex melden und ihm beteuern, dass es dir leid tut und dass du ihn sehr vermisst. Im Gegenteil: Entschuldige dich einmal und dann lass ihn in Ruhe damit. Er braucht auch seine Zeit, das zu verarbeiten und die nächsten Schritte zu überlegen. Vielleicht kann er irgendwann damit leben, vielleicht wird es für ihn aber auch für immer vorbei sein. Auch wenn es dich jetzt nicht tröstet: Alles kommt so wie es muss. Du wirst deswegen nicht für immer allein sein und du wirst einen neuen Partner finden. Sei geduldig, hör auf dich zu bemitleiden und steh zu deinen Fehlern. Passiert ist passiert. Krone wieder aufsetzen und weiter geht's. Mit oder ohne Ex.


Und was ist, wenn du Liebeskummer hast, weil deine Liebe einfach nicht erwidert wird? Das ist auch ziemlich nervig. Kann ja sein, dass dein Angebeteter noch nicht mal von deiner Existenz weiss. Oder dass du ihm deine Liebe gestanden hast, aber von ihm nichts zurück kommt. Ich glaube bei beiden Varianten läuft es auf dasselbe hinaus: Du bist einfach zu unsichtbar, weil du dir selbst im Weg stehst. Wenn dein Mr. Right nicht mal von deiner Existenz weiss (und wir schliessen jetzt hier die Taylor Lautners und sonstigen Promis kategorisch aus), dann solltest du das dringend ändern. Aber du schickst ihm keine schmalzigen Liebesgedichte und du stellst dich auch nicht mit schwitzigen Händen vor. Nein, dann kannst du nur eins machen: Ne Pause einlegen, Abstand zu dem Mann halten und dir was Gutes tun. Je mehr du dich auf diese unerwiderte Liebe fokussierst, desto mehr strahlst du Unzufriedenheit und Selbstmitleid aus. Und darauf steht nun wirklich kein Mann.

Also, tu was für dich und deinen Körper. Lass den Typen eine Weile mal links liegen. Vor allem, wenn du ihm deine Gefühle gestanden hast, er es aber bevorzugt, nichts zu erwidern. Der wird sich schon noch melden, wenn er sieht wie gut es dir geht und wie toll du aussiehst. Und vor allem wenn er merkt, dass du weitermachst und positiv bleibst. Es wird eine Weile dauern, bis er das sieht. Aber wenn du es am wenigsten erwartest, kommt plötzlich eine Nachricht aus dem Nichts von ihm.

Leo, meine London-Möchtegern-Beziehung hat sich Jahre später plötzlich bei mir gemeldet und wollte wissen, wie es mir geht. Ich war da gerade mit meinen Mädels in Amsterdam und es ging mir fantastisch. Er brachte zum Ausdruck, dass er sich sehr gerne mal wieder mit mir treffen würde. Und nein, er meldete sich nicht, weil er wieder aus London zurück war und sein Studium gerade beendet hatte. Das hatte er Jahre zuvor bereits abgeschlossen. Ich glaube er wollte einfach mal abchecken, ob wir nicht doch zusammenpassen würden - und sei es für einen One-Night-Stand. Ich lehnte dankend ab. Tja. Und er war kein Einzelfall. Auch Fabio und einige weitere Typen meldeten sich urplötzlich immer und immer wieder. Ich hatte aber kein Interesse mehr an ihnen, Chance vertan - ihr Pech.

Aber wenn dein Mr. Right sich bei dir meldet und du noch Interesse hast: Bleib cool. Er soll sich ruhig anstrengen und sich beweisen. Du musst immer in deinem Kopf behalten, dass du und deine Zeit sehr wertvoll sind. Du verschwendest das nicht an jeden. Und nur weil er für dich der Eine ist, solltest du ihm das auf keinen Fall zeigen. Immer positiv bleiben und sich rar machen hilft dabei. Und eventuell mein Post Wie Männer wirklich ticken.

Und was ist, wenn er sich nicht meldet? Tja, dann hat er eben Pech gehabt und du lebst dein Leben trotzdem weiter. Du bist eine fantastische Frau und wer das nicht erkennt, ist absolut selber Schuld. Jemand anderes wird es erkennen und zu schätzen wissen und dann ist dein ehemals Mr. Right an der Reihe, Liebeskummer zu haben.


Zusammenfassend habe ich aus meinen Fehltritten und Liebeskummer-Abenteuern also folgendes gelernt: Mach dein Glück nicht von einer anderen Person abhängig. Trauere ausgiebig um die verflossene Beziehung, die guten Momente und die gemeinsamen Erlebnisse. Nimm dir alle Zeit der Welt dafür. Hör aber auf damit, wenn du merkst dass du dich anfängst selber zu bemitleiden. Das führt zu nichts. Ich weiss nicht, was der Sinn des Lebens ist. Deine kostbare Zeit zu vertrödeln, indem du dir selbst leid tust kann es aber nicht sein. Lenk dich ab, halte dich beschäftigt, triff dich mit Freunden, verabrede dich mit anderen Männern, geh in Urlaub, geh Shoppen, starte ein neues Hobby - egal was, zeig dem Liebeskummer den Mittelfinger. Und sobald du dich entspannst und dein Leben wieder toll findest, kann ganz plötzlich so einiges Positives passieren.. Es steckt viel Arbeit und Mühe dahinter, ich weiss. Und Lust auf Party und Rambazamba hast du sowieso nicht, während du vom Liebeskummer aufgefressen wirst. Mach es trotzdem. Denk an Steffi und Sergio: Aus "Alles Scheisse hier, wird eh nichts mit uns" wurde "Ja ich will".

Und auch ohne Partner kann man glücklich sein. Nur weil eine Beziehung in die Brüche gegangen ist, heisst es ja nicht, dass man analog meiner Dämlichkeit von einer Beziehung in die nächste stolpern soll. Im Gegenteil, wenn man mal einige Zeit Single ist und das Leben auch alleine meistern und geniessen kann, ist das eine ziemlich wertvolle Erfahrung. Wichtig ist, dass du dich in deiner Haut wieder wohlfühlen kannst und dein Selbstvertrauen wieder findest. Der Rest kommt dann ganz von alleine.

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